1600 € fürs Nichtstun – Forscher suchen bezahlte Probanden

Geld ohne Arbeit? Klingt nach einer Betrugsmasche aus dem Internet. Doch jetzt gibt es in Deutschland sogar gleich zwei ernstzunehmende Projekte, die das versprechen. Was ist da dran?

Junger Mann auf Couch im Wohnzimmer
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Um ein Stipendium von einer Kunsthochschule zu bekommen, muss man entweder beeindruckende Bilder malen, spektakuläre Skulpturen fertigen oder verrückte Videos drehen? Könnte man denken. Aber ehe du jetzt sagst: „Im Kunstunterricht war ich nie so die Granate, das betrifft mich also nie im Leben“ lies diesen Text bitte trotzdem weiter! Es könnte sich lohnen. Wir erklären dir nämlich nicht nur, warum du dich trotzdem um Geld bewerben kannst. Wir haben sogar eine Alternative für dich, wenn das nicht klappt.

Also, es geht zunächst mal um die Hamburger Hochschule für bildende Künste (HFBK). Die hat nämlich gerade ein Stipendium – und jetzt kommt’s - für das Nichtstun ausgeschrieben. Gesucht werden drei Leute, die jeweils 1.600 Euro bekommen sollen. Einfach so.

Ein bisschen was muss man dann eben doch tun

Wer das Geld haben will, kann sich noch bis zum 15. September bei der Hochschule bewerben. Eine vierköpfige Jury entscheidet über die Vergabe. In ihrer Bewerbung müssen Interessentinnen und Interessenten nur angeben, was genau und wie lange sie nicht mehr machen wollen.

„Das kann ein Manager sein, der beschließt ein Meeting lang nichts zu sagen, aber auch jemand, der einen Monat lang nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren will“, so Projektinitiator Friedrich von Borries. „Das können auch gerne Leute sein, die sich auf das Sofa setzen und die Beine hochlegen.“

Aber wie immer im Leben: Ein bisschen was muss man dann eben doch tun. Auch wenn man sich nur fürs Nichtstun bezahlen lassen will. Konkret müssen die Projektteilnehmer einen Erfahrungsbericht schreiben, wie es so lief mit ihrem Verzicht. Erst wenn der Anfang kommenden Jahres eingereicht ist, fließt das Geld.

Und es gibt noch ein Projekt

Nun kann man sich ja mit gutem Grund fragen: Was soll das? Ist das nur eine Spinnerei? Nein, sagen die Initiatoren des Projektes: Ihnen geht es um eine ziemlich fundamentale Frage: „Was kann ich unterlassen, damit mein Leben keine negativen Folgen für das Leben anderer hat?“ Und das ist ja ein ziemlich clevrerer Gedanke. Schließlich steigt die Weltbevölkerung von Jahr zu Jahr an, wir Menschen verpesten die Atmosphäre mit Dreck und Treibhausgasen, wir sorgen dafür, dass unzählige Tonnen Plastik in den Meeren laden, wir Holzen den Regenwald ab. Keiner von uns ist direkt dafür verantwortlich. Und trotzdem machen wir alle ein winziges bisschen mit. Da kann Nachdenken über Verzicht doch zumindest mal ganz interessant sein.

Wem das jetzt aber alles ein bisschen zu verkopft und zu künstlerisch ist, für den haben wir jetzt übrigens noch eine Alternative. In einem anderen Projekt will das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin nämlich gerade die Langzeiteffekte eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland untersuchen. Und auch dafür werden Probanden gesucht, die volljährig sein müssen. Partner des Projektes ist der Verein „Mein Grundeinkommen“. Der hat dafür Geld von Spendern eingesammelt.

Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt

An dem Forschungsprojekt sollen insgesamt 1400 Leute teilnehmen. Aber nicht alle von ihnen erhalten Geld, dafür würden die Spenden nicht ausreichen. Stattdessen werden 120 nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Und die bekommen ab dem kommenden Frühjahr monatlich 1200 Euro, drei Jahre lang und ohne Bedingungen. Es gibt keine Bedürftigkeitsprüfung und Geld dazuverdienen darf man auch, im Prinzip so viel man will.

Die restlichen 1280 Studienteilnehmerinnen und – teilnehmer sind die Vergleichsgruppe. Und bekommen nichts. „Mit diesem lang angelegten Pilotprojekt für Deutschland betreten wir wissenschaftliches Neuland“, sagt Jürgen Schupp vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die Studie sei „eine Riesenchance, um die uns seit Jahren begleitende theoretische Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen in die soziale Wirklichkeit überführen zu können“.

Ja, vielleicht haben Sie ja Lust, dabei mitzumachen. Forschung unterstützen und – vielleicht – Geld dafür bekommen, das klingt doch eigentlich ganz gut, oder?

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 18. August 2020 | 06:00 Uhr

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