Das ändert sich im neuen Jahr 2022

Der Mindestlohn wird erhöht, die Pflegereform wird wirksam, das Aus für die Plastiktüte, die Bahn beendet den Ticketverkauf in Zügen - auch im neuen Jahr müssen wir uns auf einige Änderungen einstellen.

Vor einem gelben Hintergrund sind vier Holzklötze aufgestellt, auf denen jeweils die Ziffern zwei-null-zwei und eins stehen. Eine Hand bewegt den letzten Stein von einer eins auf eine zwei.
Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Alle Jahre wieder stehen neue Gesetze an, die zum Jahreswechsel in Kraft treten. So werden im neuen Jahr beispielsweise pflegebedürftige Menschen durch die Pflegereform entlastet und Arbeitnehmende können sich freuen, denn der Mindestlohn wird schrittweise höher. Autofahrerinnen und Autofahrer müssen sich unter anderem auf erhöhte Spritpreise und einen Wechsel des alten Führerscheins einstellen. In Sachen Verbraucherschutz sollen künftig strengere Regeln bei digitalen Produkten und vereinfachte Kündigungsbedingungen eingeführt werden. Welche Änderungen 2022 noch bereithält, gibt es hier im Überblick:

Mindestlohn wird schrittweise erhöht

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es gute Neuigkeiten - der Mindestlohn soll stufenweise angehoben werden. Ab Januar 2022 gibt es dann statt 9,60 Euro 9,82 Euro pro Stunde. Zur Mitte des nächsten Jahres soll der Betrag weiter auf 10,45 Euro erhöht werden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte aber, dass die aktuelle Planung noch steigerungsfähig sei.

Ich sehe aber perspektivisch noch deutlich Luft nach oben. Daher werden wir auf Grundlage der Mindestlohn-Evaluation Vorschläge machen, um das Mindestlohngesetz weiterzuentwickeln, damit der Mindestlohn schnell weiter steigen kann.

Deutsche Bahn stellt Ticketverkauf im Zug ein

Zwei junge Frauen stehen an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Wer auch künftig mit der Deutschen Bahn fahren möchte, muss sich darauf einstellen, vor dem Fahrtantritt bzw. kurz nach der Abfahrt eine Fahrkarte kaufen zu müssen. Ab 2022 werden nämlich in Fernzügen keine Papier-Fahrkarten mehr verkauft, um das Zugpersonal zu entlasten. Diejenigen, die sich doch kurz entschlossen für eine Bahnfahrt entscheiden und einsteigen, können dann nur noch ein digitales Ticket am Handy oder Laptop kaufen - dafür bleibt bis 10 Minuten nach Abfahrt noch Zeit.

Höhere Ausbildungsvergütungen

Grund zur Freude: Zum 01. August 2022 bekommen Azubis im Maler- und Lackiererhandwerd mehr Geld. Im ersten Jahr erhalten sie dann 740 Euro, im zweiten 850 Euro und 980 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Strom tanken wird einfacher

Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule aufgeladen.
Bildrechte: dpa

Wer mit seinem Auto an einer Ladesäule Strom tanken möchte, kann das ab 2022 voraussichtlich einfacher erledigen. Eine neue Ladensäulenverordnung tritt am 01. Januar in Kraft und soll dafür sorgen, dass die Bezahlung mit EC- oder Kreditkarte ausreicht. Die Betreiber haben noch bis 2023 Zeit, ihre Ladesäulen entsprechend zu entwickeln.

Pflegereform kommt - analoger Gelber Schein geht

Mit der Pflegereform sollen Pflegebedürftige durch höhere Zuschüsse finanziell entlastet werden. Wie hoch dieser Betrag ausfällt, entscheidet der Pflegegrad und die Leistungsart. Nur für pflegebedürftige Menschen mit Pflegegrad I verändert sich nichts.

Außerdem wird die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) - auch bekannt unter Gelber Schein - digitalisiert. Ärztliche Praxen werden verpflichtet die Bescheinigungen elektronisch an die Krankenkassen zu übermitteln. Ab Juli 2022 erhalten Arbeitgeber dann die Daten von den Kassen.

