Fakebewertungen im Netz: So erkennst du sie

Das neue Smartphone oder die Urlaubsreise ins Traumland - große Anschaffungen und Ausgaben wollen gut überlegt sein. Deshalb greifen Käufer gern auf Erfahrungen und Eindrücke anderer Kunden zurück. Doch Vorsicht: Viele Bewertungen im Netz sind gefälscht.

Warum werden Bewertungen gefälscht?

Gute Bewertungen sind bares Geld wert. Einerseits verkauft der Anbieter eines Produktes so mehr und anderseits verdienen Firmen, die Fake-Bewertungen schreiben, auch eine Menge Geld damit. Jede bezahlte Produktbewertung und Werbung muss dem Kunden eigentlich kenntlich gemacht werden. Die Praxis sieht aber leider anders aus. Und auch, wenn Händler wie Amazon oder große Reiseportale wie HolidayCheck versuchen, sich abzusichern und unseriöse Rezensionen auszusieben, eine hundertprozentige Sicherheit für durchweg seriöse Bewertungen gibt es nicht. Deshalb ist es wichtig, vor einem Kauf oder einer Buchung genau zu schauen, wie seriös die Bewertungen wirklich sind. Das gilt übrigens auch für negative Bewertungen, die oft dafür eingesetzt werden, unliebsame Mitbewerber zu verdrängen.

Wie erkennt man Fake-Bewertungen?

Wer die realen von den gefälschten Bewertungen unterscheiden will, sollte sich am besten in die Situation des Bewerters versetzten: Wie würde man selbst ein Produkt bewerten? Welche Worte würde man benutzen, was würde man mitteilen? Schnell fallen dann folgende Punkte bei einer fragwürdigen Bewertung auf:

Die Länge: Sehr ausführliche und in blumiger Sprache verfasste Bewertungen sollten einen stutzig machen. Im Normallfall loben Menschen auch in schriftlicher Form eher kurz und bündig:

Tolles Hotel, sauberer Strand, uns hat´s gefallen

Das ist glaubwürdiger als

Das Hotel hat all unsere Erwartungen deutlich übertroffen, angefangen vom traumhaften Strand über das durchweg schmackhafte Essen, bis hin zum stets freundlichen Servicepersonal.

Wenn es also eher nach Marketing als nach normaler Sprache klingt, ist Vorsicht geboten.

Hoteltesterin Nina Heinemann
Bildrechte: HolidayCheck

Die Verteilung der Sterne: Gerade Hotelbewertungen, die durchweg positiv sind, sollten aufhorchen lassen. Nirgends ist alles immer tipp-top. Besonders auffällig sind Rezensionen, in denen fast ausschließlich die volle Punkt- oder Sterneanzahl vergeben wurde und dann als vermeintlich realistischer Gegenpol ein oder zwei Bewertungen mit nur einem Stern auftauchen, weil der Zubringershuttle unpünktlich war. Der potentielle Kunde soll hierbei denken:

Na wenn's nur das ist. Das Hotel an sich ist ja top

Viel glaubwürdiger ist eine Durchmischung der Bewertungen.

Die Anzahl der Bewertungen: Alles, was erst kurz auf dem Markt ist und sehr schnell sehr viele Bewertungen erhält, sollte misstrauisch machen. Besonders gilt das, wenn viele Bewertungen an ein und demselben Tag abgegeben werden, dann wieder kurz Pause ist und dann wieder ein großer Schwung kommt. Dahinter können gekaufte Bewertungen stecken.

Die Namen der Bewerter: Tatsächliche Kunden loggen sich entweder mit einem Kürzel wie Biene67 oder ihrem richtigen Namen ein. Bei ausgedacht klingenden Namen wie Karl Karber oder Sabine Sauber könnten Profis am Werk sein.      

