Bestattung im Friedwald als Alternative zum Friedhof wird immer beliebter

Vor 20 Jahren wurde der erste Mensch in Deutschland in einem Friedwald beigesetzt. Diese Form der Beerdigung als Alternative zur Bestattung auf einem Friedhof wird seitdem immer beliebter. Wir sagen dir, was es dabei alles zu beachten gibt.

Viele unterschiedliche Möglichkeiten

Wenn es um das Thema Beerdigung geht, dann haben viele Menschen heute oft den Wunsch, dass die Angehörigen mit Beerdigung und Grabpflege keinen großen Aufwand haben. Trotzdem sind die Erdbestattung im Sarg oder eine Einäscherung und Beisetzung der Urne immer noch die häufigsten Arten, bestattet zu werden. Es gibt jedoch etliche weitere Möglichkeiten: Neben der Seebestattung kann man seine Asche auch aus dem Heißluftballon in alle Winde zerstreuen lassen, in Schweden kann man sich tiefgekühlt zu biologisch abbaubarem Granulat verarbeiten lassen, ja und sogar die Weltraumbestattung ist ab ca. 25.000 Euro möglich.

Bestattung auf dem Friedhof – der übliche Weg

Das sind erwähnte Grabstätten für Urne oder Sarg. Laufzeit meist zwischen 20 und 30 Jahre. Dafür sind einmalig Gebühren für die Grabstätte fällig, ab 200 Euro für eine Urne, ab rund 1000 Euro für ein Reihengrab. Einzel-, Doppel- oder gar Familiengräber werden deutlich teurer. Kommt ein Grabstein dazu, kostet eine einfache Grabstätte schnell ab 3000 Euro. Dazu kommen dann jährliche Friedhofsgebühren ab rund 30 Euro pro Grabstätte. Und nach der Laufzeit muss die Grabstätte immer wieder verlängert werden, jährlich für etwa 50 Euro.

Wer das nicht möchte, muss damit rechnen, dass die Überreste der Verstorbenen entweder Gesellschaft von neuen Beerdigten bekommen oder tatsächlich im Müll entsorgt werden. Das hat nichts mit ewiger Ruhe und Frieden zu tun.

Für wen macht man es?

Bei herkömmlichen Gräbern muss man sich immer wieder Gedanken um die Grabpflege machen. Wohnt man weit weg, bezahlt man entweder viel Geld dafür oder man muss eventuell in Kauf nehmen, dass das Grab nicht immer tipptopp aussieht.

Alternative Friedwald

Bei einer Waldbestattung kauft man in der Regel einmalig einen Platz, Laufzeit bis zu 20 Jahre, oder gleich einen ganzen Baum, der dann laut Friedwald-Sprecherin Franziska Bittel zu einer Art Familienbaum werden kann:

An diesem Baum werden dann auch nur Ihre Familienangehörigen, Freunde und so weiter beerdigt. Bis zu 20 Plätze sind bei uns an so einem Baum für Sie frei.

Der Baum wird für symbolische 99 Jahre gekauft. Eine Erdbestattung mit Sarg ist nicht möglich. Es muss also eine Einäscherung stattfinden, dann kommt die Asche in eine biologisch abbaubare Urne. Zwischen fünf und fünfzehn Jahren brauchen so eine Urne und die Asche, um vollständig abgebaut zu werden. Es ist also egal, ob ein Platz nur für 20 Jahre oder länger gekauft wird, es wird nie wieder etwas ausgegraben. Die Totenruhe im Wald währt somit für sehr lange Zeit.

So findet man einen Platz im Wald

Bei einem der großen Anbieter sucht man ganz einfach online. Auch Städte und Gemeinden bieten mittlerweile Bestattungen im Wald oder am Baum und sogar Felsen an. Dazu fragt man auf dem Friedhofs- oder Ordnungsamt nach. Vorteil: man kann im Vorfeld suchen.

Gerade viele junge Leute, die überraschend einen Menschen verloren haben, planen das sehr lange im Voraus, wir haben da viele sogenannte Vorsorgeverträge. Die Kosten sind die gleichen, die Laufzeit beginnt aber erst ab der Bestattung

so unsere Expertin.

Sensenmann - Eine Person im schwarzen kaputzenumhang und mit Sense steht im Wald.
Bildrechte: imago images/Future Image

Ein etwas anderer Umgang mit dem Tod

Blumen und Grabschmuck sind ausdrücklich nicht erlaubt. Logisch, sonst würden ja auch Draht, Stoffschleifen und andere künstliche Produkte in den Wald gebracht und von den dort lebenden Tieren breitgetragen. Dazu Franziska Bittel:

Der Wald so wie er ist, mit seinen Moosen, Farnen und der gesamten Pflanzenwelt ist quasi der Grabschmuck. Wir ermutigen die Angehörigen der bei uns Beigesetzten eher, eine Kleinigkeit aus dem Wald mitzunehmen, wie eine Eichel oder ein Blatt.

Pflanzen, Gießen, Hacken fallen also weg, stattdessen kann Zeit am Grab verbracht werden.

Es ist zum Beispiel nicht verboten, in den Friedwald eine Decke mitzunehmen, dort einen Tee oder am Todes- oder Geburtstag auch mal ein Glas Sekt zu trinken. Und natürlich können Sie dort auch immer wieder im Wald spazieren gehen

so die Expertin.

Der praktische Ablauf

Im Normalfall sind die großen Anbieter keine Bestattungsunternehmer:

Wir sind der Friedhofsbetreiber. Die Abholung, Überführung ins Krematorium und auch die Beerdigung regeln Sie mit einem Bestattungsunternehmen

so unsere Expertin. Merke: Wer sich im Vorfeld einen Platz im Bestattungswald kauft, hat den entsprechenden Kontakt und leitet den einfach an einen Bestatter weiter. Für den Fall, dass kurzfristig ein Platz benötigt wird, setzt man sich mit beiden Ansprechpartnern in Verbindung.

Auch Umbetten ist möglich – wie die Familie zusammenfindet

Die Kinder wohnen in Hamburg, die Mutter in Berlin, der Vater stammt aus Eisenach, das ist gelebter Alltag und bedeutet oft mehrere Grabstätten mit großem Abstand. Wer sich dafür entscheidet, einen Familienbaum zu kaufen, kann versuchen, bereits bestattete Angehörige in den Wald umbetten zu lassen. Dazu nochmal unsere Expertin:

Das ist durchaus möglich, so finden Sie eine Ruhestätte quasi für die Ewigkeit, wenn eine andere Grabstätte ausgelaufen ist. Sie können dazu gerne Kontakt zu uns aufnehmen, wir helfen dann bei den Anfragen bei Ihrer Gemeinde.

Das Friedhofsrecht ist kommunal geregelt, das heißt, jede Stadt und Gemeinde handhabt es unterschiedlich. Man sollte sich also vorher erkundigen, ob so etwas überhaupt möglich ist. Wichtig: Es sind nur Urnenbestattungen möglich, vorhandene Urnen aus Metall werden durch die erwähnten Kunststoffurnen ersetzt.

Fazit

Eine Bestattung im Wald ist auf lange Sicht preiswerter als ein herkömmliches Grab. Wer seine Hinterbliebenen gerne mit Blumen und Grabschmuck ehrt, für den ist der Wald der falsche Ort. Wer aber gerne eine Grabstätte für immer hat, aus der Urnen nicht nach Ablauf der Ruhezeit wieder entfernt werden, oder gar einen Platz für die ganze Familie über mehrere Generationen sucht, für den ist eine Bestattung im Friedwald genau richtig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. November 2021 | 11:45 Uhr

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