Bio-Ethanol-Kamine – Gefährliche Gemütlichkeit

13.11.2019 | 02:10 Uhr

Ein Ethanol-Kamin in einem modernen Wohnzimmer. 1 min
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MDR JUMP Mi 13.11.2019 02:10Uhr 01:12 min

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Ethanol-Kamine können je nach Modell im Raum aufgestellt oder an der Wand angebracht werden. Sie können problemlos in Baumärkten oder dem Internet gekauft werden und lassen sich je nach Größe einfach transportieren. Die Bedienung ist denkbar leicht. Weitere Vorteile: Es sind weder ein Schornstein noch eine Gasleitung erforderlich, um so einen Kamin zu betreiben. Bei der Benutzung fällt keine Asche an und der Schornsteinfeger ist auch überflüssig. Zudem braucht es keinen Lagerplatz für Brennholz. In Design und Form gibt es die unterschiedlichsten Varianten: vom offenen Glasgefäß bis zum klassischen Wandkamin. Es gibt sogar Möbelstücke, in denen der Kamin eingelassen ist.

Die Kamine fürs Wohnzimmer gibt es ab 30 Euro zu kaufen, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. So gibt es durchaus auch Modelle für mehrere Tausend Euro.

Die Nachteile: Das gemütliche Prasseln und Knistern eines echten Holzfeuers hört man beim Ethanol-Kamin nicht. Außerdem ist der Heizeffekt des Ethanol-Kamins zu vernachlässigen. Er ist also bestenfalls ein stimmungsvolles Deko-Objekt.

Der Brennstoff: Bio-Ethanol

Ethanolflasche
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Der Brennstoff der Kamine ist Bio-Ethanol. Dieser Alkohol wird aus Zuckerrohr, Kartoffeln oder Getreide gewonnen und besteht somit zu 95 Prozent aus pflanzlichen Stoffen. Bio-Ethanol ist leicht entzündlich und wird auch als Brandbeschleuniger verwendet. An der Luft stehend kann er schon bei 21 Grad ein explosionsfähiges Gemisch bilden. Der Brennstoff ist daher immer verschlossen und stets in Räumen zu lagern, in denen keine offenen Flammen entfacht werden. Aus Brandschutzgründen sollten nie mehr als fünf Liter in ausreichendem Abstand zum Kamin gelagert werden.

Je nach Kamin-Modell wird das Bio-Ethanol in unterschiedlichen Formen eingesetzt. Es gibt es als Gel oder Paste abgefüllt in einfachen Weißblechdosen, die nach wenigen Einsätzen ersetzt werden müssen. Flüssiges Ethanol wird meist in Edelstahldosen bzw. in große Brenntöpfe gefüllt, die dann im Kamin in die sogenannte Brennkammer gestellt werden. Die meisten Modelle werden mit flüssigem Ethanol betrieben.

Wichtig: Gut lüften!

Eine Person macht ein Fenster auf
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Beim Verbrennen des Ethanols entstehen zwar weder Rauch noch Ruß. Dennoch ist es unbedingt erforderlich, für eine gute Belüftung des Raums zu sorgen, denn die Kohlendioxid-Menge, die der Kamin erzeugt, ist enorm: Ein halber Liter verbranntes Ethanol erzeugt in etwa so viel Kohlendioxid, wie zwölf bis 16 Menschen in einer Stunde ausatmen. Die Luft wird also schneller verbraucht, insbesondere in kleineren Räumen. Experten empfehlen, am besten während der gesamten Brennzeit des Kamins  ein Fenster abgekippt zu lassen. Dadurch wird der wärmende Effekt eines Ethanol-Kamins natürlich nochmals gemindert.

Alternativ dazu kann man auch in Abständen von einer Stunde kräftig stoßlüften, immer abhängig von der Größe des Kamins und des Raumes.

Vorsicht in kleinen Räumen

Besonders in Zimmern mit wenig Volumen sorgt ein Kamin relativ schnell dafür, dass der Kohlendioxidgehalt ansteigt. Empfindliche Menschen können darauf mit Kopfschmerzen und Unwohlsein reagieren. Das kann auch Haustiere betreffen. Deshalb sollten kleine Räume besonders gründlich gelüftet werden.

Ethanol-Kamine verunreinigen die Luft

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts geben die Kamine schädliche Verbrennungsrückstände in die Raumluft ab, auch wenn viele Hersteller das bestreiten. Das Problem: Ethanol verbrennt nicht vollständig.

