Ein Mann fährt Auto und hält ein Smartphone in der Hand.
Bildrechte: imago/Reporters

Blitzer-Apps: Rechtliche Grauzone?

22.02.2019 | 02:10 Uhr

Ein Mann fährt Auto und hält ein Smartphone in der Hand.
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Im Straßenverkehr geblitzt zu werden, ist ärgerlich. Denn schon ein paar Kilometer pro Stunde zu schnell können richtig teuer werden. Und irgendeiner der rund 4500 stationären oder hunderten mobilen Blitzer erwischt uns garantiert mal. Abhilfe versprechen Blitzer-Apps, Navi-Apps mit Zusatzfunktion oder gleich ein Radarwarner. Doch die sind eigentlich verboten. Was du in Sachen Blitzer-App darfst und was nicht, erfährst du jetzt.

Die Möglichkeiten

Um rechtzeitig auf Blitzer aufmerksam gemacht zu werden, kannst du im Wesentlichen drei Systeme nutzen:

  • Die Blitzer-App warnt vor fest installierten und mobilen Blitzern. Die App gibt es in vielen Varianten für Android- und iOS-Nutzer. Oft gibt es die Basisversion mit akustischer Warnung kostenlos. Kartendarstellung, Anzeige der Blitzerart, Richtgeschwindigkeit und Update-Funktionen kosten hingegen ein paar Cent bis wenige Euro.
  • Navigationsapp mit Blitzerwarner- aktuell bietet zum Beispiel Google-Maps solch eine Funktion an. Abhängig von der Einstellung kannst du dir die fest verbauten und die mobilen Blitzer auf deiner Route anzeigen lassen. Je nach System sind optische und akustische Warnung, Entfernungsanzeige zum Blitzer und weitere Optionen möglich.
  • Radarwarner/-störer sind meist im Auto fest angebrachte Geräte. Sie erkennen den Blitzer an den ausgestrahlten Radarwellen und warnen den Autofahrer etliche Meter vorher. Manche Geräte stören die Radarwellen so, dass eine saubere Messung nicht möglich ist. 

So zuverlässig sind die Geräte

Fest installierte Blitzer lassen sich bei Blitzer-Apps und Navi-Apps mit Zusatzfunktion gut in der Datenbank speichern. Die werden also sehr zuverlässig angezeigt. Neue fest installierte Blitzer müssen erst aufgenommen werden. Sie sind davor nicht sicher. Mobile Blitzer werden durch die Nutzer der Apps gemeldet. In der Summe scheint das relativ zuverlässig, allerdings braucht es dazu auch viele Nutzer. Ein mobiler Blitzer auf einer selten befahrenen Landstraße wird erst entsprechend später gemeldet. Wichtig für zuverlässige Daten ist neben vielen Nutzern auch eine stabile Internetverbindung. Spaßmeldungen sind selten, da bei allen Systemen ein mobiler Blitzer erst nach mehrmaliger Meldung durch verschiedenen Nutzer in der App auftaucht.

Kreuzen sich Straßen oder Bücken, kann es passieren, dass der Blitzer falsch angezeigt wird. 100 prozentig sicher sind also die Meldungen nicht. Die Benutzung der Apps oder Radarwarner stellt dir also keinen Freibrief für bedenkenloses Schnellfahren aus.

Das sagt das Gesetz

Grundsätzlich ist die Benutzung von Blitzer-Apps bzw. Radarwarngeräten während der Fahrt im Auto in Deutschland verboten. Das regelt ganz klar der Paragraph 23 (Abs.1c) der Straßenverkehrsordnung

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen (Radarwarn- oder Laserstörgeräte).

Paragraph 23 (Abs.1c)
Eine Statue der Justitia
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Wirst du dabei erwischt, wie du eine App oder gar einen Radarwarner benutzt, dann drohen dir bis zu 75 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Außerdem kann die Polizei verlangen, dass du die Blitzer-App deinstallierst und ein eingebautes Radarwarngerät sogar beschlagnahmen.

Rechtlich schwierig wird es in der Praxis deshalb, weil ein Handy eben nicht nur dazu bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen. Außerdem werden in vielen Apps die Blitzer nicht als solche gekennzeichnet, sondern als Punkt von besonderem Interesse oder auch Point of Interest (POI).

So sieht die Praxis aus

Viele lassen die Blitzer-App über die Bluetooth-Funktion des Autos laufen und erhalten die Blitzwarnungen nur akustisch.

Und ohne Anfangsverdacht darf die Polizei auch nicht einfach Ihr Handy untersuchen und auf solch eine App hin überprüfen.

Jan Vorwerg, Verkehrsrechtanwalt

Und das macht die Nutzung in der Praxis doch relativ einfach.

Es ist und bleibt aber ganz klar ein Verstoß gegen die StVO.

Jan Vorwerg, Verkehrsrechtanwalt

Anders sieht es schon wieder aus, wenn du die App zu Hause im Vorfeld deiner Fahrt nutzt oder dir eventuelle Blitzer vom Beifahrer ansagen lässt, während er die App nutzt. Hinzu kommt, dass feste und mobile Blitzer auch im Radio angekündigt werden. Dazu nochmals unser Verkehrsrechtler:

Das ist eine Grauzone. Fakt ist, Sie dürfen als Fahrer das Handy im Auto nicht benutzen und noch nicht mal in die Hand nehmen.

Jan Vorwerg, Verkehrsrechtanwalt

Noch schwieriger einzuschätzen sind Apps, die vor speziellen Unfallschwerpunkten warnen. Dort stehen oft fest installierte Blitzer, eben wegen des Unfallschwerpunktes. Und vor einem Unfallschwerpunkt zu warnen, ist nicht strafbar. 

Vorsicht im Ausland

Ein Paragraphenzeichen liegt auf 500 Euro Scheinen.
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Während du bei uns also bei der Nutzung von Blitzer-Apps nicht wirklich schwere Strafen zu erwarten hast, reagieren die Behörden darauf im Ausland mitunter sehr drastisch. Am besten informierst du dich vor der Fahrt, ob du Blitzer-Apps oder Radarwarner nutzen darfst. In Belgien zum Beispiel ist die Blitzer-App kein Problem, der Radarwarner ist verboten, es drohen empfindliche Geldstrafen. In Tschechien darfst du beides nicht benutzen, im Ernstfall drohen Strafen von über 7.000 Euro. Am härtesten schlägt Luxemburg zu: Dort drohen neben saftigen Geldstrafen sogar Gefängnis von einer Woche bis zu einem Jahr. 

Tipps für die Nutzung im Ausland

Solltest du Blitzer- oder entsprechende Navi-Apps nutzen dürfen, informiere dich über die Roaming- und Datengebühren. Einige Apps funktionieren im mobilen Bereich nur, wenn du dauerhaft online bist. Achte deshalb auf einen Offline-Modus. Das spart Datenvolumen und Akkulaufzeit.   

Fazit

In der Praxis funktionieren Blitzer-Apps und Radarwarner nicht immer hundertprozentig. Nervige Umsonst-Warnungen musst du bei fast allen Systemen in Kauf nehmen. Rechtlich erlaubt ist die Benutzung bei uns in Deutschland für den Fahrer eines Autos nicht. Im Ausland drohen dir mitunter drastische Strafen. Fuß vom Gas und die Geschwindigkeitsvorschriften einhalten, das schützt dich immer noch am besten vor teuren Fahrerfotos.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 02:10 Uhr