Bierbrauen daheim: Mit diesen Tipps schmeckt es richtig gut!

Sets zum Bier selberbrauen erobern zunehmend den Markt. Eine witzige Geschenkidee ist es allemal - und ein Abenteuer auch. Doch worauf sollte man achten, damit das Bierbrauen daheim nicht doch zur Schnapsidee wird?

Theoretisch ist es ganz leicht: Du mischst Getreidemalz mit Wasser, setzt also eine Maische an. Die erwärmst du auf eine Temperatur zwischen 60 und 70 Grad und hältst diese Temperatur eine Weile. Dann trennst du das Malz von der Flüssigkeit, auch Läutern genannt. Nun kommt in die Flüssigkeit, genannt Würze, noch der Hopfen. Wieder wird erwärmt. Dann kommt noch die Hefe - und die Gärung kann beginnen. Schließlich füllst du das Bier in Flaschen und lässt es reifen und nachgären. Das Rezept klingt einfach, doch ist es das tatsächlich?

Die Temperatur muss stimmen

Brauen ist ein hochkomplexer Vorgang: Es kommt da auf richtige Temperaturen an, bei denen chemische Prozesse ausgelöst und auch wieder gestoppt werden. Die Maische muss über eine bestimmte Zeit auf Temperatur gehalten werden. Da hat man mitunter wenig Spielraum. Schon zwei oder drei Grad Unterschied zur Vorgabe kann das Bier entscheidend beeinflussen. Ebenso die Menge der Zutaten. Zu wenig Hopfen kann das Bier lasch machen, zu viel macht es dunkler und zu stark. Gleiches gilt für die zugesetzte Hefe. Ganz wichtig ist die Abkühlung des Bieres während der Gärung. Da hat man mitunter gar nicht die Möglichkeiten, das so genau und gleichmäßig auf die gewünschte Temperatur abzukühlen, wie es nötig wäre.

Das kannst du von einem Starterset erwarten

Brau-Sets gibt es bereits ab 30 Euro. Dafür bekommst du dann einen Gär-Eimer, Malz, Hopfen und Hefe. Eventuell noch ein Thermometer und Reinigungsmittel. Zu Hause brauchst du dann noch einen großen Topf, eventuell noch Zucker und Flaschen in die du das Bier später füllst.

Mit ein bisschen Geschick bekommst du dann nach gut vier Wochen ein meist obergäriges Bier, wie etwa ein Weizen zustande. Unsere Experten meinen: Das könne schon nach Bier schmecken und für eine kleine Probe unter Freunden reicht da vielleicht auch aus. Was dabei rauskommt, bleibe aber immer eher eine Überraschung. Bei den meisten, auch preiswerten Sets, kannst du aber wählen, was am Ende in etwa für ein Bier rauskommen soll - hell, dunkel und so weiter.

Wenn du Geschmack, Charakter, Alkoholgehalt und vielleicht sogar die Sorte des Bieres beeinflussen willst, dann brauchst du schon besseres Equipment. In Sets für 250 Euro sind schon Gärflaschen, Abfüllschläuche, Filter und vieles mehr enthalten. Ab rund 400 Euro bist du als Hobbybrauer dann soweit ausgerüstet, dass du ein akzeptables Dunkles, Helles oder Weizen gezielt brauen kannst und dich nicht überraschen lassen musst.

Du brauchst Geduld

Auch mit dem einfachen Starterset bekommst du nicht mal eben kurz vor der Party noch schnell ein Bier gebraut. Alleine der Brauprozess mit Maischen, Läutern und Hopfen kochen, dauert bis zu acht Stunden. Dann muss man noch Zeit für die Gärung einrechnen. Schließlich muss das Bier noch in Fass oder Flasche reifen. Und das dauert gut vier Wochen. Das bedeutet, fünf bis sieben Wochen brauchst du auch zu Hause für ein akzeptables Ergebnis.

Das macht das Selbstgebraute so lecker

Auch wenn es am Anfang eher einem Experiment gleicht, raten unsere Experten, selbstgebrautes Bier zu probieren. Man wird bei einem guten Ergebnis überrascht durch eine Vollmundigkeit, eine Fülle an Geschmack und ein Malzerlebnis, das man so von einem herkömmlichen Flaschenbier kaum noch kennt. Nicht gefiltert, nicht pasteurisiert - sind selbstgebraute Biere sehr reich an Inhaltsstoffen.

Pilsner geht nicht zu Hause

Tatsächlich ist das Pilsener Bier die Königsdisziplin beim Bierbrauen. Deswegen bekommst du auch kein Set, mit dem du Pilsener brauen kannst. Der Grund: Da muss man beim Gärvorgang über 14 Tage eine Temperatur von acht Grad halten. Wer kann das schon zu Hause garantieren.

Hygiene ist wichtig

Der Braumeister ist zur Hälfte Putzfrau, so lautet ein Sprichwort. Und tatsächlich ist Hygiene beim Brauen oberstes Gebot. In jedem Brauset werden dir Putz- und Desinfektionsmittel mitgeliefert. Das ist auch notwendig, denn Bier ist durch Hefe, Zucker und Wärme während der Herstellung sehr anfällig für Keime und Bakterien. Verunreinigungen können das Bier sehr schnell verderben und sauer machen. Eins kann dir aber nicht passieren: Man kann nicht aus Versehen einen schädlichen Methylalkohol brauen, wie das beim Schnapsbrennen passieren kann.     

Achtung Steuer

Ob du willst oder nicht, ab dem ersten Liter selbstgebrauten Bieres bist du Hobbybrauer und musst das theoretisch und praktisch bei deinem Zollamt anmelden. Bis zu 200 Liter Bier darfst du dann pro Jahr zum Eigenbedarf brauen. Erst wenn du mehr braust, wird eine geringe Steuer auf das Bier erhoben.

Fazit

Ein gutes Bier zu brauen, ist keine leichte Sache. Dazu brauchst du Geduld, Übung und die richtige Ausrüstung. Ein Brauset aus dem Internet für ein paar Euro beschert dir eine interessante Erfahrung und, wenn du alles richtig machst, durchaus einen leckeren Schluck. Richtig gut wirst du nur mit der entsprechenden Leidenschaft und Durchhaltevermögen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. August 2021 | 11:45 Uhr

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