Quallenplage am Ostseestrand: Auffällig viele und ungewöhnlich große Tiere

Nach einem milden Winter und starken Strömungen sind in diesem Sommer viele harmlose Ohrenquallen im Wasser. Vereinzelt tauchen auch gefährliche Feuerquallen auf.

Am Strand angespülte Qualle
Bildrechte: imago images / Thomas Eisenhuth

Quallen gehören zum Ostseeurlaub dazu: Nach Nächten mit starkem Wind und hohen Wellen liegen viele Tiere auf dem Sand. Im Wasser streifen Schwimmer ab und an mit Bein oder Arm eine Qualle. Diese vereinzelten Begegnungen sind viele Ostseeurlauber gewöhnt und finden sie höchstens etwas unangenehm. In diesem Jahr beobachten Fischer, Strandkorbvermieter und Urlauber an vielen Stränden ungewöhnlich viele und große Quallen. Die können in kilometerlangen, gewaltigen Schwärmen an der Meeresoberfläche entlang ziehen.

Warum gibt es in diesem Sommer eine Quallenplage?

Rippenqualle (vor Norwegen fotografiert)
Ungewohntes Bild für Schwimmer: Die Rippenqualle sieht deutlich anders aus als die heimische Ohrenqualle. Bildrechte: imago images / imagebroker / SeaTops

Der letzte Winter war mit Wassertemperaturen um fünf Grad vergleichsweise mild. Bei solchen Temperaturen sind die Überlebenschancen der glibberigen Wassertiere deutlich höher. Damit sind die Bestände von Ohren- und Rippenquallen deutlich größer. Üblich sind in der Ostsee zwei bis drei Grad im Winter. Dann sterben die Quallen laut Meeresbiologen schon im Dezember. In diesem Jahr tauchten Rippenquallen schon im Mai statt wie üblich im Spätsommer in der Ostsee auf.

Viel salzreiches Wasser

Für das hohe Quallenaufkommen in diesem Jahr gibt es nach Ansicht der biologischen Ozeanographin Cornelia Jaspers noch einen weiteren Grund. Sie sagte:

Im Winter ist sehr viel salzreiches Wasser aus der Nordsee und dem Kattegat in die südwestliche Ostsee geströmt.

weibliche Ohrenqualle (Aurelia aurita) am Strand der Insel Rügen, Mecklenburg-Vorpommer
Ohrenqualle auf dem Strand der Insel Rügen Bildrechte: imago images / Hanke

Der hohe Salzgehalt habe offenbar dazu geführt, dass es in diesem Jahr mehr Rippenquallen gibt. Diese Tiere können sich bei niedrigerem Salzgehalt nicht fortpflanzen, so die Forscherin vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Auch häufige ablandige Winde könnten dafür sorgen, dass Urlauber in diesem Sommer ungewohnt viele Quallen im Meer sehen. Diese Winde verdrängen laut Naturschützern das Oberflächenwasser. Damit könne Tiefenwasser mit Quallen nach oben gelangen.

Welche Quallen treiben in der Ostsee?

Jeder Ostseeurlauber kennt die harmlosen Ohrenquallen. Die Meerestiere haben ihren Namen von den auffälligen vier, halbrunden Zeichnungen auf der Oberfläche. Die in der Ostsee heimischen Tiere sind für Menschen genauso harmlos wie die von der Ostküste Nordamerikas eingeschleppten Rippenquallen. Diese auch Meerwalnuss bezeichneten Tiere haben sich schon in der Nordsee massenhaft vermehrt, weil dort Fressfeinde fehlen. Mit dem salzreichen Wasser gelangen die Rippenquallen immer mal wieder in die Ostsee. Nach strengen Wintern wie 2011 bis 2013 sind sie dann oft wieder verschwunden. Rippenquallen können bis zu zehn Zentimeter groß werden. Manchmal sehen Schwimmer auch die kleine Qualle Blackfordia virginica. Die ist nur zehn Millimeter groß, für Menschen ungefährlich und wurde 2014 erstmals im Nord-Ostsee-Kanal gesichtet. In diesem Jahr wurde die kleine Qualle laut Ozeonagraphin Jaspers vereinzelt in der Kieler Bucht gesehen.  

Warum brennen manche Quallen?

Gelbe Haarqualle im Meer vor Norwegen
Gelbe Haarqualle im Meer vor Norwegen Bildrechte: imago images / imagebroker / Andrey Nekrasov

Unangenehm kann für Schwimmer in der Ostsee allerdings eine Begegnung mit der Gelben Haarqualle oder auch Feuerqualle werden. Die Nesselkapseln der Tiere können mit ihrem Gift allergische Reaktionen und Hautrötungen hervorrufen. Gelbe Haarquallen sind im Oberflächenwasser der Ostsee eher selten. Sie gelangen durch Wind aber manchmal in die Badebereiche. Die betroffenen Stellen kann man mit Meerwasser abspülen. Alternativ kann man Sand auf die betroffene Stelle auftragen und nach dem Antrocknen vorsichtig mit einem Messerrücken abschaben. Zudem kann man die Haut gegen die Schmerzen kühlen.

Mit Material von dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Nachrichten | 22. Juli 2020 | 10:00 Uhr

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