Masern-Impfpflicht – das müssen Eltern jetzt wissen

Das neue Schuljahr hat begonnen und es ist Elternabend-Zeit. Neben den Corona-Regeln das beherrschende Thema dabei an vielen Schulen und Kitas: die Masern-Impfpflicht.

Impfpass mit Spritze
Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

An vielen Schulen und Kitas in Mitteldeutschland herrscht derzeit Unsicherheit in Bezug auf die Masern-Impfpflicht. Das Masernschutzgesetz wurde Ende 2019 verabschiedet und ist seit März dieses Jahres in Kraft. Was drin steckt im Gesetz und was es für Eltern und Kinder bedeutet, zeigt sich aber erst jetzt, zu Schuljahresbeginn. Bei Elternabenden wird informiert und es müssen Impfausweise vorgelegt werden. Aber in den allermeisten Fällen ist noch Zeit, den Immunitätsnachweis zu erbringen. Das ist aber den Verantwortlichen nicht immer klar.

Hier bekommst du einen Überblick, was wirklich gilt:

Wer muss wann den Impfnachweis bringen?

Stichtag ist der 1. März 2020. War dein Kind zu diesem Zeitpunkt bereits in der Kita oder Schule und du hast die Einrichtung nicht gewechselt, kannst du dir mit dem Impfnachweis bis 31. Juli 2021 Zeit lassen. Wenn dein Kind aber zum neuen Schuljahr eingeschult wurde oder in die Kita aufgenommen oder wenn es die Einrichtung gewechselt hat, also wenn es irgendwo neu ist, dann musst du sofort nachweisen, dass ausreichender Impfschutz besteht.

Was genau muss nachgewiesen werden?

Es muss eine Immunität gegen Masern nachgewiesen werden. Diese hat dein Kind, wenn es die Masern durchgemacht hat oder wenn es gegen die Masern geimpft ist. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt zwei Masernschutzimpfungen. Allerdings erreichen 92% aller Kinder unter 15 Jahren bereits durch die erste Impfung eine ausreichende Immunität. Das lässt sich durch eine Bestimmung des so genannten Titerwertes durch Blutentnahme nachweisen. Ist der Titerwert positiv, ist dein Kind ausreichend gegen Masern geschützt und muss nicht ein zweites Mal geimpft werden. Die Immunität durch Titerwert-Bestimmung muss im Impfausweis oder durch ein ärztliches Attest belegt werden.

Gibt es Ausnahmen von der Impfpflicht?

Natürlich müssen Kinder die bereits die Masern hatten, nicht noch einmal geimpft werden. Sie besitzen lebenslange Immunität. Das dürfte aber kaum jemanden betreffen. Vergangenes Jahr gab es laut RKI 514 Masernfälle in Deutschland. Von einer Impfung befreit sind außerdem kranke Kinder, bei denen sich die Therapie nicht mit einer Masernschutzimpfung verträgt. Das muss vom behandelnden Arzt nachgewiesen werden. Und Kleinkinder müssen erst im Alter von zwei Jahren einen vollständigen Impfschutz nachweisen. Sollten sie schon eher in einer Kita betreut werden, reicht zunächst eine Impfung, die zweite dann im Alter von zwei Jahren.

Was ist, wenn mein Kind jetzt noch keine Masern-Impfung hat?

Der Kindergarten, die Kinderkrippe oder auch Tagesmütter und –väter dürfen die Aufnahme deines Kindes verweigern, wenn es nicht gegen Masern geimpft ist. Bei Schülern ist das anders. In Deutschland gilt die Schulpflicht. Ein ungeimpftes Kind kann also nicht einfach vom Unterricht ausgeschlossen werden. In so einem Fall wird das Gesundheitsamt informiert. Dann bekommen Eltern eine Frist von 10 Tagen, in der die Impfung nachgeholt werden sollte.

Was ist, wenn ich mein Kind nicht gegen Masern impfen lassen will?

Wer die Impfpflicht ignoriert und auch nach Aufforderung durch das Gesundheitsamt die Impfung verweigert, muss mit bis zu 2.500 Euro Bußgeld rechnen. Das Bußgeld wird in der Regel nur einmal verhängt – ist aber kein Freifahrtsschein. Wer nach einer Bußgeld-Zahlung immer noch die Impfung verweigert, kann mit einem zusätzlichen Zwangsgeld belegt werden. Dieses darf so oft und so lange verhängt werden, bis das Kind geimpft wurde. Zwangsimpfungen wird es laut Bundesgesundheitsministerium in keinem Fall geben.

Muss ich es akzeptieren, dass mein Kind gleichzeitig gegen Mumps und Röteln geimpft wird?

Ja. In Deutschland gibt es derzeit nur Kombinationsimpfstoffe, die gleichzeitig gegen Masern, Mumps und Röteln bzw. Masern, Mumps, Röteln und Windpocken immunisieren. Einfachimpfstoffe gegen Masern gibt es nach Auskunft des RKI seit 2018 in der Europäischen Union nicht mehr. Gegen den Mehrfachimpfstoff laufen Beschwerden von Eltern. Sie monieren, dass das Maserschutzgesetz auch die Pflicht zur Mumps-, Röteln- und eventuell Windpockenimpfung mit einschließt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 23. September 2020 | 17:40 Uhr

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