Smartphones drahtlos laden: Mit dieser Technik sind Kabel überflüssig

27.08.2019 | 02:10 Uhr

Ein Smartphone und eine Uhr. 1 min
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Umschau-Quicktipp Drahtlos laden

Drahtlos laden

MDR JUMP Di 27.08.2019 02:10Uhr 01:04 min

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Das machen Smartphone-Besitzer jeden Tag ein- oder sogar mehrmals: Sie stöpseln das Ladekabel ins Handy, um den Akku wieder aufzuladen. Das kostet Zeit, und auf Dauer leiden auch Kabelstecker und Ladebuchse am Smartphone unter der Dauerbelastung. Deutlich komfortabler klappt das Füllen des Akkus über induktives Laden. Die Technik wird häufig aber nur für teurere Smartphones angeboten. Andere Modelle lassen sich aber mit wenig Aufwand nachrüsten.

Zwei Spulen und Nähe reichen fürs Aufladen

Ein Smartphone und eine Uhr.
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Aus Laiensicht ist es nicht ganz logisch, warum die meisten Smartphones immer noch mit Kabel aufgeladen werden müssen. Die drahtlose Lösung ist deutlich komfortabler und schont zudem die Ladebuchse am Smartphone. Die kann sich nach den vielen hundert Auflade-Vorgängen pro Jahr irgendwann lockern und zählt entsprechend zu den häufigsten Schwachstellen bei gebrauchten Smartphones. Zudem ist das Drahtlos-Prinzip nicht mehr ganz neu und wird bei manchen Geräten im Haushalt schon seit Jahrzehnten genutzt. Bei elektrischen Zahnbürsten oder auch Induktionsherden etwa wird so Energie drahtlos übertragen. Das Funktionsprinzip ist einfach erklärt: Beim Smartphone wird dafür auf der Rückseite des Gerätes und in einer Ladeschale jeweils mindestens eine flache Spule verbaut. Befinden sich beide Spulen nah beieinander, kann über Induktion elektrische Energie übertragen werden.

Flache oder geneigte Ladeschale

Beim Kauf des nötigen Ladegerätes fürs drahtlose Füllen des Akkus können Smartphone-Besitzer nicht viel falsch machen. Die Hersteller der Induktionsladegeräte setzen ebenso wie Smartphone-Bauer inzwischen alle auf den Standard Qi (sprich: Tschi, chinesisch für "Lebensenergie") des Wireless Power Consortiums (WPC). Auch die Anbieter von konkurrierenden Standards wie Airfuel haben sich letztes Jahr dem WPC angeschlossen. Ein Technik-Wirrwarr wie beim Handy-Aufladen per Kabel mit den Standards Lightning, Micro-USB oder USB Type C entfällt also. Angeboten werden im Wesentlichen zwei Varianten von Qi-Ladegeräten: flache und geneigte Stationen. Auf die flachen Ladegeräte wird das Handy einfach draufgelegt und sollte dabei laut Stiftung Warentest (Test in Heft 7/2019) passgenau platziert werden.

Wenn ich das unachtsam drauflege und die beiden Spulen nicht so richtig im Kontakt sind, dann lädt das zwar. Aber dabei wird wahnsinnig Energie rausgepowert.

Peter Knaak, Stiftung Warentest

In die geneigten Ladeschalen werden die Smartphones einfach hineingelegt und rutschen dabei automatisch in eine Position, in der beide Spulen möglichst gut im Kontakt sind.

Kostet Zeit und Strom

Eine Handvoll Kabel.
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Die induktive Ladetechnik ist komfortabler als die Kabelvariante. Sie ist allerdings auch deutlich langsamer und verbraucht mehr Strom. Zudem ist die Technik auch noch hitzeanfällig. Das zeigt der aktuelle Test von Stiftung Warentest. In dem dauerte das Aufladen per Funk bei manchen Smartphones fast doppelt so lang wie mit dem Kabel. Gleichzeitig zogen die Qi-Ladegeräte fürs Befüllen des Akkus fast 50 Prozent mehr Energie als Kabel-Ladegeräte.

Im Test fiel auch auf, dass einige Ladegeräte sogar dann etwas Energie verbraucht haben, wenn sie gar nichts zu tun hatten und kein Handy drauf lag.

Peter Knaak

Zudem könnten Handyhüllen die Energieübertragung zusätzlich stören.

