Viele aktuelle Hits sind auffallend kurz: Woran liegts?

Zweimal den Refrain mitsummen und durch: Einige aktuelle Hits von Stars wie Mark Forster, Regard oder Saint John knacken gerade mal die zweieinhalb-Minuten-Grenze.

Mark Forster live beim Solidaritätskonzert Halle.
Bildrechte: imago images/Future Image

Zwei Minuten, zwei Sekunden: Mehr brauchten Blur für ihren irren und wilden Hit "Song 2" in den Neunziger nicht. Ein hartes Riff und ein übersteuerter Refrain ließen auf den Tanzflächen alle ausflippen.

Kurz mitpfeifen und schon vorbei

Mark Forsters Hit "Übermorgen" ist 2.40 Minuten lang, "Ride It" von Regard läuft 2.37 Minuten und bei "Roses" von Saint John ist schon nach 2 Minuten und 15 Sekunden Schluss: Auffällig viele Künstler lieferten zuletzt eher kurze Stücke ab. Das ist auch MDR JUMP-Musikredakteur Felix Heklau aufgefallen. Ein Grund für den Trend zur Kürze liege an den veränderten Hörgewohnheiten:

Streaming ist das Medium der Stunde. Viele Leute hören so ihre Musik und der Künstler verdient halt mit jedem gestreamten Song nicht so viel, so 0,0035 bis 0,007 Cent. Aber es läppert sich halt. Und da ist es dann egal, wie lang der Song ist. Und wenn der Song kürzer ist, wird er öfter gespielt.

Möglicherweise sei auch die Aufmerksamkeitsspanne der Hörer kleiner geworden:

Das heißt, ich bin gewohnt meinen Feed in den Netzwerken durchzuscrollen, kurze Videos anzusehen und so unterstellt man natürlich dem Hörer auch so ein bisschen, dass er vielleicht nicht solange dranbleibt. Da muss man mal drauf achten: Bei den Songs ist auch ganz wichtig, dass der Refrain so schnell wie möglich kommt.

So erkennen Hörer ihren Lieblingssong gleich wieder und bleiben dann dran. Wie Musik gehört wird, beeinflusst auch die Länge der Songs: Das ist kein ganz neues Phänomen, sagt Felix Heklau:

In den Sechzigern hatten wir so kleine Singles und da hat auch nicht so viel drauf gepasst. Da waren die Songs auch kurz.

Muss ja auch nicht immer die megalange Schnulze von Meat Loaf sein: Manchmal reicht es, wenn ein Lied einfach mal so richtig auf die 12 geht! So wie "Yoko Ono" von den Ärzten: Das gerade mal 46 Sekunden lange Video zum Lied schaffte es ins Guiness Buch der Rekorde. Es war das kürzeste Musikvideo bis dahin!

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 15. Oktober 2020 | 14:30 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP