Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Fragen und Antworten Steigende Kosten in Pflegeeinrichtungen in Sachsen - doch warum?

Die Kosten für die Pflegeeinrichtungen in Sachsen sind Anfang des Jahres deutlich gestiegen. Für viele betroffene Pflegebedürftige und deren Angehörige ist dies ein Schock. Hintergrund sind die Reformen der Bundesregierung im Bereich Pflege. Damit sollen vor allem Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen und Pfleger verbessert werden - und damit auch die Pflege selbst. Sind die Erhöhungen gerechtfertigt?

Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
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In Sachsen haben zum Jahresbeginn viele Pflegebedürftige, die in einem Heim untergebracht sind, Kostenbescheide erhalten. Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband steigen die Zuzahlungen für eine stationäre Pflege monatlich um 200 bis 500 Euro. Viele Pflegebedürftige und deren Angehörige empfinden das als ungerecht. Auch Fachverbände und Kassen fordern eine Deckelung des Eigenanteils. Was sind die Hintergründe der Kostensteigerung? Gibt es für Angehörige auch Verbesserungen? Hier Antworten auf einige wichtige Fragen.

Warum werden die Pflegeplätze in Heimen immer teuer?

Seit 1. Januar bekommen einige Pflegekräfte in Sachsen höhere Löhne, in Dresden laut DRK Kreisverband 14 Prozent mehr und in Döbeln durchschnittlich 8 Prozent. André Urmann von der Gewerkschaft ver.di sagte MDR SACHSEN, dort wo es Haustarifverträge gebe, wie beim DRK, der AWO oder auch den kirchlichen Trägern, würden die Löhne der Pflegekräfte in Sachsen überdurchschnittlich steigen. Dies sei dem Aufholprozess und einer gestiegenen Wertschätzung der Arbeit geschuldet. Private Heimbetreiber würden da noch etwas hinterherhinken, so Urmann.

Außerdem wurden nach dem Pflegestärkungsgesetz des Bundes in den Heimen zusätzliche Stellen für eine bessere Pflege geschaffen und die Sachkosten der Heime sind gestiegen.

Wie hoch ist der Eigenanteil, den Angehörige für eine Unterbringung in einem Pflegeheim bezahlen müssen?

Seit Januar 2018 gelten die neuen Pflegegrade. Danach gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung ein einheitlicher Eigenanteil. Es gibt also innerhalb der Einrichtung keinen Unterschied mehr bei den Eigenanteilen der Bewohner für die Pflegekosten der Pflegegrade 2 bis 5. Das war vorher anders. Wer eine hohe Pflegestufe hatte, musste weniger zuzahlen. Zum Eigenanteil für die Pflege kommen aber noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung und die Investitionskosten hinzu, die je nach Lage und Bundesland erheblich variieren können.

Wie unterscheidet sich der Eigenanteil in Ost und West?

Sachsen ist im bundesweiten Vergleich immer noch günstig. Während der Eigenanteil unseres Falles aus dem Landkreis Zwickau jetzt bei 1.350 Euro liegt, muss ein Angehöriger etwa in Schorndorf in Baden-Württemberg aktuell rund 2.400 Euro und mehr für eine vollstationäre Pflegeeinrichtung zuzahlen.

Wer profitiert von den Pflegereformen?

Mit den neuen Pflegegraden erhalten Demenzkranke seit 2018 einen gleichberechtigten Zugang zu allen Angeboten der Pflegeversicherung. Sie erhielten früher weniger oder vor 2012 gar keine Leistungen.

Mit den Pflegestärkungsgesetzen wurde aber auch die Pflege zu Hause mit besseren und flexibleren Leistungen versehen. Ein Beispiel: Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 3 bekommen im Monat 545 Euro Pflegegeld, die sie frei verwenden und an pflegende Angehörige, Freunde oder Bekannte weitergeben können. Sie können stattdessen aber auch Pflegesachleistungen in Höhe von 1.298 Euro monatlich bekommen, etwa für einen häuslichen Pflegedienst. Wer nur einen Teil der Sachleistungen beantragt, bekommt immer noch den prozentualen Anteil des Pflegegeldes.

Was sagt die Landesregierung in Sachsen zu gestiegenen Pflegekosten?

Sozialministerin Barbara Klepsch sagte MDR SACHSEN, die Pflegeversicherung sei eine Teilkaskoversicherung. Es müsse sich aber keiner Sorgen machen, dass er, wenn er im Alter pflegebedürftig wird, allein gelassen werde. "Unsere Sozialsysteme greifen dann". Unabhängig davon sei die Landesregierung im Gespräch mit der Bundesregierung, ob die Pflegeversicherung ausreiche oder ob weitere Maßnahmen nötig seien, wie etwa die Unterstützung bei Investitionen oder eine Erhöhung der Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Welche Prognosen gibt es?

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung deckt die Erhöhung des Pflegesatzes zum Jahresbeginn auf 3,05 Prozent nur bis 2024 die steigenden Kosten. Ohne weitere Reformen müsste der Beitragsatz bis zum Jahr 2045 auf 4,25 Prozent klettern, heißt es in der Erhebung. Da es in Zukunft immer mehr Leistungsberechtigte und immer weniger pflegende Angehörige gebe, müsse die heutige Generation stärker zur Finanzierung der zukünftigen Pflegeausgaben herangezogen werden. Als Beispiel wird in der Studie ein Pflegevorsorgefonds genannt.

Quelle: MDR/kb/Bundesgesundheitsministerium/pflege.de

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.01.2019 | 19:00 Uhr | Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 18:27 Uhr

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