Verfallsdatum erreicht: Was mache ich mit meinen Medikamenten?

30.08.2019 | 02:10 Uhr

Ablaufdatum von Medikamente 1 min
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MDR JUMP Fr 30.08.2019 02:10Uhr 01:01 min

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Medikamente enthalten Bestandteile, die, wenn sie über ihr Haltbarkeitsdatum hinaus eingenommen oder falsch entsorgt werden, zur Gefahr für Mensch und Umwelt werden können. Deshalb beginnt der richtige Umgang mit Medikamenten schon bei der Lagerung.

Richtige Aufbewahrung von Medikamenten

Pauschale Empfehlungen für die Lagerung von Medikamenten gibt es nicht, da diese durch Aggregatzustand und Inhaltsstoffe bedingt ist. Hinweise zur Aufbewahrung finden sich, genau wie das Verfallsdatum, auf der Packung und/oder auf dem Beipackzettel. Deswegen und natürlich wegen der Informationen zu Wirkungsweise und Einnahmemodi sollten Medikamente immer in der Originalverpackung und mit Beipackzettel aufbewahrt werden. Die Packung bietet den Medikamenten außerdem Lichtschutz. Lagertemperaturen für Arzneimittel gliedern sich in drei Bereiche:

- zwischen 15 und 25°C – also bei Raumtemperatur
- zwischen 2 und 8°C – im Kühlschrank
- unter -18°C – im Gefrierfach

Die empfohlenen Lagertemperaturen sollten eingehalten werden, da eine zu kühle oder zu warme Lagerung die Wirkung der Arzneien negativ beeinflussen kann. Auch eine hohe und schwankende Luftfeuchtigkeit wirkt sich ungünstig auf Medikamente aus, weshalb das Bad als Aufbewahrungsort nicht geeignet ist. Und selbstverständlich gehören Medikamente nicht in Kinderhände. Insbesondere bei im Kühlschrank gelagerten Arzneien sollte darauf geachtet werden, dass Kinder sie nicht erreichen können.

Angebrochene Packungen

Nasenspray
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Gerade flüssige Arzneimittel, wie z.B. Hustensäfte, Tropfen, oder auch Nasensprays, werden nach der Akutphase der Erkrankung oft nicht aufgebraucht. Sie werden wieder in die Hausapotheke gestellt und bei der nächsten Erkältung achtlos eingesetzt. Doch Vorsicht! Feuchte oder flüssige Medikamente reagieren nach dem Öffnen mit Sauerstoff und viele, wie z.B. Augentropfen, sind geöffnet anfällig für Keime. Die können, wenn sie sich erstmal in der Flüssigkeit angesiedelt haben, Entzündungen auslösen.

Bei angebrochenen Medikamenten sollte man sich deshalb immer das Datum der ersten Verwendung und den Verwender - am besten auf der Umverpackung – notieren. Denn unabhängig vom Verfallsdatum dürfen bestimmte Medikamente nach dem Öffnen nur drei bis vier Wochen angewendet werden. Wird ein Medikament erst zwei Wochen vor Ablauf des Verfallsdatums geöffnet und ist dann laut Packung für vier Wochen verwendbar, gilt das Verfallsdatum und das Mittel sollte nach zwei Wochen ersetzt werden.

Wie erkenne ich ein verdorbenes Medikament?

Bei unsachgemäßer Lagerung verlieren Arzneimittel unter Umständen auch schon vor Ablauf des Verfallsdatums ihre Wirksamkeit. Von außen lässt sich das allerdings nicht feststellen. Im schlimmsten Fall können sich Wirkstoffe zersetzen und bei Einnahme sogar die Gesundheit gefährden. Bestimmte Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Medikament nicht mehr in Ordnung ist. Tabletten zum Beispiel können sich verfärben, zerbröseln oder ihre Blister blähen sich auf. Cremes riechen merkwürdig oder verändern sich in ihrer Konsistenz und/oder Farbe. Flüssige Medikamente, wie Hustensaft, können ausflocken. Stellt man solche Anzeichen fest, sollten die Medikamente unbedingt weggeworfen werden. Einzige Ausnahme: extrem teure Medikamente. Da lohnt es sich, vor einer weiteren Einnahme in der Apotheke nachzufragen.

Kann ich ein Medikament mit abgelaufenem Verfallsdatum noch anwenden?

Ganz klar: Nein! Hersteller garantieren die Wirksamkeit und vor allem Unbedenklichkeit ihrer Produkte nur bis zum angegebenen Verfallsdatum. Denn auch bei sachgemäßer Lagerung laufen in Medikamenten Verfallsprozesse ab, die die Wirkung beeinträchtigen können. Ratsam ist es deshalb, einmal im Jahr die Hausapotheke durchzusehen, abgelaufene Medikamente konsequent auszusortieren und – wenn benötigt – durch frische zu ersetzen. Die abgelaufenen Medikamente müssen deshalb entsorgt werden.

Wohin mit abgelaufenen Medikamenten?

Niemals sollten Medikamente über Spüle oder Toilette entsorgt werden, denn dann gelangen ihre Bestandteile ins Grundwasser. Schon jetzt lassen sich sehr geringe Arzneimittelrückstände im Grundwasser und in Gewässern nachweisen, denn Reste der Wirkstoffe scheiden wir aus und bisher können sie in Kläranlagen nicht aus dem Schmutzwasser entfernt werden. Selbstverständlich sollten auch Arzneibehälter wie zum Beispiel Dosen von Cremes nicht ausgewaschen werden, um sie wiederzuverwenden. 

Ein Müllbeutel mit Medikamenten wird in eine Mülltonne geworfen
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Entgegen der landläufigen Meinung sind Arzneimittel kein Sondermüll, sondern zählen zum sogenannten "Siedlungsabfall" und können deshalb im Hausmüll in der Restmülltonne entsorgt werden. Wichtig ist dabei allerdings, dass die Präparate nicht als solche für spielende Kinder erkennbar sind. Deshalb sollten sie verpackt in Plastik oder Zeitungspapier in den Restmüll gegeben werden. Restmüll wird seit 2005 in Deutschland größtenteils verbrannt, bevor er auf Deponien gelagert wird. Bei der Verbrennung werden die biologisch aktiven Bestandteile von festen und flüssigen Medikamenten zerstört oder inaktiviert. Aus der Deponie können etwaige Restmengen nicht ins Grundwasser gelangen, da Sickerwassererfassung und Abdichtungssysteme sie aufhalten. Auch viele Apotheken nehmen abgelaufene Medikamente als Serviceleistung zurück und führen sie einer umweltgerechten Entsorgung zu. Verpflichtet sind sie dazu allerdings nicht.  Eine Alternative für die Entsorgung sind Schadstoffmobile, Schadstoffsammelstellen und Recyclinghöfe. Auskünfte, wer was im Wohngebiet annimmt, erteilen Stadt- oder Gemeindeverwaltungen

Und wie ist das mit Verbandsstoffen?

Auch Verbandsmaterial hat ein Verfallsdatum. Ist das abgelaufen, sollten insbesondere sterile Materialien nicht mehr verwendet werden. Pflaster können ihre Haftfähigkeit verlieren. Es empfiehlt sich, auch bei Verbandsmaterialien regelmäßig die Bestände zu kontrollieren und wenn notwendig aufzufrischen. Dabei sollte auch der Verbandskasten im Auto nicht vergessen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 30. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2019, 02:10 Uhr