Ausbildung in Corona-Zeiten: Die passende Lehrstelle finden und sichern

Derzeit sind allein Sachsen noch 9100 Lehrstellen unbesetzt. Zugleich suchen noch 7300 Jugendliche nach einem Platz. Wie Du den richtigen Ausbildungsplatz findest und sicherst, erfährst Du jetzt.

Dachdecker und Koch auf einem Bild 1 min
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MDR JUMP Do 09.07.2020 11:04Uhr 01:02 min

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Das Corona-Problem

Die Herausforderung ist groß: Rund 430.000 Ausbildungsbetriebe gibt es aktuell in Deutschland. Viele von ihnen haben durch die Corona-Krise Kurzarbeit angemeldet. Es ist völlig unklar, wann die Wirtschaft wieder halbwegs normal funktioniert und Ausbildung für angeschlagene Firmen nicht noch ein zusätzliches Problem darstellt. Selbst große Dax-Konzerne wollen dieses Jahr nicht ausbilden. Ein weiteres Problem schildert Frank Vollgold, Pressesprecher der Arbeitsagentur so: "Unsere Berater konnten in den letzten Monaten nicht vor Ort also in Schulen und auf Messen mit den zukünftigen Azubis in Kontakt treten. Allein in Sachsen wissen wir von mehreren hundert Jugendlichen die bisher keine ordentliche Beratung erhalten, geschweige denn, sich registriert haben."  

Die richtigen Ansprechpartner

Jobmessen, private Berufsberater oder auch Arbeitgeber selbst können dich natürlich über Ausbildungsberufe und die Rahmenbedingungen informieren. Der sicherste und größte Berater ist nach wie vor die Arbeitsagentur. Selbst wenn im Moment persönliche Beratungsgespräche nur sehr eingeschränkt möglich sind, wirst du online und am Telefon ausführlich zu vorhandenen Ausbildungsstellen mit ihren Anforderungen und Möglichkeiten informiert. Hinzu kommt die nötige Beratung zum zeitlichen Ablauf und den Ausbildungsverträgen. Und falls die Lehrstelle doch nicht die richtige war, wirst du über eventuelle Wechseloptionen informiert. So kannst du im Netz oder per App rausfinden, welcher Beruf zu dir passt und welche Alternativen es gibt, falls du in deinem Traumjob keine Ausbildung findest.

Der Wunschberuf

Wahrscheinlich hast du einen Traumberuf. Ob der aber immer zu deinen Möglichkeiten und zur aktuellen Wirtschaftslage passt, ist ungewiss. "Wir raten den Jugendlichen dazu, sich ganz detailliert über ihren Wunschberuf zu erkundigen und auch an einen Plan B oder C zu denken. Vielleicht gibt es ähnliche Berufe oder spätere Entwicklungsmöglichkeiten, die man in Betracht ziehen sollte", rät Frank Vollgold von der Arbeitsagentur.

Die richtige Suche

Neben den entsprechenden Beratungsangeboten solltest du dich natürlich ausführlich darüber informieren, wie dein Wunschberuf in der Praxis aussieht. Dazu bieten die Arbeitsagentur  aber auch viele Arbeitgeber Videos aus dem Arbeitsalltag um einen ersten Eindruck zu bekommen. Auch über Hotlines von Industrie- und Handelskammern kannst du dich über freie Lehrstellen informieren. "Wir empfehlen den Jugendlichen aber auch immer selbst loszugehen, in Betrieben vor Ort nachzufragen und sich praktisch über ihren Wunschberuf zu informieren", so unser Experte. Wichtig: Die Arbeitsagentur unterstützt dich bei der Bewerbung auch finanziell. So werden Bewerbungskosten und auch Fahrtkosten zu Bewerbungsgesprächen zum Teil übernommen. Du musst dich nur richtig beraten lassen und informieren.

Die Zeit drängt

"Je mehr Ausbildungsplätze es gibt, desto später wenden sich die Jugendlichen an die Arbeitsagentur. Das finden wir problematisch, denn für Suche und Beratung zum richtigen Ausbildungsplatz sollten Sie sich wirklich Zeit nehmen", mahnt Frank Vollgold.  Im Normalfall ist der Beginn des Ausbildungsjahrs der 1. August oder 1. September (je nach Bundesland). Die Betriebe suchen natürlich viel früher. So kann es nicht schaden, wenn du dich schon Ende des Vorjahres informierst und beraten lässt. Vielleicht hilft ein Praktikum im angestrebten Job/Betrieb, um dir Klarheit zu verschaffen. In der aktuellen Situation solltest du so früh wie möglich mit dem entsprechenden Betrieb Kontakt aufnehmen um abzusprechen, ob und wie es tatsächlich mit einer Ausbildung läuft.

Auch später geht noch was

Bis zu einem viertel Jahr hast du nach offiziellem Ausbildungsstart noch Zeit eine Lehrstelle anzunehmen. In dieser sogenannten Nachvermittlungszeit ist es auch möglich, die Lehrstelle zu wechseln, falls du merkst, dass es so gar nicht passt.

Wenn es nicht auf Anhieb klappt

Bekommst du nach Schulabschluss in diesem Jahr keine Lehrstelle, landest du nicht automatisch auf der Straße. Die Arbeitsagentur hilft nach den Worten von Frank Vollgold auch hier weiter: "Für diese Jugendlichen gibt es dann Möglichkeiten wie ein Vorbereitungsjahr oder eine Einstiegsqualifizierung in die gewünschte Berufsausbildung. Das wird von der Arbeitsagentur finanziell unterstützt. Ansonsten bist du ohne Ausbildung ganz normal weiter über deine Familie krankenversichert.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. Juli 2020 | 10:20 Uhr

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