Kühltürme eines Braunkohlekraftwerkes
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MDR JUMP-Spezial: Der Kohleausstieg - lieber spät als nie?

17.10.2018 | 11:42 Uhr

Strom aus Kohle - damit soll irgendwann Schluss ein. Schließlich entstehen dabei giftige Abgase, die das Klima schädigen. Momentan arbeitet eine Kommission an einem Plan, wie der Ausstieg und die Sicherung der Arbeitsplätze funktionieren könnten.

Kühltürme eines Braunkohlekraftwerkes
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Es geht um Klimaschutz, tausende Jobs und Strukturwandel: Die Kommission der Bundesregierung zum Kohleausstieg steht vor einer schwierigen Arbeit. Die Regierungschefs der Kohleländer Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sprachen zum Start des Gremiums von einer "nationalen Frage".

Ohne Kohle zu einem besseren Klima

Sie warnten vor einem zu schnellen Ausstieg aus der Kohle. Ihre Befürchtung: Der Stopp der Kohleförderung vernichtet mehrere tausend Arbeitsplätze. Gleichzeitig müsse die Stromversorgung gesichert sein, schließlich wird aus der Kohle in Kraftwerken meist Strom erzeugt.

Das ist Fakt: Kein Land produzierte 2013 so viel des besonders klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids wie Deutschland. Auch im vergangenen Jahr lag der Braunkohleanteil an der deutschen Kraftwerkstromproduktion noch bei mehr als einem Viertel. So lässt sich das ehrgeizige Ziel, bis 2050 die Treibhausgase um mindestens 80 Prozent zu verringern, nach Meinung vieler Fachleute nicht erreichen.

Die Tagebaue in Ostdeutschland und im Rheinischen Revier und die fast 50 deutschen Braunkohlekraftwerke mit ihren kilometerweit sichtbaren Kühltürmen sind heftig unter Druck geraten. Das haben auch im Sommer die ungewöhnlich harten Proteste gegen den RWE-Tagebau im rheinischen Garzweiler mit über 1000 Polizisten und Hunderten von Strafanzeigen gezeigt.

Kohlekommission soll Zukunft der Braunkohle klären

Die Kommission soll bis Ende 2018 eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung ausarbeiten und Wege für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen aufzeigen. Die Kommission war im Sommer eingesetzt worden. Sie soll bis Jahresende ein konkretes Konzept vorlegen, wie in den betroffenen Braunkohleregionen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen neue Jobs den Wegfall der Kohlearbeitsplätze abfangen sollen. Zudem soll sie ein Datum für das Ende der klimaschädlichen Verstromung des fossilen Rohstoffs festlegen.

Ein sozialverträglicher Ausstieg aus der Braunkohle erfordert aus Sicht von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff massive Anstrengungen.

Industrie und öffentliche Hand müssen mindestens 60 Milliarden Euro in die Hand nehmen.

Diese Summe sei für den Aufbau von Ersatzarbeitsplätzen und eine Verbesserung der Infrastruktur nötig. Der Bund hat bisher 1,5 Milliarden Euro an Hilfen für die drei deutschen Kohlereviere in Aussicht gestellt - dabei geht es um das Rheinische Revier, das Mitteldeutsche Revier und die Lausitz.

Sachsen: Riesige Bagger sollen Braunkohle schaufeln, wo jetzt noch das kleine Dorf Pödelwitz steht

Der 700 Jahre alte Ort Pödelwitz in Sachsen soll der Braunkohle weichen, weil das Bergbauunternehmen Mibrag den Tagebau "Vereinigtes Schleenhain" erweitern will. Der Betrieb will weitere Felder erschließen, um das Kraftwerk Lippendorf zu beliefern. Pödelwitz könnte das gleiche Schicksal treffen, wie das benachbarte Heuersdorf und zahlreiche weitere Orte in der Region, fürchten Umweltschützer und Einwohner.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 24. September 2018 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 11:43 Uhr

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