Alternativen zu WhatsApp

10.04.2019 | 02:10 Uhr

In den App-Stores von Apple und Google gibt es zahlreiche Alternativen zu WhatsApp, um mit anderen in Kontakt zu bleiben. Jedes dieser Programme hat Funktionen oder Eigenschaften, die der Marktführer nicht bietet.

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MDR JUMP Mi 10.04.2019 02:10Uhr 01:04 min

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Wer ein Smartphone nutzt, hat oft auch WhatsApp installiert. Das ist die seit Jahren mit großem Abstand beliebteste App, um mit Freunden, Familie und Kollegen Nachrichten, Bilder oder kurze Sprachaufnahmen auszutauschen. Doch WhatsApp ist nach der Übernahme durch Facebook wegen Datenschutzbedenken und Sicherheitspannen in Kritik geraten. Die hat sich noch einmal verschärft nach der Ankündigung von Facebook, Werbung in der beliebten App zeigen zu wollen.

Marktführer will durch Werbung Kasse machen

Laut einer aktuellen repräsentativen Online-Umfrage vom Digitalverband Bitkom nutzen 81 Prozent der Befragten WhatsApp. Die App ist für iPhones und Smartphones mit Android kostenlos. Facebook war an eine Vereinbarung mit den beiden WhatsApp-Gründern gebunden: Die ersten fünf Jahre nach der Übernahme musste der Messenger-Dienst kein Geld bringen. Die Frist ist am 1. Februar 2019 ausgelaufen. Prompt kündigte der Konzern an, Nutzern Werbung im Status-Bereich einzublenden. Das ist bisher (Stand: Anfang April) aber noch nicht passiert.

Diskussion um mögliche Datenpanne

Im März wurde bekannt, dass WhatsApp-Besitzer Facebook Hunderte Millionen Passwörter von Facebook- und Instagram-Konten über einen längeren Zeitraum unverschlüsselt im Klartext gespeichert hatte. Mitarbeiter des sozialen Netzwerkes hätten also missbräuchlich auf diese Passwörter zugreifen können. Das sei nicht geschehen, versicherte Facebook und der Fehler sei inzwischen behoben.

WhatsApp kann Nachrichten nicht einsehen

Abgesehen von der Diskussion um Werbung und Datenpannen habe der Marktführer zwei große Vorteile, sagt Hauke Mormann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

WhatsApp hat eine recht hohe Verbreitung. Ich kann sehr viele Menschen darüber erreichen.

Hauke Mormann, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Jeder Verein, jede Schulklasse, jede Elterngruppe, kann sich über den Dienst einfach und schnell vernetzen.

Gut an WhatsApp ist auch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Ich kann also als Gesprächsteilnehmer meinem Gesprächspartner Dinge schicken und empfangen, die wirklich nur wir beide sehen können.

Hauke Mormann

Die Verschlüsselung lobt auch Jo Bager vom Computermagazin c't und schreibt:

Das ist ein von Gutachtern als sehr sicher eingestuftes Verfahren. Ein Wermutstropfen hier: WhatsApp ist 'Closed Source'.

Jo Bager, Computermagazin c't

Damit könnten Dritte die Software nicht auf Fehler oder Hintertüren untersuchen.

Begehrte Nutzerdaten - die Auswertung von Metadaten

Trotz Verschlüsselung könne WhatsApp aber Nutzerdaten und -nachrichten auswerten und teile diese Erkenntnisse auch mit Facebook, kritisiert Hauke Mormann. Das habe das Unternehmen schon 2016 angekündigt.

Das sind die sogenannten Metadaten: Also mit wem habe ich Kontakt, wie häufig schreibe ich mit der Person und wie groß sind die Nachrichten? Sind das häufig Bilder oder Videos oder Text?

Hauke Mormann

In Deutschland darf WhatsApp die Metadaten nicht mit Facebook austauschen. Das hat der Datenschutzbeauftragte von Hamburg verboten und wurde darin auch von Gerichten bestärkt. Nach Aussage von WhatsApp hält man sich dran.

Gängige Alternativen zu WhatsApp

Wir haben einen kurzen Überblick über die bekanntesten und meistgenutzten Alternativen zu WhatsApp zusammengestellt. In den Grundfunktionen ähneln die Dienste alle dem Marktführer: Nutzer können Nachrichten, Bilder, Dokumente, Standort oder Sprach-Aufzeichnungen austauschen und sich in Gruppen zusammenschließen. Bei der Entscheidung für eine Alternative spielt also eine Rolle, welche App von der Handhabung, vom Datenschutz und von der Sicherheit am besten zu einem passt.

Threema Icon
Symbol des Messangerdienstes Threema Bildrechte: IMAGO

Threema ist die einzige kostenpflichtige WhatsApp-Alternative: Die App kostet in den App-Stores für Android 2,99 Euro, für iPhones sind 3,49 Euro fällig. Dafür sollen Nutzer ein Höchstmaß an Sicherheit bekommen. So werden alle Nachrichten wie auch Telefonate für die App komplett verschlüsselt. Hauke Mormann lobt zudem, dass Threema anonym genutzt werden kann, ohne dass wie bei WhatsApp auf die Kontaktdaten des Smartphones zugegriffen wird.

