Drachen steigen lassen - wie du Ärger und Ordnungsgelder vermeidest

Bei Wind und Wetter raus aus dem Haus und den Drachen steigen lassen. Kann man doch eigentlich überall oder? Nix da – Drachen sind tatsächlich Luftfahrzeuge. Und dafür gibt es Vorschriften. Jetzt erfährst du, auf welche Dinge du achten solltest.

Kind mit Drachen 1 min
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MDR JUMP Do 15.10.2020 10:45Uhr 01:03 min

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Welche Drachen darfst du steigen lassen und wie hoch?

Zur Größe, also der Oberfläche des Drachens, Art, Form und Farbe gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Dazu Marco Kopelmann, Fachabteilungsleiter für Fliegende Bauten beim TÜV Thüringen: "Da gilt, dass der Lenker den Drachen beherrschen sollte. Ist die Fläche zu groß und der Lenker zu leicht, kann er bei einem kräftigen Windstoß schon mal abheben. Das liegt in Ihrer Verantwortung."  Aber: Die Länge der Drachenleine ist auf 100 Meter begrenzt. Und das ist auch die maximal erlaubte Flughöhe. Willst du höher hinaus, dann musst du bei der zuständigen Landesluftfahrtbehörde eine Höhenfreigabe beantragen. Außerdem darf die Schnur nicht ganz oder nicht teilweise aus Metall bestehen. Drachen gelten bei uns, wie erwähnt, als Luftfahrzeuge. Dafür hast du im Normalfall keine Versicherung. Deshalb warnt unser Experte: „Wenn Sie beim Drachen steigen lassen etwa Gebäude oder Autos beschädigen, müssen Sie als Drachenführer im Zweifel für den Schaden aufkommen.“ Ob Deine Haftpflicht hier einspringt solltest Du im Zweifel besser vorher erfragen. Wer höher als 30 Meter hinaus will, braucht eventuell eine Extrapolice.

Wann du aufs Feld darfst und wann nicht

Große freie Wiesen, Felder oder gar Strände sind wegen der Übersichtlichkeit optimal. Und im Prinzip darfst du in Deutschland auch private, nicht eingezäunte Flächen betreten. Aber: Werden Felder oder Wiesen gerade bewirtschaftet, dann darfst du nicht drauf und maximal die Feldwege betreten. Das gilt von der Aussaat bis zur Ernte und bei der Wiese, wenn klar erkennbar ist, dass sie als Weide genutzt wird. Kühe, Schafe und das Heu haben also immer Vorrang. Die gemähte Wiese, der große Stadtpark und ein abgeerntetes Stoppelfeld sollten hingegen kein Problem sein. Du darfst mit dem Drachen aber nicht über andere Leute fliegen und auch sonst niemanden gefährden. Ganz wichtig: Natur- und Tierschutzgebiete sind grundsätzlich tabu!

Der richtige Abstand vom Flughafen

Auch wenn es unterschiedlich kommuniziert wird:  Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand zum Flughafengelände beträgt 1,5 Kilometer. "Wer diese Entfernung unterschreitet, begeht eine verbotene Nutzung des Luftraums", warnt unser Experte. Wenn du nicht sicher bist, ob ein kleinerer Wiesenflugplatz überhaupt noch betrieben wird und welche speziellen Zusatzregelungen für den (Segel-) Flughafen in deiner Nähe gelten, wende dich an die Deutsche Flugsicherung.

Halt dich fern von Hochspannungsmasten und Co.

Nach den Vorgaben der Luftverkehrsordnung musst du mindestens 600 Meter Abstand zu Hochspannungsleitungen und Strommasten halten. "Das gilt grundsätzlich auch für Autobahnen, viel befahrene Straßen und Bahnstrecken", so unser Experte vom TÜV-Thüringen. Windräder solltest du natürlich auch meiden. Hier gebe es aber keine Verbote, so Marco Kopelmann: "Es geht ja bei den Einschränkungen um den Schutz des Nutzers oder anderer Personen. Beim Windrad geht höchstwahrscheinlich Ihr Drachen kaputt und das war´s."  Wichtig: Verfängt sich dein Drachen in einer Stromleitung, versuche unter keinen Umständen, ihn selbst zu bergen. Das ist lebensgefährlich. Informiere stattdessen schnellstmöglich den zuständigen Stromversorger beziehungsweise Netzbetreiber.

So macht Drachen steigen lassen richtig Spaß

Schon Kinder ab circa vier Jahren können mit einem sogenannten Einleinerdrachen umgehen. Die Eltern sollten beim Start helfen, aber wenn der Drachen einmal oben ist, dann geht schon viel von selbst. Kinder ab circa sechs Jahren können sich an kleinere Lenkdrachen oder Lenkmatten wagen, mit denen sind dann Figuren wie Schrauben und Loopings drin. Dabei dürfen die Drachen aber nicht so groß sein, dass sie das Kind mitziehen.  

Wenn du Handschuhe mitnimmst, vermeidest du schmerzhafte Einschnitte von der dünnen Drachenschnur.  Wichtig: Die richtige Windstärke, nämlich zwei bis drei Beaufort. Die kannst Du dir von deiner Wetter- App anzeigen lassen. Oder du achtest einfach auf die Zweige an den Bäumen, wenn die sich leicht bewegen, dann kann's losgehen. Bei Sturm bleibt der Drachen besser am Boden.

Wann der Drachen nicht fliegen darf

Zieht ein Gewitter auf, bleibt zur Sicherheit alles am Boden. Denn auch mit Kunststoffschnur kann ein Drachen zum Blitzableiter werden. Das ist lebensgefährlich für den Drachenlenker.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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