Pet Shop Boys in Dresden
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"Pet Shop Boy" Neil Tennant wird 65

Sie schenkten dem Pop der 80er und 90er Hits wie "West End Girls", "Suburbia" oder "Being Boring": Zur einzigartigen Stimme von Neil Tennant und den Synthesizer-Klängen von Keyboarder Chris Lowe musste man ganz einfach tanzen. Die beiden Musiker verkauften mehr als 100 Millionen Platten und CDs und füllen auch heute noch Konzerthallen.

Pet Shop Boys in Dresden
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Der Musikjournalist Neil Tennant und der Architekturstudent Chris Lowe sollen sich Anfang der 80er in einem Schallplattenladen in London getroffen haben. Die beiden schüchternen Typen beschlossen: Wir werden Popstars! Einer ihrer ersten Songs "West End Girls" wurde 1986 zum Welthit. Das Lied vereinte schon die Erfolgsmischung, die die Pet Shop Boys später zu Megastars machte: Ihre besten Songs sind extrem tanzbar, wunderschön und etwas melancholisch, die Texte schlau und reflektiert. Dazu kommt die besondere Stimme von Neil Tennant irgendwo zwischen Mann und Frau. Er wirkt in vielen seiner Lieder immer etwas vom Leben gelangweilt und distanziert.

Bewegungslos zum Tanzen auffordern

In den ersten Jahren ihrer Karriere verweigerten die Pet Shop Boys öffentliche Auftritte auf der Bühne gleich ganz. Und auch später verschanzten sich die beiden schüchternen Typen hinter Kostümen und Instrumenten: Neil Tennant steht bis heute fast immer bewegungslos hinter dem Mikro, oft verkleidet mit Hüten und Sonnenbrillen. Chris Lowe verkriecht sich stets schweigend hinter seinem Keyboard. Trotzdem wurden die beiden Außenseiter schnell zu Giganten im Pop-Business. Dank Hits wie "It's a Sin" oder "Suburbia".

Karriere-Retter für Dusty Springfield

Die Sängerin Dusty Springfield
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Im Laufe ihrer Karriere arbeiteten Neil Tennant und Chris Lowe mit zahlreichen anderen Musik-Stars zusammen: Sie schrieben "Falling" für Kylie Minogue, für Tina Turner "Confidential", mit David Bowie traten sie bei den Brit Awards auf, Neil Tennant sang mit Robbie Williams. Zudem schoben die beiden die Karriere von Dusty Springfield wieder an. Die 60er-Jahre Soul-Queen kannte in den Achtzigern kaum noch jemand. Die Pet Shop Boys komponierten vier Lieder für ein neues Soloalbum von Dusty Springfield. "In Private" über eine nicht erwiderte Liebe wurde schnell zum Megahit und zum letzten großen Erfolg der Sängerin.

Alles Private in der Musik

Pet Shop Boys
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Neil Tennant und sein Partner Chris Lowe sind eine echte Ausnahme im Musikgeschäft: Sie reden öffentlich kaum über Privates, über Streit, über ihr Liebesleben. All das finde sich doch in ihren Liedern, sagte Neil Tennant einmal. Immerhin bestätigte er in den 90ern, dass er schwul sei. Die Pet Shop Boys setzten sich in ihrer Musik immer für die Rechte Homosexueller ein. Das für ihre Verhältnisse eher traurige Album "Behaviour" erzählt unter anderem von der Stimmung in der schwulen Community ab in den Zeiten, als es noch keine Aids-Medikamente gab. Mit "Go West" coverten sie eine Hymne der Schwulen und Lesbenbewegung.

Sie machen einfach weiter

Auch nach 37 Jahren Pop-Karriere sind die Pet Shop Boys noch immer erfolgreich: Sie veröffentlichen erfolgreiche Alben, arbeiten mit klassischen Musikern zusammen, gehen auf Tournee. Er wolle lieber neue Alben machen und auftreten, als sich als alternder Pop-Star zur Ruhe zu setzen, sagte Neil Tennant in einem Interview. So steht er wie zuletzt in Dresden und Leipzig weiter auf der Bühne, umjubelt im Sturm der mit der Band gealterten Fans, in Sonnenbrille und mit schrägen Hüten. Aber verdammt cool.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP AM ABEND | 10. Juli 2019 | 20:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2019, 00:00 Uhr

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