Da kann kein Zusammenführen von Daten anderer Personen so leicht stattfinden, wenn ich als Nutzer den Zugriff auf mein Adressbuch nicht gewähre.

Hauke Mormann

Anders als bei WhatsApp laufen alle verschlüsselten Nachrichten und auch die Metadaten über Server in der Schweiz. US-Behörden haben darauf also keinen Zugriff.

Das Logo der Messengerdienstes Signal ist auf einem Smartphone zu sehen.
Symbol des Messangerdienstes Signal Bildrechte: imago/photothek

Die kostenlose Messanger-App Signal (iOS und Android) hat einen sehr prominenten Fan: Der früher NSA-Mitarbeiter Edward Snowden erklärte 2015, dass er den Dienst jeden Tag nutze. Signal genießt unter Sicherheitsexperten einen sehr guten Ruf, weil die Macher unter anderem den Quellcode des Programms offenlegen. Den können Dritte auf Sicherheitsprobleme untersuchen. Signal-Nutzer können einstellen, dass Nachrichten nach einer Weile automatisch gelöscht werden.

Smartphone mit geöffneter App "Telegram" vor PC-Bildschirm mit Telegram-Schriftzug.
Symbol des Messangerdienstes Telegram Bildrechte: dpa

Telegram (kostenlos für iPhones und Android-Smartphones) gilt wie die beiden erstgenannten Apps als eine der sichersten WhatsApp-Alternativen. Die Kommunikation wird allerdings nicht standardmäßig von Nutzer zu Nutzer verschlüsselt. Das muss erst aktiviert werden. Gruppenchats sind grundsätzlich nicht verschlüsselt. Auch bei dieser App können Dritte den offen liegenden Quellcode auf Schwachstellen untersuchen. Bei Telegram wird die Kommunikation der Nutzer anders als bei WhatsApp nicht auf einem Server, sondern in einer Cloud gespeichert. Auf die können Nutzer dann zugreifen, wenn sie Telegram auf verschiedenen Smartphones und vielleicht auch noch auf dem Computer nutzen.

Auf dem Display eines iPhone 6 werden die Symbole der Apps «WhatsApp» und «Nachrichten»
iMessage-Symbol neben dem WhatsApp-Symbol Bildrechte: dpa

Die als sehr sicher geltende App iMessage gibt es nur für iPhones. Alle Kommunikationsdaten werden bei diesem Dienst verschlüsselt übertragen. Apple hat aber selbst daraufhin gewiesen, dass etwa die NSA die Nachrichten mitlesen könnte, wenn sie die Schlüssel dafür auf den Servern von Apple ausspioniert. Oder wenn das Unternehmen gerichtlich gezwungen wird, die Schlüssel herauszugeben. Wer die App auf dem iPhone nutzt, kann die Unterhaltung auch auf anderen Apple-Geräten im Haushalt fortsetzen. Nutzer können bei iMessage entscheiden, dass Nachrichten nach einem Monat oder einem Jahr gelöscht werden sollen.

Alternativen bislang wenig genutzt - und somit mit eingeschränkter Reichweite für Nutzer

WhatsApp-Alternativen wie Signal oder Telegram haben zwar weltweit Hunderte Millionen Nutzer. In Deutschland spielen die Programme aber aktuell nur eine kleine Rolle. Laut Bitkom-Studie nutzen nur zehn Prozent der Smartphone-Besitzer iMessage, sieben Prozent haben Telegram. Threema wird von vier Prozent genutzt. Das macht eine komplette Abkehr von WhatsApp schwierig bis unmöglich, weil Nutzer viele ihrer Kontakte dann nur noch über SMS, E-Mail oder Anrufe erreichen. Damit bleiben sie bei WhatsApp, trotz aller Kritik und Datenschutzbedenken.

Bündelung von Messangerdiensten in einer App?

Ein Ausweg könnten Dienste oder Apps sein, die alle Kommunikation über WhatsApp und über alternative Messenger-Dienste bündeln. Das will die Bundesregierung langfristig auch erreichen und so die Monopolstellung von WhatsApp auflösen.

Da gibt es aber derzeit zwei große Probleme: WhatsApp schließt in seinen Nutzungsbedingungen Drittanbieteranwendungen aus.

Hauke Mormann

Damit kann keine andere App so programmiert werden, dass sie WhatsApp-Nachrichten empfängt. Hier müsste die Bundesregierung tätig werden und das Unternehmen verpflichten, sich zu öffnen.

Zudem unterscheiden sich die Verschlüsselungsmethoden der Messenger-Dienste. Da einen gemeinsamen Schlüssel zu finden, ist eine echte Herausforderung.

Hauke Mormann
Hände tippen auf ein Smartphone
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Der Verbraucherschützer hat Freunden und Familienmitgliedern Gutscheine für kostenpflichtige Messenger-Dienste wie Threema geschenkt, um sie von einem Wechsel zu überzeugen und so mit ihnen auch ohne WhatsApp in Kontakt bleiben zu können.  

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 02:10 Uhr

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