Freiwillige Feuerwehr – Mitglied werden, Regeln und Aufgaben

Rund 30.000 Männer und Frauen arbeiten in Deutschland in einer Berufsfeuerwehr. Fast eine Million Menschen engagieren sich in Freiwilligen Feuerwehren. Einen großen Teil der Feuerwehraufgaben wie Brände löschen oder Verletzte nach Unfällen retten, stemmen also Menschen in ihrer Freizeit. Um die vielen Aufgaben zu schaffen, suchen Freiwillige Feuerwehren immer geeigneten Nachwuchs: Kinder und Erwachsene.

Wie finde ich heraus, ob die Freiwillige Feuerwehr etwas für mich ist?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Jede Kommune stellt ihre eigene Feuerwehr auf. Daher gebe es auch viele verschiedene Einstiegsvarianten, sagt Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Eins sei aber bei allen Wehren gleich: Sie gingen sehr offen mit allen um, die Interesse zeigen.

Frank Hachemer, Präsident des rheinland-pfälzischen Landesfeuerwehrverbandes und Vize bim Deutschen Feuerwehrverband
Bildrechte: Rico Thumser/DFV

Dann kann man zum Beispiel mal mitkommen und schauen, was die Feuerwehr vor Ort bei Übungsdiensten macht. Oder bei Schulungen und Ausbildungen. Das ist dann auch völlig unverbindlich und ohne, dass man sich in irgendeiner Weise verpflichtet.

Zudem veranstalteten die Feuerwehren regelmäßig Tage der offenen Tür, um mögliche Neumitglieder für ihre Aufgaben zu begeistern. Karsten Utterodt, Verbandsvorsitzender des Thüringer Feuerwehr-​Verbands (ThFV) sagt:

Karsten Utterodt, Pressesprecher Thüringer Feuerwehrverband
Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

In der Regel werden in den Jugendfeuerwehren und Einsatzabteilungen zwei bis drei Schnupperausbildungen angeboten. Damit man die Leute kennen lernt und sich über den Zeitaufwand und die Aufgaben informieren kann.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Grundsätzlich erst mal gar keine, sagen unsere beiden Experten. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Menschen mit Behinderung, Männer, Frauen, durchtrainiert oder nicht so fit: Alle könnten bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen und für jeden würde dann auch eine Aufgabe gefunden. Frank Hachemer vom DFV sagt:

Wenn es darum geht, schweres Gerät in ein Gebäude zu bringen und Leute da rauszubringen, da braucht man schon ein paar körperliche Voraussetzungen, die nicht jeder hat. Aber es gibt auch andere Aufgaben, etwa bei der Einsatzleitung oder die ganze Kommunikation, die auch eine wichtige Rolle bei der Feuerwehr spielt.

Ein paar Vorschriften gebe es für den Einsatz in den Freiwilligen Feuerwehren aber, sagt Karsten Utterodt vom ThFV:

Die ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen dürfen nur Einsatzdienst leisten, wenn sie dazu geistig und körperlich in der Lage sind. Für besondere Tätigkeiten, etwa Atemschutzgeräteträger, sind spezielle regelmäßige Tauglichkeitsuntersuchungen und Belastungsübungen erforderlich.

Ab einem Alter von 60 Jahren muss mit einem Attest vom Arzt nachgewiesen werden, dass die Feuerwehraufgaben geschafft werden können.

Wie viel Zeit muss man für die Freiwillige Feuerwehr mitbringen?

Die Ausbildung und die Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr kosten Zeit. Die sollten Interessenten auch verlässlich Woche für Woche investieren wollen. Schließlich müssen sich alle anderen in der Wehr und auch die Gemeinden auf sie verlassen können. Wie groß der Zeitaufwand ist, hängt vom eigenen Alter und von den Aufgaben ab und auch davon, ob man oder frau sich für spezielle Tätigkeiten ausbilden lässt. Bei Jugendfeuerwehren etwa werde meist bis anderthalb Stunden pro Woche geübt, sagt Karsten Utterodt:

Die Grundausbildung in der Einsatzabteilung ist Voraussetzung für die Teilnahme an Einsätzen. Sie ist bundeseinheitlich geregelt und dauert mindestens 70 Stunden, meist auf mehrere Wochenenden verteilt.

In der Grundausbildung lernen angehende Feuerwehrleute alle rechtlichen Grundlagen. Wie sie Verletzten helfen, wie die nötigen Geräte und Fahrzeuge funktionieren und wie sie sich bei Gefahren und Unfällen richtig verhalten.

Danach folgen 16 Stunden Ausbildungen im Sprechfunk, 25 Stunden für Atemschutzgeräteträger und 80 Stunden für die Truppmann-Ausbildung Teil 2.

