Kitas, Kliniken, Ämter: Warnstreiks in Mitteldeutschland

Schulen und Kitas hatten wegen der Corona-Krise zuerst geschlossen. Nun droht möglicherweise der nächste Ärger: Wegen gescheiterten Tarifverhandlungen hat der öffentliche Dienst Warnstreiks angekündigt.

Schild mir der Aufschrift Streik an eine KITA-Tür
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verdi fordert für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber haben in den ersten zwei Verhandlungsrunden noch kein Angebot vorgelegt. Daraufhin kündigte Verdi Warnstreiks in Deutschland an. Oliver Greie, Verdi-Landesbezirksleiter Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen im MDR JUMP-Interview:

Es ist traurig, dass die Arbeitgeber nach zwei Verhandlungsrunden gar nichts schriftlich auf den Tisch packen und sagen, was sie ihren Beschäftigten im öffentlichen Dienst anbieten.

Erste Warnstreiks in Dresden, Grimma und Wurzen

Bisher gibt laut Verdi keine Bewegung in dem Tarifkonflikt. Nachdem die Arbeitgeber auch in der zweiten von drei Verhandlungsrunden kein Angebot auf den Tisch gelegt hatten, will die Gewerkschaft "demnächst" in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu Streiks aufrufen.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat am Mittwoch in Dresden zu Warnstreiks aufgerufen. Dort sollen GEW-Mitglieder im den städtischen Kitas, sowie im Jugendamt und im Sozialamt der Stadt von 06:00 Uhr bis 10:00 Uhr die Arbeit niederlegen.

Verdi hat außerdem die Beschäftigten am Städtischen Klinikum Dresden und an den Standorten der Muldentalkliniken in Grimma und Wurzen am Mittwoch zu Warnstreiks aufgerufen.

Wo soll es nun Warnstreiks geben?

Kitas, Krankenhäuser, Ordnungsämter oder Straßenmeistereien nennt der Chef des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, als mögliche Orte für Einschränkungen. Von vorneherein ausgenommen würden keine Bereiche. "Wir werden mit Abstand für anständige Löhne streiken", sagt die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe.

Eltern kleinerer Kinder könnten also genauso betroffen sein wie etwa Verkehrsteilnehmer auf den städtischen Straßen. Am Dienstag sind etwa die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr zum Warnstreik aufgerufen.

Bei der bisher letzten Tarifrunde 2018 machten massive Warnstreiks hunderttausenden Eltern, Pendlern und Fluggästen über Tage das Leben schwer.

Wann wird weiter verhandelt?

Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte ein Angebot der Arbeitgeber zur dritten Verhandlungsrunde an. Diese ist für 22. und 23. Oktober angesetzt. Das klingt nach der Erwartung einer Einigung in diesen Tagen. Die Gespräche könnten aber auch scheitern, dann käme eine Schlichtung. Oder es folgen reguläre Streiks, das ist aber weniger wahrscheinlich.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 21. September 2020 | 19:10 Uhr

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