Wintersachen mit Heizung: Funktionieren die?

05.02.2019 | 11:00 Uhr

Paar rodelt auf verschneiter Straße 1 min
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MDR JUMP Mi 06.02.2019 10:45Uhr 01:11 min

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Mollig warm statt zitternd und frierend bei Eis und Schnee: Damit werben die Hersteller von beheizbarer Winterkleidung. Die kostet spürbar mehr als herkömmliche Wintersachen. Wir sagen, was die Spezialkleidung wirklich kann und welche mit Heizung ausgestatteten Teile wirklich ihr Geld wert sind.

Diese Wintersachen gibt es mit eingebauter Heizung

Angefangen hat alles mit klobigen Einlegesohlen für Schuhe und kleinen Handwärmern mit einem Kohlestückchen im Inneren. Auch heute noch gibt es solche Helfer mit einem Kohlepulvergemisch, das bei Kontakt mit Sauerstoff Wärme erzeugt. Das steckt man sich in Jackentasche oder Schuhe und schon wird es dort warm. Manche erzeugen durch eine Kristallisationsreaktion die Wärme und sind wiederverwendbar. Gabi Todt, Expertin für Sporttextilien bei der Firma INTERSPORT Gü Sport sagte MDR JUMP:

Sie können diese Produkte oft nur einmal benutzen und die Wärme nicht regulieren. Das kann dann beim direkten Kontakt auf der Haut mitunter richtig heiß werden.

Elektrisch beheizte Kleidung ist da wesentlich komfortabler: Einlegesohlen, Socken und Handschuhe werden am meisten verkauft. Es gibt aber auch Unterwäsche und hier besonders Unterhemden, die beheizt werden können. 

So funktioniert die eingebaut Heizung

In Socken und Co. sind kleine Heizelemente eingenäht, die mit leistungsfähigen Akkus verbunden sind. Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg sagte MDR JUMP:

Über den Strom, der im Akku dort verbraucht wird, Wärme erzeugt und damit soll sozusagen die Kälte abgehalten werden von dem, der das trägt.

Die Akkus halten je nach Gebrauch und Einsatzort bis zu zehn Stunden. Ein ganzer Tag auf der Skipiste wäre damit also kein Problem. Allerdings kommt es sehr darauf an, wie kalt die Umgebung ist und welche Heizleistung man abruft. Gabi Todt sagte:

Im Normalfall können Sie die Wärme über kleine Knöpfe in Stufen einstellen.

Ein Mann trägt ein Paar Ski auf der Schulter
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Es gibt auch schon die Möglichkeit, die Wärme per Handy und App zu regulieren. Mittels USB-Kabel oder mitgeliefertem Ladekabel werden die meisten Akkus geladen. Spezielle Unterwäsche und auch manche Socken heizen über ein Geflecht von eingenähten, sehr feinen Silberfäden. Hier spüren die Träger kaum etwas von eingebauten Heizelementen. Die Hersteller jedenfalls versprechen komfortable Trageeigenschaften.

Was du für gute Produkte ausgeben müssen

Einmal zu verwendende Heizelemente zum Einlegen in Handschuhe oder Schuhe kosten pro Paar ab rund einem Euro. Spezielle beheizbare Kleidung kostet deutlich mehr. Dafür kannst du die Socken und Handschuhe aber auch über Jahre tragen. Gabi Todt sagte:

Man muss bei Socken und Einlegsohlen mit Preisen ab 50 bis 60 Euro rechnen. Für gute Skihandschuhe sind dann schon rund 200 Euro fällig.

Hochwertige, beheizbare Unterwäsche kostet um 100 Euro pro Hemd oder Hose, gleiches gilt für beheizbare Westen. Es empfiehlt sich, eher hochwertige Produkte zu kaufen. Die halten einfach länger und versprechen einen größeren Tragekomfort.

Für wen könnte sich das lohnen?

Aus Sicht von Gabi Todt sind die beheizbaren Sachen vor allem etwas für Skilehrer oder Arbeiter, die den ganzen Wintertag im Freien sind.

Aber auch bei Menschen, die sehr schnell unter kalten Fingern oder Füßen leiden oder eine Durchblutungsstörung haben, können solche Sachen helfen.

Skifahrer
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Auch bei Rückenschmerzen oder Verspannungen können besonders beheizbare Hemden oder Strumpfhosen helfen und Linderung verschaffen.  

Wie alltagstauglich sind die Wintersachen mit Heizung?

Je nach Hersteller und Preis sind die Sachen unterschiedlich leicht zu reinigen. Gabi Todt sagte:

Bei den meisten Produkten müssen Sie beim Gebrauch im Gegensatz zu normaler Kleidung keine Abstriche machen. Die Machart wurde in den letzten Jahren doch sehr verfeinert. Sie können die Sachen also ganz normal benutzen.

Beheizbare Einlegesohlen für Winter- oder Skischuhe können in der Regel auf Ihre Größe angepasst werden. Die Akkus lassen sich leicht über Nacht aufladen. Nutzer sollten allerdings drauf achten, die Akkuladezeit von sechs bis acht Stunden nicht zu überschreiten. Im Zweifel ist ein zweiter Akkusatz sinnvoll. Für den Winterurlaub gibt es also keine Einschränkung zu erwarten. Nutzen solltest du die Heizung nur, wenn es dir wirklich kalt wird. Bei Dauergebrauch wirst du nämlich immer kälteempfindlicher und den Akkus fehlt im Ernstfall später die Power.

Waschen und Reinigen

Auch bei der Reinigung sieht INTERSPORT-Expertin Todt keine Probleme:

Man kann die Sachen in der Regel ganz normal reinigen und teils auch in der Maschine waschen.

Wichtig sind aber bei jedem Produkt die Waschanleitung, beziehungsweise die Reinigungstipps. Dort steht genau, ob die Sachen per Hand oder auch per Maschine gewaschen werden können. Sollte eine Maschinenwäsche möglich sein, müssen vorher die Heizelemente und die Akkus raus. Grundsätzlich solltest du dafür sorgen, dass elektrische Komponenten nicht mit Wasser in Berührung kommen. Wichtig bei Sachen mit stromführenden Gewebe und Sachen, bei denen die Passform entscheidend ist: Trockne diese Sachen nicht auf der Heizung oder in der prallen Sonne. Das könnte das Material beschädigen und die Form verziehen. Einlegesohlen reinigst du am besten mit einem feuchten Tuch, nie direkt mit Wasser. Grifffestigkeit und Form könnten leiden.

Der richtige Gebrauch

Maximale Wärme und Heizdauer garantieren nur vollständig geladene Akkus. Im Winter achtest du logischerweise von selbst darauf. Wichtig ist aber auch, die Akkus im Sommer ungefähr einmal im Monat zu laden. Entladen die sich nämlich vollständig, verlieren sie Ladekapazität und das spürst du dann im Winter. Tristan Jorde sieht noch ein weiteres Problem:

Gerade wenn ich dieses Kleidungsstück zum Beispiel im tiefen Winter verwende, ist ja eine der Grundweisheiten,  dass die Akkus bei tiefen Temperaturen nicht sonderlich gut funktionieren. Und das zweite kann sein, dass die sich aufblähen oder sogar Feuer fangen, wenn die unsachgemäß geladen werden.

Achte beim Kauf der Handschuhe und anderer Kleidung darauf, dass sie sich auch mit kalten Fingern bedienen lassen: Akku anschließen, Heizstufe wählen zum Beispiel. Die Transporttaschen für Akkus und Ladegerät sollten stabil und wasserdicht sein.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2019, 15:38 Uhr