Damit können dann bestimmte Aufgaben in einem Trupp selbstständig übernommen werden. Auch später, als Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr, sind regelmäßige Übungen Pflicht:

In der Regel werden wöchentliche oder vierzehntägige Ausbildungen an den Standorten durchgeführt. Die dauern meist um die zwei Stunden. Im Jahr sollen mindestens 40 Stunden Ausbildung in den Feuerwehren durchgeführt werden.

Dazu kommt noch die Zeit für die Einsätze und die ist nicht planbar. Das klingt nach viel. Auf der anderen Seite bekämen Mitglieder der Wehren auch immer etwas zurück, finden beide Experten. Karsten Utterordt sagt:

Man hat dann ein Netzwerk und immer jemand, wenn man selbst mal Hilfe oder Rat braucht. Man lernt viele neue Sachen und kann manchmal auch den LKW-Führerschein machen. Und man hält natürlich die Dorfgemeinschaft lebendig!

Frank Hachemer sagt:

Es gibt wenige, noch sinnvollere Tätigkeiten, mit denen man sein Leben gestalten kann. Und deshalb ist das natürlich eine ganz tolle, wichtige Sache auch für einen selber. Das ist also nicht ganz uneigennützig!

Welche Aufgaben übernehmen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr?

Alle, die einem zuerst beim Wort Feuerwehr einfallen: Brände löschen, Sturmschäden beseitigen, Ölspuren entfernen und vollgelaufene Keller oder Unterführungen auspumpen. Zudem sind die Feuerwehren auch für andere technische Aufgaben zuständig, sagt Frank Hachemer:

Wir werden etwa bei Verkehrsunfällen gerufen, wenn Personen in einem Fahrzeug eingeklemmt sind. Die Feuerwehr hat dann die Rettungsscheren, um die daraus zu befreien. Das sind unter Umständen auch belastende Szenen, die man da erleben muss. Das ist schon besonders.

Dazu kommen noch Aufgaben, mit denen Laien nicht unbedingt rechnen: Feuerwehren werden für die Tierrettung angefordert, bei Arbeiten in Höhen und um Rettungsdienste und Polizei zu unterstützen. Auch für die Brandschutzausbildung ist die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz.

Müssen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr immer einsatzbereit sein?

Grundsätzlich gibt es die Pflicht zur Hilfeleistung und eine 24-Stunden-Zufallsbereitschaft bei den Wehren. Schlägt der Meldeempfänger am Gürtel oder die App auf dem Smartphone Alarm, kommen alle, die einsatzfähig sind. Karsten Utterodt sagt:

Nach Genuss von Alkohol ist ein Einsatz nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Für Führungskräfte und Maschinisten gelten Null Promille und alkoholisierte Kräfte sollten aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht im Gerätehaus erscheinen.

Auch besondere Situationen im Beruf könnten einen Einsatz verhindern, sagt Frank Hachemer:

Wenn ich etwa eine Lehrveranstaltung habe mit 25 Teilnehmern und kann die nicht einfach allein lassen. Oder ich stehe an einer Maschine, die nicht einfach so mit einem Not-Aus-Knopf ausgeschalten werden kann.

Der Arbeitgeber darf den Einsatz übrigens nicht verhindern. Auch wenn vielleicht Kollegen einspringen müssen oder bestimmte Arbeiten liegen bleiben.

Die Landesgesetze zum Brandschutz enthalten alle entsprechende Regeln dafür, dass Arbeitgeber das eigentlich nicht dürfen. In der Realität ist dann aber nicht immer so einfach. Und ich habe auch schon erlebt, dass Kollegen einem das Leben schwer machen können.

Wie sind Freiwillige Feuerwehrleute abgesichert?

Die Schutzausrüstung wird durch die Gemeinden oder den Landkreis unentgeltlich gestellt. Gegen Unfälle sind Angehörige in den Wehren gesetzlich versichert. In Thüringen und Sachsen-Anhalt ist dafür beispielsweise die Feuerwehr-Unfallkasse Mitte zuständig. Karsten Utterodt sagt:

Darüber hinaus sollen die ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen von der Gemeinde zusätzlich gegen Dienstunfälle versichert werden. Diese Versicherung muss sich auch auf Feuerwehrangehörige erstrecken, die nicht Arbeitnehmer sind.

Wer bei einem sehr belastenden Einsatz an oder über die eigenen psychischen Grenzen komme, werde unterstützt. So haben die Feuerwehren inzwischen selbst Mitglieder, die für die Betreuung von Kameraden in Ernstfällen geschult sind. Thüringen hat eine Anlaufstelle für Freiwillige Feuerwehrleute eingerichtet:

Es gibt ein Angebot der Landeszentralstelle für psychosoziale und seelsorgerliche Notfallversorgung für Einsatzkräfte, welches jederzeit einsatzbereit ist und genutzt werden kann.

In Sachsen hat der Landesfeuerwehrverband Einsatznachsorge-Teams (ENT) aufgestellt, die Kameraden nach sehr fordernden Einsätzen helfen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. Juli 2021 | 11:45 Uhr

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