Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
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Der Wolf - Streit um ein Raubtier

19.10.2018 | 10:48 Uhr

Die Zahl der Wolfsrudel in Sachsen und Sachsen-Anhalt wächst, auch in Thüringen gibt es Tiere. Landwirte fürchten um ihre Schafe und Pferde. Jäger fordern, die geschützten Raubtiere zum Abschuss freizugeben. Naturschützer kämpfen dagegen. Sachsen will jetzt den Umgang mit "Problemwölfen" gesetzlich regeln.

Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
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In Niesky in Sachsen töten Anfang Oktober Wölfe 40 Schafe und Ziegen einer Naturschutzstation. Dabei war die Herde mit tragenden Mutterschafen von einem Elektrozaun gesichert. In Sachsen-Anhalt sorgt Mitte August ein Wolfsangriff auf eine Schafherde nahe Dessau-Rosslau für Aufsehen. Über 20 Schafe wurden gerissen. In Thüringen trieb im August wahrscheinlich ein Wolf Schafe und Ziegen auf die Autobahn. Mehrere Tiere werden von LKWs überfahren.

Politiker aus CDU, CSU und FDP fordern angesichts solcher Vorfälle immer wieder, den strengen Artenschutz für Wölfe zu lockern. Die Tiere hätten sich für Nutztierhalter zum Problem entwickelt. Naturschützer sind angesichts solcher Forderungen fassungslos. Sie betonen den Nutzen des Wolfes. Aus ihrer Sicht sollten eher die Arbeitsbedingungen der Schäfer verbessert und das Aufstellen von Schutzzäunen besser gefördert werden. Für den Menschen stelle der Wolf keine Gefahr da, sagte Felix Ekardt, Landesvorsitzender des BUND Sachsen, im MDR. Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum in Iden ergänzt:

Wir wissen, dass der Wolf als Raubtier sehr polarisiert, motiviert und irritiert.

Wölfe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

In Sachsen leben aktuell 17 Wolfsrudel und vier Paare. Das sind drei Rudel mehr als im Monitoringjahr 2016/2017. Ein Rudel besteht im Durchschnitt aus fünf bis zehn Wölfen. Das LUPUS Institut in Sachsen geht davon aus, dass sich die Wölfe im Freistaat weiter Richtung Süden und Westen ausbreiten. Die Zahl der nachweisbaren Übergriffe auf Nutztiere sank im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der sicher oder wahrscheinlich von Wölfen gerissenen Tiere stieg aber an.

Wolfsverbreitung in Sachsen
Wolfsverbreitung in Sachsen Bildrechte: LUPUS
Karte und Übersicht der Wolfsrudel in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt | MDR/Max Schörm

In Sachsen-Anhalt halten sich nach aktuellen Zahlen regelmäßig mindestens 80 Wölfe auf. Das geht aus Erhebungen des Wolfskompetenzzentrums in Iden hervor. Die Experten weisen darauf hin, dass sich die Tiere nicht an Landesgrenzen halten. Sie beobachten daher auch Wölfe in benachbarten Bundesländern.

Derzeit ist noch nicht ganz klar, wie viele Wölfe in Thüringen leben. Der Freistaat ist offenbar eher ein "Transitland" für durchziehende Wölfe. Seit 2014 ist eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf im Landkreis Gotha nachgewiesen. Aktuell gibt es Hinweise auf ein Wolfsrudel in den Wäldern bei Tambach-Dietharz. Darauf deuten laut Experten Trittspuren und Aufnahmen von Fotofallen hin. Das will das Thüringer Umweltministerium aber nicht bestätigen.

Zum Abschuss freigegeben?

In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gilt grundsätzlich: Wer einen Wolf tötet, macht sich strafbar. Die Tiere dürfen auch nicht eingefangen werden. Das regeln das Bundesnaturschutzgesetz und eine EU-Verordnung. Wenn Wölfe aber aggressiv auf Menschen oder Hunde reagieren, dürfen die Tiere geschossen werden. Das regelt die "Leitlinie Wolf" des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt. Für das Ministerium steht die Sicherheit des Menschen an erster Stelle. Auch in Sachsen dürfen so genannte "Problemwölfe" abgeschossen werden. So wurde 2017 eine Abschussgenehmigung für Pumpuk erlassen, der sich wiederholt auffällig gezeigt hatte. Auch in Thüringen dürfen auffällige Wölfe geschossen werden, wenn Fachleute dies für nötig halten. Das zeigt der Managementplan für den Wolf im Freistaat.

Sachsen will Umgang mit Wölfen gesetzlich regeln

Aus Sicht von Jägern bieten die bisherigen Regeln aber nicht genug Rechtssicherheit. So könnten etwa nach den Leitlinien von Sachsen-Anhalt Jäger nach dem Abschuss eines Wolfs von Tierschützern verklagt werden. Auch Sachsens Landesregierung möchte den Umgang mit den Tieren klarer als bisher geregelt haben. Für den Abschuss von verhaltensauffälligen Wölfen müsse der Bund den Schutz-Status ändern. Dazu hat der Freistaat heute zusammen mit Brandenburg und Niedersachsen einen entsprechenden Antrag im Bundesrat gestellt. Dr. Hartmut Schwarze vom sächsischen Umweltministerium sagte bei MDR JUMP:

Dr. Hartmut Schwarze
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Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, damit Behörden im Ausnahmefall wie etwa wenn Wölfe Menschen gefährden oder ernste Schäden verursachen, schneller und rechtssicher die Tiere schießen lassen können.

Ein Wolf werde dann zum Problem, wenn er sich etwa tagsüber mehrfach Menschen nähert und sich nicht verscheuchen lässt. Oder wenn das Tier erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht, indem es Schutzzäune überspringt und Schafe oder Ziegen tötet. Sachsen fordert zudem, anders als bisher Nutztierhaltern die Schäden durch Wölfe vollständig ausgeglichen werden.

Müssen Menschen Angst vor Wölfen haben? Wer einen Wolf sieht, muss keine Angst haben und nicht in Panik verfallen. "Man muss Respekt haben, wie vor anderen Wildtieren auch“, sagt Andreas Berbig, der Leiter des Wolfskompetenzzentrums in Iden. Wer einen Wolf aus der Nähe sieht, sollte nach Berbigs Worten die Situation ruhig einordnen. Möglich sei, dass der Wolf einfach nur neugierig sei. Für diesen Fall rät der Experte: In die Hände klatschen und versuchen, den Wolf zu vertreiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 18. Oktober 2018 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 10:49 Uhr

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