Köpping: "Natürlich haben wir alle Angst vor neuen Hotspots"

Pünktlich zum Sommerbeginn mit hohen Temperaturen gibt es eine Diskussion um die Maskenpflicht. Die nehmen einige nicht ernst. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping warnt im Interview, das Erreichte zu gefährden.

Petra Köpping
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Sachsen gehört mit niedrigen Infektionszahlen und wenigen lokalen Corona-Ausbrüchen zu den Bundesländern, die schon zeitig weitreichend lockern konnten. Zuletzt war sogar im Gespräch, ob im Freistaat die Maskenpflicht beim Einkaufen wegfällt. Das ist nicht passiert. Doch spätestens Mitte Juli zum Ferienbeginn will Sachsen noch einmal überlegen, wie es mit der Tragepflicht für den Mundschutz weiter geht. Das sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) im Interview mit MDR JUMP.

Wie erleben Sie das beim Einkaufen, im Nahverkehr: Wird die Maskenpflicht zu locker genommen?

Maskenverkauf in einem Modegeschäft in Bayern
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Ich sehe da, dass sehr viele Menschen immer noch sehr diszipliniert sind. Aber ich höre aus verschiedenen Regionen, dass die Maskenpflicht nicht mehr ernst genommen wird. Und dass es Einrichtungen gibt, wo man sich nicht dran hält und die schräg angesehen werden, die eine Maske tragen. Deshalb würde ich hier nochmal drum bitten, dass wir die Maske tragen. Wir hatten auch in Sachsen in mehreren Ortschaften neue Ausbrüche. In Leipzig, im Vogtlandkreis, in Augustusburg. Und ich fände schlimm, wenn wir damit die Urlaubszeit gefährden. Das Virus ist noch da, auch wenn wir es nicht sehen!

Wenn Ihnen jemand auffällt, der seine Maske nicht trägt oder den Abstand nicht einhält? Sprechen Sie denjenigen dann an? Sie sind doch Gesundheitsministerin...

Eine Kundin verpackt in einem Lebensmittelgeschäft ihre Einkäufe an der Kasse und trägt eine Maske als Mund- und Nasenschutz.
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Ich bin vor kurzem zwei älteren Damen begegnet. Die haben sich sehr darüber aufgeregt, dass sie eine Maske tragen sollen. Ich bin hingegangen und habe gesagt: Ich bin Frau Köpping und ich bin diejenige, die das verordnet hat. Und das machen wir für sie! Wir wollen die Menschen schützen, die wirklich zu den sogenannten Risikogruppen gehören. Und die haben beide gesagt, ja, das machen wir und sind dann mit Maske in den Supermarkt!

Sie haben weitere Lockerungen beim Einkaufen in Aussicht gestellt. Wie sollen die aussehen?

Alles, was wir diskutieren, ist immer abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen. Wir hatten am Wochenende durchaus erhöhte Zahlen in Sachsen und deswegen muss ich immer sofort bremsen, wenn es Diskussionen gibt. Unsere aktuelle Verordnung in Sachsen gilt bis 17. Juli, bis Ferienbeginn. Danach werden wir sehen, wo wir stehen und ob wir die Chance haben, vielleicht nur im ÖPNV die Maske zu lassen und beim Einkaufen nicht. Wir haben das immer im Blick, weil wir wissen, dass die Maske für viele eben sehr lästig ist.

Berlin setzt jetzt auf ein Bußgeld für Busse und Bahnen von 50 bis 500 Euro, wenn man keine Maske trägt. Bei Ihnen hat man den Eindruck, Sie wollen die Maskenpflicht eher lockern. Wie passt das zusammen, wenn so unterschiedliche Wege eingeschlagen werden?

In Berlin gab es zuletzt neue Hotspots und das waren keine kleinen Ausbrüche. Daher kann ich die Haltung von Berlin gut verstehen. Sachsen hat nie Bußgelder erhoben bei der Maskenpflicht. Das halte ich für richtig. Wir wollen die Menschen überzeugen und nicht bestrafen. Und wir ärgern uns, wenn wir Fotos von Wanderungen sehen, wo viele Wanderer eng beieinander waren. Oder Fotos vom Schulabschluss, wo über 100 Schüler engumschlungen drauf sind. Das geht derzeit nicht! Wir haben in Sachsen viele Möglichkeiten, die es in anderen Bundesländern nicht gibt. Und das sollten wir auch weiter haben, indem wir die Regeln weiter befolgen.

Haben Sie keine Angst vor Hotspots wie beispielsweise in Magdeburg, wo fast ein ganzes Wohnviertel in Quarantäne steckt?

Natürlich, die haben wir alle. Und ich gucke jeden Morgen als erstes: Was haben wir für Zahlen? Aber wir sind für solche Hotspots gut vorbereitet. Wir hatten jetzt einen im Vogtlandkreis. Zwei Pizzerien, die werden geschlossen. Das sind 17 Personen, da werden die Kontaktpersonen ermittelt. Es wird getestet und es wird in Quarantäne gesetzt. Da sind wir sehr schnell. Das haben wir in der ersten Phase der Pandemie gelernt.

Wie schätzen Sie die Gefahr einer zweiten Welle ein, wenn es jetzt an immer mehr Orten zu Ausbrüchen kommt?

Das offizielle Logo der Bundesregierung für die Corona-Warn-App auf einem Smartphone
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Das wird es automatisch. Wenn man mehr lockert, haben die Menschen mehr Freiheiten, begegnen sich mehr und damit gibt es Möglichkeiten, dass man sich infiziert. Da liegt es an uns allen - Corona-Warn-App nutzen, Hotspots schnell lokalisieren. Damit wir die Ferienzeit nicht gefährden. Ich habe wirklich Sorge, wenn es große Ausbrüche gibt, dass die Sachsen dann eben nicht hier oder dorthin reisen dürfen.

Niedersachsen sperrt jetzt Touristen aus "Corona-Hotspots" wie Gütersloh aus. Die mussten in Mecklenburg-Vorpommern bereits Hotels und Pensionen verlassen. Wie regelt das Sachsen?

Wir haben bisher dafür leider keine einheitliche Lösung für alle Bundesländer gefunden. Ich bin für den Test-Weg. Menschen, die aus diesen Regionen zu uns kommen, müssen mindestens 48 Stunden vorher einen Test gemacht haben. Der muss negativ ausfallen und dann können sie in Sachsen Urlaub machen. Wir möchten niemanden vom Urlaub ausschließen, weil er aus einem Krisengebiet kommt. Das werden wir im Krisenstab besprechen und beschließen. (Krisenstab tagt am Donnerstag, Anmerkung der Redaktion)  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 24. Juni 2020 | 19:10 Uhr

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