Wir haben es mit ein paar Hüllen ausprobiert, und da waren es fünf oder zehn Prozent mehr Zeit bzw. Energieverbrauch. Das hatten wir schlimmer erwartet.

Peter Knaak

Wer jeden Tag sein Handy drahtlos auflädt, kommt aufs Jahr gerechnet auf Mehrkosten beim Strom von maximal drei Euro. Das klingt nach nicht viel, Energieverschwendung ist es trotzdem.

Einige der Drahtlos-Ladestationen im Test waren sogar mit einem kleinen Kühler ausgestattet, den man auch von Laptops kennt. Denn die Akkus in den Handys mögen überhaupt keine Wärme und hier kommt ja noch die Wärme vom Ladegerät dazu.

Peter Knaak

Beim induktiven Laden erhitzt sich der Akku vom Smartphone im Vergleich zum Laden per Kabel noch etwas mehr. Im Test hat Stiftung Warentest festgestellt, dass an sehr heißen Tagen das Smartphone gar nicht mehr aufgeladen wurde. Für die Akkus ist das drahtlose Laden übrigens kein Problem. Die werden dadurch auch nicht mehr belastet:

Die längere Ladezeit heißt ja im Umkehrschluss, dass in den Akku weniger Strom rein gepumpt wird als wenn wir die Ladegeräte direkt anstecken, und das verlängert auf jeden Fall die Lebensdauer.

Superschnell geht nur manchmal

Nur sehr wenige Qi-Ladegeräte haben eine Schnellade-Funktion, wie sie von vielen Kabel-Ladegeräten inzwischen bekannt ist. Mit so einer Schnell-Befüllung sind manche Smartphones schon nach einer halben Stunde wieder bei 100 Prozent Akku-Leistung. Laut Computerbild beherrschen zudem nur einige Samsung-Smartphones und iPhones Schnellladen über Induktion. Damit ist es schon fast ein Glücksspiel, Smartphone und dazu passendes Ladegerät für schnelles Laden ohne Kabel zu finden. Computerbild rät übrigens, bei den Qi-Ladegeräten nicht zu sehr zu sparen: Sehr günstige Geräte zum Auflegen hätten oft nur eine einzige Induktionsspule. Damit müssen Smartphones sehr genau auf die Matten gelegt werden, um aufgeladen zu werden. Besser sind laut Computerbild Ladematten mit mehreren Induktionsspulen.

Ab Werk meist nur in einigen teureren Smartphones

Auf dem Markt gibt es bereits einige Dutzend Smartphones von Apple, Samsung, Google, LG, Sony, Nokia und Axon, die schon ab Werk mit drahtloser Ladetechnik versehen werden. Das sind allerdings in der Regel die teuren Smartphones ab 700 oder 800 Euro aufwärts. Günstige Smartphones mit Drahtlos-Funktion für 350 bis 400 Euro bieten Axon und Sony. Mit der Drahtlos-Lade-Funktion wollen die Hersteller in der Regel einen Kaufanreiz bieten, zu den teureren Smartphones zu greifen. Die dafür nötige Technik selbst ist dagegen nicht teuer.

Qi-Adapter zum Nachrüsten

Smartphones ohne induktive Ladetechnik ab Werk lassen sich mit geringem Aufwand nachrüsten. Für viele iPhones gibt es dünne Empfängerkarten, die mit der Ladebuchse verbunden und dann hinten zwischen iPhone und Schutzhülle geklemmt werden. Der Empfänger liegt dann also außerhalb des Handys. Nachteil dieser Lösung: Das iPhone muss eine Schutzhülle haben und die Spule blockiert dauerhaft die Ladebuchse. Damit kann der Lightning-Anschluss auch nicht für den Adapter für einen Kabel-Kopfhörer benutzt werden. Auch für Smartphones mit micro-USB- oder USB Type C-Ladebuchse gibt es dünne Qi-Adapter. Auch dort blockieren die Empfänger die Ladebuchse. Die Nachrüstlösungen kosten zwischen fünf und 30 Euro. Smartphones der schon etwas älteren Moto Z-Reihe von Motorola lassen sich mit einer passenden Rückseite für das induktive Laden ausrüsten. Die gibt es in der Regel aber nur noch gebraucht für um die 50 Euro. Zubehöranbieter wie Maxfield bieten für ältere Samsung-Smartphones einen dünnen Qi-Empfänger, der auf den Akku geklebt wird und somit im Handy verschwindet.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2019, 02:10 Uhr