Lichtverschmutzung
Bildrechte: IMAGO

Lichtverschmutzung Wir machen die Nacht zum Tag und der Natur gefällt das gar nicht

16.05.2018 | 10:02 Uhr

Straßenlaternen und Scheinwerfer machen die Nacht in vielen Städten fast taghell. Diese Lichtverschmutzung hat negative Folgen für Mensch und Natur.

Lichtverschmutzung
Bildrechte: IMAGO

Wer in einer Großstadt wohnt und Sterne sehen will, hat schlechte Karten. Das liegt an der sogenannten Lichtverschmutzung. Das elektrische Stadtlicht überstrahlt den Sternenhimmel einfach, sodass man nicht so helle Sterne gar nicht mehr erkennen kann.

Die Städte werden heller

Das Phänomen nimmt zu. Erst im Frühjahr veröffentlichten Forscher aus Potsdam eine Studie, in der sie zu dem Ergebnis kommen, dass weite Teile Deutschlands immer heller werden. Schuld daran seien vor allem LED-Lampen mit einem hohen Anteil an blauem Licht. Die seien günstig und energieeffizient und würden deshalb immer mehr zum Einsatz kommen.

Nur ein Landstrich in Deutschland wird laut der Untersuchung dunkler: Thüringen. Woran das liegt, können die Forscher nicht erklären. Studienautor Christopher Kyba vom Geoforschungszentrum Potsdam sagte dem Bayerischen Rundfunk damals, dass alte Lampen dafür verantwortlich sein könnten: "Vielleicht zeigt sich in den Daten, dass die dort nach wie vor häufig verwendeten Natriumdampf-Lampen altern und lichtschwächer werden."

Tiere kommen aus dem Rhythmus

Für die Natur ist die Dauerbeleuchtung schwer zu ertragen. Tagaktive Organismen können nachts nicht mehr richtig runterfahren und regenerieren. Oder sie werden zu Frühaufstehern, so wie einige Vogelarten. Die fangen mittlerweile bis zu eineinhalb Stunden früher an zu singen.

Für nachtaktive Tiere ist die Lichtverschmutzung noch schwerer zu ertragen. Sie können sogar teilweise die Orientierung verlieren. Insekten trifft die nächtliche Dauerbeleuchtung am härtesten: viele fliegen direkt in die Lampen und verbrennen einfach. Andere kreisen stundenlang um die Lampen und kollabieren dann.

Selbst auf Pflanzen gibt es Auswirkungen: Künstliche Beleuchtung lässt Pflanzen früher knospen. Versuche mit Sojabohnen zeigen aber auch: Früchte reifen später und der Ertrag verringert sich deutlich, wenn künstliches Licht im Spiel ist. Andere Pflanzen blühen durch das künstliche Licht gar nicht.

Rotes Licht gegen Lichtverschmutzung

Mittlerweile gibt es einige Versuche, der Lichtverschmutzung Herr zu werden. Rotes Licht statt weißem Licht sei zum Beispiel gut für verschiedene Fledermausarten, haben Forscher aus den Niederlanden rausgefunden. Und auch für Menschen ist Beleuchtung mit einem geringeren Blauanteil besser.

Doch der Kampf gegen zu viel Licht ist schwierig. Viele Städte und Gemeinden rüsten ihre Straßenbeleuchtung gerade auf LEDs um. Die sparen zwar Stom, sorgen aber wieder - im Gegensatz zu den alten, orangen Lampen - für mehr Lichtverschmutzung.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Mittag | 16. Mai 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 14:44 Uhr

Unsere aktuellen Themen