Das bringt die neue Brückenteilzeit

23.04.2019 | 02:10 Uhr

Einen gesetzlich geregelten Anspruch auf Teilzeitarbeit gibt es schon lange. Bis letztes Jahr war die Entscheidung, weniger zu arbeiten, jedoch meist eine Sackgasse: Wer in Teilzeit gearbeitet hat und wieder zur Vollzeitbeschäftigung zurückkehren wollte, war auf den guten Willen seines Vorgesetzten angewiesen. Einen rechtlichen Anspruch, irgendwann wieder in Vollzeit arbeiten zu können, gab es nämlich nicht.

Ein Sackgassenschild
Durch die neue Regelung ist Teilzeitarbeit keine Sackgasse mehr. Bildrechte: imago/Manngold

Mit der neuen Brückenteilzeit soll es Arbeitnehmern leichter gemacht werden, für eine befristete Phase im Leben verkürzt zu arbeiten. Die Regelungen dazu wurden zum 1. Januar 2019 in das Teilzeit- und Befristungsgesetz aufgenommen. Demnach haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Recht darauf, die Arbeitszeit für mindestens ein bis maximal fünf Jahre zu reduzieren. Voraussetzung: Ihr Arbeitgeber ist ein Unternehmen mit mindestens 45 Angestellten und sie sind dort mindestens seit sechs Monaten beschäftigt. Nach dem Ende der Teilzeit kehren sie ganz automatisch zurück in ihre Vollzeitanstellung.

Der Antrag auf die Brückenteilzeit muss drei Monate vor dem gewünschten Beginn schriftlich beim Arbeitgeber eingereicht werden. Eine Begründung, warum die Arbeitszeit verkürzt werden soll, ist nicht erforderlich.

Arbeitgeber darf nicht pauschal ablehnen

Zwei Männer unterhalten sich in einer Fabrikhalle
Bildrechte: imago/Westend61

Auch wenn Arbeitgeber nicht erfreut sind, wenn Angestellte plötzlich die Arbeitszeit verringern wollen: Es ist ein Recht der Arbeitnehmer. Der Chef darf den Antrag nur aus wichtigen betrieblichen Gründen ablehnen, etwa wenn der Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Unternehmen dadurch gefährdet wären oder ihm durch die Teilzeitarbeit unverhältnismäßig hohe Kosten entstünden. Ob die Begründung des Arbeitgebers ausreichend ist, um den Antrag abzulehnen, kann notfalls gerichtlich geklärt werden. In mittelständischen Unternehmen zwischen 45 und 200 Angestellten ist es dem Arbeitgeber außerdem möglich, den Antrag auf Brückenteilzeit abzulehnen, wenn bereits einer von 15 Mitarbeitern verkürzt arbeitet. Das gilt jedoch nur, wenn einer dieser 15 Mitarbeiter wirklich in Brückenteilzeit arbeitet. Ist er in einer unbefristeten Teilzeitanstellung, so ist dies kein gerechtfertigter Ablehnungsgrund eines Brückenteilzeit-Antrags für den Arbeitgeber.

Dauer und Stundenzahl der Teilzeit genau überlegen

Im Idealfall wird der Arbeitgeber mit seinem Angestellten über den Wunsch, für eine gewisse Zeit in Teilzeit zu arbeiten, reden und mit ihm eine Vereinbarung über die genaue Arbeitszeit und die Verteilung auf die Wochentage treffen. Ist der Antrag auf Brückenteilzeit einmal genehmigt, gilt er für beide Seiten als bindend. Das bedeutet auch, dass der Arbeitnehmer in der vereinbarten Teilzeit-Phase die Arbeitszeit nicht wieder hochsetzen oder noch weiter herabsetzen kann. Einen erneuten Antrag auf Brückenteilzeit darf der Arbeitnehmer erst dann stellen, wenn er mindestens ein Jahr wieder in vollem Umfang gearbeitet hat. Daher sollte schon vor Antragstellung genau überlegt werden, wie viele Stunden die Teilzeitarbeit umfassen und wann der Wechsel wieder zurück in den früheren Arbeitsumfang erfolgen soll.

Wie sieht es mit der Bezahlung bei Teilzeit aus?

Hand mit Stift, 200-Euro-Schein und Taschenrechner
Bildrechte: imago images/blickwinkel

Wer weniger arbeitet, bekommt weniger Geld. Das ist klar. Allerdings muss der Stundenlohn auch bei der Reduzierung der Arbeitszeit gleich bleiben. Aufgrund der Steuerprogression kann es deshalb sein, dass die Gehaltseinbußen geringer ausfallen als gedacht. Das Online-Verbraucherportal "Finanztip.de" hat eine Musterrechnung angestellt:

Ein kinderloser Angestellter in Steuerklasse IV, der bislang mit seinem 40-Stunden-Job 3.000 Euro brutto verdient hat, reduziert seine Arbeitszeit auf 30 Stunden und erhält damit 2.250 Euro brutto, also 25 Prozent weniger Geld. Am Ende fällt der prozentuale Unterschied beim Netto jedoch geringer aus: Der Arbeitnehmer hat nicht 25, sondern nur 20 Prozent weniger raus. Es lohnt sich also, vorher zu berechnen, wie hoch die tatsächlichen Einbußen bei Teilzeitarbeit sind. Hilfreich ist dabei zum Beispiel der Teilzeitrechner des Bundesarbeitsministeriums.

Wie wirkt sich Teilzeit auf den Urlaubsanspruch aus?

Auch der Urlaubsanspruch in Teilzeit kann sich verringern. Es ist jedoch entscheidend, wie die Arbeitsstunden auf die Arbeitswoche verteilt sind. Wer in Teilzeit nach wie vor fünf Tage pro Woche arbeitet, hat dann immer noch die gleiche Anzahl an Urlaubstagen wie zuvor, weil sich der Urlaubsanspruch auf eine Fünf-Tage-Woche bezieht. Verteilt sich die wöchentliche Arbeitszeit jedoch auf vier oder noch weniger Arbeitstage, verkürzt sich auch der Urlaubsanspruch entsprechend. Allerdings muss ein Arbeitgeber auch nur für die Tage, an denen er arbeitet, Urlaub beantragen. Will ein Arbeitnehmer, der drei Tage pro Woche im Unternehmen ist, eine ganze Woche verreisen, müssen nur drei Urlaubstage genommen werden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 23. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2019, 02:10 Uhr

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