Dadurch entstehen zusätzlich zu Kohlendioxid noch Reizgase wie Stickstoffdioxid, Formaldehyd und die krebserregende Substanz Benzol. Wie viel davon freigesetzt wird, hängt von der genauen Art des Brennstoffs und der Verbrennungstemperatur ab. Welche Auswirkungen das konkret auf die Luftqualität eines Raums hat, wurde nicht erforscht, sondern nur die Höhe und Art der freigesetzten Emissionen. Deshalb kann noch keine allgemeine Aussage zur Gesundheitsgefahr getroffen werden. Außerdem hatte das Institut für Wohnen und Umwelt festgestellt, dass Ethanol-Feuerstellen die Raumluftqualität in Passivhäusern beeinträchtigen.

Regeln zum Brandschutz einhalten

Immer wieder gibt es tödliche Unfälle durch das Betreiben von Ethanol-Kaminen. Um Brände und lebensgefährliche Situationen zu vermeiden, müssen unbedingt die Regeln zum Brandschutz eingehalten werden:

Sicheren Aufstellort wählen!

Der Kamin muss sicher, fest und auf stabilem Boden stehen bzw. an der Wand befestigt werden. Experten raten, mindestens einen halben Meter Abstand zu hitzeempfindlichen oder brennbaren Materialien einzuhalten. Bei Wandgeräten sollte unbedingt vorher überlegt werden, ob sie überhaupt für das gewünschte Zimmer geeignet sind oder ob beispielsweise die Tapete durch den Kamin in Brand geraten könnte.

Schlaf und Kinderzimmer sind tabu. Besonders kleine Räume bieten sich ebenso nicht an.

Nur im kalten Zustand befüllen!

Frau mit weißem Kunststoffkanister.
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Besonders beim Befüllen des Kamins kommt es immer wieder zu – oft folgenschweren – Unfällen. Der Kamin darf nicht befüllt werden, wenn er brennt oder noch heiß ist. Etwas anderes als reines und schadstofffreies Ethanol darf keinesfalls als Brennstoff benutzt werden.

Ausreichend Abstand halten!

Streichhölzer
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Zum Anzünden sollte ein Stabfeuerzeug oder ein langes Streichholz verwendet werden, um einen möglichst großen Abstand zur Flamme zu haben. Auch darf der Brennstoffkanister niemals in der Nähe des Kamins abgestellt und schon gar nicht dort gelagert werden.

Kamin nicht allein lassen!

Feuerlöscher
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Solange das Feuer lodert, sollte es nicht unbeaufsichtigt gelassen werden. Also nicht das Zimmer verlassen oder ins Bettgehen, wenn der Kamin noch brennt. Dass Kinder und Tiere nicht allein beim Kamin bleiben sollten, versteht sich von selbst.

Die Brandschutzhinweise sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Ein umgekippter Kamin, der möglicherweise mehrere Liter Brennstoff enthält oder überraschende Stichflammen können schlimme Schäden anrichten.

Um einen Ethanol-Brand zu löschen, eignen sich Schaum-Feuerlöscher oder speziell behandelte Löschdecken. Ist gar nichts anderes zur Hand, kann auch eine schwere Baumwolldecke helfen, den Brand zu löschen. Es empfiehlt sich aber, zusammen mit der Anschaffung des Kamins auch über ein geeignetes Löschmittel nachzudenken.

Mehr Sicherheit durch Normen?

Seit 2011 gilt für Ethanol-Kamine die DIN-Norm 4734-1. Anhand derer können der TÜV und andere Prüfstellen "dekorative Feuerstellen für flüssige Brennstoffe", wie die Kamine in dieser Norm heißen, prüfen und bei Einhalten der Standards Zertifikate vergeben. Zu diesen Standards gehören beispielsweise die Bau- und Betriebsweise, Sicherheitsanforderungen oder die Inhalte der Gebrauchsanweisung. Die DIN schreibt zum Beispiel vor, dass pro Stunde nur 0,5 Liter Ethanol pro Kamin verbrannt werden dürfen.

Darüber hinaus wurde die DIN-Norm EN 16647 entworfen, um einen europaweit gültigen Standard für alle Hersteller und Geräte zu haben. Das Problem: Die Normen gelten bisher nicht europaweit einheitlich und sind für Hersteller keine Pflicht. Gerade deswegen sollten Kunden beim Einkauf aber gezielt nach geprüften und damit sichereren Kaminen suchen. Ein geprüftes Gerät hat auf der Verpackung ein Siegel mit Prüfnorm und muss den Hinweis enthalten, dass es sich nicht um ein Heizgerät handelt und nur in gut belüfteten Räumen verwendet werden darf.

Experten warnen vor Sicherheitsmängeln

Geräte ohne die erwähnten Normen können bauliche Mängel aufweisen.

So können Füllstandsanzeigen für korrektes Befüllen oder auch Überlaufbehälter genauso fehlen, wie Sicherheitshinweise für einen korrekten Betrieb. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 13. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 02:10 Uhr