Arthrose: Was tun, wenn die Gelenke abgenutzt sind?

Volkskrankheit Arthrose: Am stärksten betroffen sind die über 65-Jährigen, aber auch mit 30 kann es einen schon erwischen. Wir erklären, wie Arthrose entsteht und was ihr dagegen tun können.

Ein Patient hält sich das schmerzende Knie. 1 min
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MDR JUMP Do 29.10.2020 10:45Uhr 00:57 min

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Was ist Arthrose?

Der Begriff bedeutet im Lateinischen so viel wie "verstümmeltes Gelenk". Dahinter steckt ein fortschreitender Knorpelverlust. Die sorgen in allen Gelenken für eine möglichst reibungs- und schmerzfreie Bewegung. Ist der Knorpel beschädigt oder entzündet, reagiert der Körper mit Schmerzen. Kein Wunder, denn im schlimmsten Fall können sogar die Knochen direkt aufeinander reiben. Das kann vor lauter Schmerzen bis zur Bewegungsunfähigkeit führen.

Im Normalfall treten erste Symptome zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, aber es gibt Faktoren, die den Knorpelabbau zwischen den Gelenken beschleunigen können. 

Wen kann es treffen?

Gerade im Hüft- und Kniegelenkbereich werden die Knorpel durch starke Überbelastung strapaziert. Ein Hauptgrund dafür ist Übergewicht. Die Mehrbelastung oder daraus resultierende Fehlstellungen der Knochen, wie X- und O-Beine, können dem Knorpel zusätzlich extrem zusetzen.

Arthrose, schmerzende Gelenke
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Auch bei sportlicher Belastung wie Laufen oder Springen werden die Knorpel enorm gefordert. Sie können sich im Normalfall nach einer Belastung aber immer wieder regenerieren. Vereinfacht gesagt, füllt sich der weiche Knorpel wieder auf und kann seine Pufferfunktion ausüben. Kommt es aber durch Überbelastung, mechanische Beschädigung oder fehlende Nährstoffversorgung zu einer Entzündung, klappt diese Regeneration nicht mehr.

Dritter Hauptgrund für eine Arthrose kann eine genetische Veranlagung sein. Heißt, man hat von vornherein eine Knochenfehlstellung, etwa in der Hüfte. Oder die Versorgung der Knorpel mit Nährstoffen ist gestört.

Wie merkt man es?

Schmerzen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass im Gelenk etwas nicht stimmt. Anfangs spürt man den Schmerz nur nach einer längeren Ruhepause des Gelenks, etwa nach langem Sitzen. Sobald man sich bewegt, gehen die Schmerzen weg. Im weiteren Verlauf bleiben die Schmerzen bestehen, nicht nur bei Belastung, sondern dauerhaft.

Man hat dann selbst im Liegen enorme Schmerzen in Hüfte, Knie und anderen betroffenen Gelenken. Das Problem: Auch andere Gelenkerkrankungen, wie etwa Gicht oder Arthritis, verursachen solche Schmerzen. Und nicht jeder hat das gleiche Schmerzempfinden. Je später man aber etwas gegen die Arthrose tut, desto größer sind die bleibenden Schäden. Die Lösung: Ein Röntgenbild beim Arzt. Nur so kann man mit großer Sicherheit erkennen, ob man eine Arthrose hat. Deshalb sollten man auch in jungen Jahren solche Gelenkschmerzen frühzeitig abklären lassen.

Je früher sie behandelt werden, desto besser lässt sich der chronische, also anhaltende Verlauf der Krankheit bremsen.

Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Wenn man nicht rechtzeitig reagiert und sich erst mal über eine lange Zeit mit Schmerzmitteln durch den Alltag kämpft, setzt man in dem betroffenen Gelenk eine Kettenreaktion in Gang.

Die einzelnen Gelenkbestandteile wie Sehnen, Bänder und auch die umgebenden Muskeln passen sich der Situation an. Sie reagieren mit Schonhaltung, Verkrampfung oder gar einer Verkürzung, warnen unsere Experten. Weicht man also durch eine andere Haltung dem Schmerz aus, belastet man das Gelenk durch diese Fehlhaltung immer mehr. Am Ende hat man nicht nur ein Problem mit dem Knorpel, sondern dem gesamten Gelenk. Und das kann sich auch auf ganze andere Körperregionen auswirken.

Was macht der Arzt?

Die Behandlung hängt vom Alter des Patienten, seinem körperlichen Gesamtzustand und dem Grad der Arthrose ab. Bei einem sehr sportlichen jungen Menschen, werden wahrscheinlich zuerst die Schmerzen und eine eventuelle Entzündung behandelt. Außerdem kann eine spezielle Bewegungstherapie helfen. Ist ein ausgeprägtes Übergewicht an der Arthrose schuld, dann müssen natürlich hauptsächlich die Pfunde runter.

Gegen eine falsche Statik der Gelenke können Physiotherapie, spezielles Training und zum Beispiel Einlagen für die Schuhe helfen. Entzündliche Vorgänge im Körper können mit Medikamenten und zum Teil mit einer Ernährungsumstellung behandelt werden.

Sind die Knorpel so abgenutzt, das die Knochenoberflächen direkt aufeinander reiben, muss mitunter das komplette Gelenk ausgetauscht werden. Bei einem Hüftgelenk sind Sie im Idealfall schon nach wenigen Wochen wieder gut belastbar. Die Heilung einer Kniegelenks-OP dauert länger. Die Reha-Phase ist dabei im Allgemeinen anstrengender und schmerzhafter. Aber auch mit künstlichem Kniegelenk ist man nahezu voll belastbar.

Was kann man tun?

Spaziergänger und Radfahrer in einem Wald.
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Wichtig ist, dass  eventuelle Schmerzen schnell abgeklärt werden. Ansonsten vermeidet man am besten Übergewicht, ernährt sich gesund, trinkt wenig Alkohol und raucht am besten nicht. Auch Bewegung hilft. Ein moderat belasteter Knorpel regeneriert sich schnell wieder. Auch wichtig: Fehlhaltungen vermeiden und, wenn nötig, zur Physiotherapie oder spezieller Gymnastik gehen.

Fazit

Heilbar ist die Arthrose bis heute nicht. Mit modernen Therapiemethoden bekommt man die Beschwerden aber gut in den Griff. Je früher man sich behandeln lasst, desto größer sind die Chancen, die Gelenke möglichst lange zu erhalten und auf ein künstliches Gelenk verzichten zu können. Fakt ist: Man muss mit 90 Jahren nicht zwangsläufig Gelenkschmerzen haben. Voraussetzung: Man tut dauerhaft etwas für seinen Bewegungsapparat.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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