Gefälschte Profile: Im Verdachtsfall lohnt es sich, Profile von Bewertern genauer zu untersuchen: Was haben die sonst noch bewertet? Sind es immer die gleichen oder ähnliche Produkte? Wenn ja, könnten professionelle Schreiber dahinterstecken, die für Ihre Bewertung bezahlt werden. Wichtig ist auch, ob die Bewertung im eigenen Namen geschrieben wurde oder vom Onkel oder der Cousine die Rede ist, welche die Reise oder das Smartphone besonders toll fanden.

Online-Bewertungen
Bildrechte: Colourbox

Vorsicht vor Testkäufern oder Produkt-Fanclubs: Die bekommen die Produkte oftmals umsonst von den Herstellern zur Verfügung gestellt und können sie behalten. Fraglich, ob diese Produktbewertungen dann auch ehrlich sind. Gleiches gilt vor allem für Produkttester bei Plattformen wie YouTube, die zum Kauf des Produktes gleich über einen speziellen Link animieren, die Tester verdienen meist an jedem über diesen Link verkauften Produkt bis zu zehn Prozent mit. Auch hier ist keine neutrale Bewertung zu erwarten.

Software und Verifizierungen können helfen

Speziell Rezensionen auf Amazon lassen sich auf Internetseiten wie reviewmeta.com oder fakespot.com auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüfen. Dazu kopiert man den Link des bewerteten Produktes auf die Seiten der Anbieter. Eine Software berechnet und stellt im Ergebnis dann dar, wie viele der Bewertungen höchstwahrscheinlich gefälscht sind und wie die Summe der Bewertung ohne diese Fakes aussehen würde, also die bereinigte und ungeschönte Wahrheit. Außerdem helfen Händler ihren Kunden, indem Sie Bewertungen von verifizierten Käufern besonders hervorheben. Der Bewerter hat das Produkt also tatsächlich auch gekauft.

Spezialfall Hotelbewertung

Plakette Hotelsterne der DEHOGA
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Produkt, das falsch bewertet wurde, kann im Ernstfall zurückgeschickt werden. Das schlechte Hotel bemerkt man meist erst vor Ort. Im Vorfeld eines Urlaubs ist es daher umso wichtiger, die Bewertungen auf Portalen wie HolidayCheck oder Tripadvisor zu prüfen.  Dabei versuchen die Portale schon von sich aus, mit spezieller Software und Mitarbeitern, möglichst viele Bewertungen zu checken und Fakes auszusortieren. Das gelingt aber nicht in jedem Fall. Deshalb sollte der Urlauber auf jedem Portal immer eine gesunde Portion Misstrauen haben.

Grundsätzlich hilft es, eher den negativen Bewertungen Glauben zu schenken, am besten, wenn diese mit Bildern belegt sind. Positive, besonders ausschweifenden Bewertungen, könnten gefälscht sein. Wer macht sich schon die Mühe, nach dem Urlaub in allen Einzelheiten zu beschreiben, welches Buffet besonders köstlich war? Wenn möglich, sollte man sich die Bewertungen vom Hotel auf unterschiedlichen Seiten anzuschauen: Stimmen die positiven oder negativen Bewertungen überein? Gute Portale lassen sich außerdem über einen Buchungsnachweis von den Bewertern bestätigen, dass diese die Reise auch wirklich unternommen haben. Das wird in den Portalen dann speziell ausgewiesen. Solche Bewertungen sind sehr glaubhaft.

Um ein Hotel, seine Lage und eventuell auch die Ausstattung zu überprüfen, helfen Karten und Satellitenbilder aus dem Netz. Damit lässt sich leicht überprüfen, ob die Nähe zum Meer tatsächlich gegeben ist oder wie weit die nächste größere Stadt entfernt ist.

Bewertungen, denen man trauen kann

Tester und Verbraucherberater wie Stiftung Warentest, Ökotest oder die Verbraucherzentralen arbeiten unabhängig, wissenschaftlich und professionell. Deren Urteile und Bewertungen sind zuverlässig. Wer wirklich einen Überblick über ein Produkt haben will, sollte möglichst unterschiedliche Bewertungs- und Testportale besuchen und auf sein gesundes Bauchgefühl vertrauen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. November 2021 | 11:45 Uhr

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