Plastiktüte ade und weitreichendere Pfandregeln

Der klassischen Plastiktüte wird ab kommendem Jahr nun endgültig der Todesstoß versetzt. Ganz genau heißt das, dass Kunststoffbeutel mit Wandstärken von 15 bis 50 Mikrometern – typische Einkaufstüten eben – nicht mehr verkauft werden dürfen. Nur die sogenannten "Hemdchentüten", die wir aus den Gemüse- und Obstabteilungen kennen, bleiben. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt gäbe es für die dünnen Tütchen noch keine hygienischen und umweltfreundlichen Alternativen.

Pfandsiegel auf PET-Flasche
Bildrechte: MDR JUMP / Pierre Gehmlich

Um dem Plastikmüll ein weiteres Bein zu stellen, gilt die Pfandpflicht künftig für alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff - bis zu drei Liter - und Getränkedosen. Wer sich also in Zukunft wieder für den Frucht- und Gemüsesaft, Smoothie oder kohlensäurefreien Nektar entscheidet, muss sich darauf einstellen, 25 Cent mehr an der Kasse zu bezahlen.

Führerscheinumtausch und CO2-Bepreisung

Für rund 43 Millionen Besitzerinnen und Besitzer der Generation Ü60 beginnt ab Januar der Führerscheinwechsel. Diejenigen, die zwischen 1953 und 1958 geboren sind und noch einen bis Ende 1998 ausgestellten Führerschein haben, müssen bis zum 19. Januar ihren alten gegen einen neuen im "fälschungssicheren Scheckkartenformat" umtauschen. Allerdings gibt es aufgrund von Terminengpässen in den Ämtern eine Schonfrist bis zum 19. Juli 2022.

Ausschnitt einer Zapfsäude mit drei Zapfhähnen in rot, hellblau un dunkelblau
Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Außerdem kommt die 2. Stufe der CO2-Bepreisung. Benzin und Diesel werden dann pro Liter etwa eineinhalb Cent mehr kosten. Im Gegensatz zum letzten Jahr fällt diese Erhöhung wesentlich niedriger aus. Bis 2025 sollen jährlich und schrittweise die Spritpreise angehoben werden.

Verbesserter Verbraucherschutz bei digitalen Produkten

Vermeintlich kostenlose Digitalprodukte wie "Gratis-Newsletter" sind gar nicht so kostenfrei wie man denkt. Denn wir zahlen statt mit Geld oft mit unseren persönlichen Daten, die von Anbietern dann etwa für Marketingzwecke genutzt werden. Und wer mit seinen Daten zahlt, wird ab 2022 so behandelt, als hätte er mit Geld bezahlt. Das Abonnement von digitalen Produkten entspricht dann einem Vertragsabschluss, so dass Verbraucherschutzregeln greifen. Unternehmen müssen das Kleingedruckte anpassen und neue Informationspflichten beachten, denn sonst drohen Abmahnungen.

Vereinfachte Kündigungspflicht

Einen Vertrag online abzuschließen ist in den meisten Fällen deutlich einfacher als ihn zu kündigen. Ab Juli gibt es deshalb eine neue Regel, die das Kündigen deutlich erleichtern soll. Dann wird ein sogenannter Kündigungsbutton Pflicht und muss leicht zugänglich und gut sichtbar auf der Seite des Vertragspartners platziert sein.

Corona-Hilfen werden verlängert

Um Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie in finanzielle Notlagen gerutscht sind, mehr Sicherheit zu garantieren, werden laut Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium die Wirtschaftshilfen weiterlaufen. Die "Überbrückungshilfe III Plus" wird dann "Überbrückungshilfe IV" heißen und bis März 2022 verlängert. Die neue Überbrückungshilfe IV sei weitgehend deckungsgleich mit der laufenden Überbrückungshilfe III Plus. Mit der "Neustarthilfe 2022" werden ebenso Soloselbstständige weiterhin mit bis zu 1500 Euro monatlich unterstützt. Außerdem werden die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld auch bis Ende März 2022 fortgeführt. Die maximale Bezugsdauer beträgt 24 Monate. Arbeitgebern werden dann ab dem kommenden Jahr die Sozialversicherungsbeiträge nur noch zur Hälfte - und nicht wie zuvor vollständig - erstattet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Themen des Tages | 01. Januar 2022 | 13:37 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP