Nur diese Versicherungen sind wichtig – Gut und günstig abgesichert

In Deutschland gibt es für fast jedes denkbare Risiko Absicherungen. Die kosten monatlich Geld und nicht alle lohnen sich am Ende für die Versicherten. Wir geben einen Überblick, welche Versicherungen wirklich wichtig sind.

Private Haftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung

Alles absichern, was man im Ernstfall nicht selbst finanziell stemmen kann. Für alle anderen Fälle Geld auf einem extra Konto ansparen. So in etwa lässt sich zusammenfassen, was Verbraucherschützer und Versicherungsexperten zu einer guten Absicherung raten. Julia Rieder vom unabhängigen Geldratgeber Finanztip sagt:

Julia Rieder
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Eine Haftpflichtversicherung ist auf jeden Fall ein absolutes Muss und die ist auch sehr günstig. Einen guten Vertrag bekommt man schon für unter fünf Euro im Monat.

Fahrrad liegt am Boden, im Hintergrund wird ein Verletzter versorgt
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Die Privat-Haftpflicht-Versicherung zahlt für Schäden, die man anderen zufügt. Die können schnell in die Hunderttausende gehen, wenn jemand etwa nach einem Fahrradunfall lebenslange Unterstützung braucht. Wer das Geld nicht hat, bekommt im schlimmsten Fall ein Leben lang nur ein Gehalt bis zur gesetzlichen Freigrenze. Alles andere geht an die geschädigte Person. Auf der kurzen Liste der "Muss man haben"-Versicherungen steht auch die Berufsunfähigkeitsversicherung: Bei dieser Police wird eine monatliche Summe gezahlt, wenn jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Zahlung soll dann die Lücke abdecken, die zwischen der gesetzlichen Erwerbsunfähigkeitsrente und dem bisherigen Gehalt entsteht. Geschätzt jeder vierte Deutsche braucht die Police im Laufe seines Lebens.

Der Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung hängt vom Beruf ab, vom Alter beim Abschluss der Versicherung und auch von der Gesundheit. Dafür muss man mit mindestens fünfzig Euro pro Monat rechnen.

In den letzten Wochen gab es Meldungen dazu, dass an Covid-19 Erkrankte möglicherweise bei manchen Anbietern keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr abschließen können. Alles Wichtige dazu gibt es hier im Überblick bei Finanztip.

Hausratversicherung: Welche Möbel, welche Technik hat man schon?

Eine Hausratversicherung zählt aus Sicht unserer Expertin nicht zu den "allernötigsten" Absicherungen. Sie ist in der Regel dann sinnvoll, wenn man eine eigene Wohnung oder ein Haus hat. Wer dann schon einen großen Teil des Einkommens in Möbel oder Elektrogeräte investiert hat, kann die nach einem Feuer oder einen Wasserschaden möglicherweise nicht aus eigener Tasche ersetzen. In solchen Fällen ist die "Hausrat" ein sinnvoller Schutz.

Der Preis für eine Hausratversicherung hängt vom Wohnort ab und auch davon, wie teuer eben der Hausstand ist. Über den Daumen gepeilt kommt man bei einer mittelgroßen Wohnung mit fünf Euro pro Monat hin.

Zudem schreiben manche Vermieter diese Versicherung beim Abschluss eines Mietvertrages vor.

(Meist) überflüssiger Schutz: Geräteversicherung, Reisegepäckversicherung, Brillenversicherung

Viele lassen sich beim Kauf eines neuen Elektrogeräts oder einer Brille oder auch beim Buchen eines Urlaubs überzeugen, gleich eine passende Versicherung mit abzuschließen. Diese Policen kosten meist nur wenige Euro. Aber auch diese kleinen Summen sind aus Sicht von Verbraucherschützern und Versicherungsexperten meist "rausgeworfenes Geld". Sie kritisieren, dass die Versicherer oft nur unter bestimmten Bedingungen und auch nur bis zu einer festgelegten Höchstgrenze zahlen.

Bei den Brillenversicherungen ist es oft so, dass die Erstattung auf wenige Hundert Euro gedeckelt ist und das teilweise auch nur alle paar Jahre möglich ist. Wenn man sich dann mal durchrechnet, was man für die Versicherung zahlt – dann bekommt man im Ernstfall oft nur wenig mehr raus, als man insgesamt eingezahlt hat.

Auch bei den bei vielen sehr beliebten Zahnzusatzversicherungen sollte man sehr genau im Kleingedruckten nachlesen.

Wenn man die abschließt, zahlt die in den ersten Jahren wirklich nur eine sehr begrenzte Summe. Das heißt, man muss oft ein paar Jahre warten, bis man wirklich ein teures Implantat erstattet bekommt. Zudem bleibt in der Regel ein Eigenanteil, den man zahlen muss. Bei aus unserer Sicht guten Tarifen bleibt noch ein Eigenanteil von zehn bis 20 Prozent.

Finanztip-Expertin Rieder rät, das Geld für solche eher unnötigen Versicherungen besser auf einem extra Konto zu parken.

Dann zahle ich den Betrag, den ich monatlich für die Absicherung bezahlen würde, auf das Konto ein. Der Vorteil ist: Wenn etwa die Brille kaputt geht, hab ich Geld gespart und kann eine neue bezahlen. Und wenn die Brille nicht kaputt geht, kann ich mir vom gesparten Geld was Schönes kaufen.

Bei einer Versicherung dagegen gibt es die eingezahlten Beträge nicht zurück.

Erste Arbeit, erstes Kind, erstes Haus

Unsere Expertin empfiehlt, alle zwei Jahre die eigenen Versicherungen wenigstens kurz einmal zu überprüfen.

Im Laufe der Zeit ist es so, dass sich die Konditionen bei den Versicherungen häufig verbessern und auch die Preise sinken.

Eine Kündigung für Arbeitsplatz oder Abonnement in deutscher Sprache
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Dann lässt sich möglicherweise mit einem Versicherungswechsel einiges sparen. An der Stelle können Versicherte zudem prüfen, ob sie manche Policen nicht mehr brauchen und besser kündigen. Dazu gehört vielleicht die Auslandsreise-Krankenversicherung vom letzten Urlaub, die in den nächsten Jahren möglicherweise nicht mehr gebraucht wird. Ziehen Paare zusammen, haben sie zudem oft unnötige Mehrfachversicherungen. Das sind häufig Hausratversicherungen oder auch ein doppelter Rechtsschutz. Den Versicherungscheck empfehlen Verbraucherschützer immer auch dann, wenn sich an der Lebenssituation etwas ändert. Das kann die erste gemeinsame Wohnung sein, für die dann eventuell die Hausratversicherung nötig wird. Frisch gebackene Eltern können überlegen, ob sie eine Risiko-Lebensversicherung und eine Kinderinvaliditäts- oder Unfallversicherung brauchen. Neu-Hauseigentümer sollten sich um eine Wohngebäudeversicherung und eventuell eine Elementarschadensversicherung kümmern.

Wichtig ist, bevor man eine Versicherung abschließt: Zeit nehmen und wirklich gut informieren. Brauche ich die Versicherung, was ist bei dieser Versicherungsart wichtig und was macht einen guten Vertrag aus? Auf welche Merkmale sollte man achten und welche Tarife sind empfehlenswert.

Dazu gibt es etwa bei Finanztip umfangreiche Ratgeber. Auch die Verbraucherzentralen vor Ort beraten.

Hilfe vom Profi

Wer sich zu Versicherungen beraten lassen will und auch eine Police abschließen will, hat mehrere Möglichkeiten: Es gibt Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler und Versicherungsberater oder auch "Honorarberater". Versicherungsvertreter kennen die meisten. Da kommt dann jemand von der Versicherungsagentur vorbei, die es im Dorf oder der Nachbargemeinde gibt oder im Stadtviertel.

Das ist im Grunde genommen ein Vertreter, der an ein bestimmtes Versicherungsunternehmen gebunden ist. Der wird mir eben auch nur Verträge von diesem Anbieter anbieten. Und es kann natürlich sein, dass ein ganz anderer Versicherer für mich ein viel besseres oder vielleicht auch viel günstigeres Angebot hat. Dann bekommt man eben keinen wirklichen Marktüberblick.

Ein Versicherungsmakler hat Versicherungsangebote verschiedener Unternehmen im Angebot und kann entsprechend einen weiteren Überblick geben.

Da sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass der Makler eben auch von den Provisionen für den Verkauf von Versicherungen lebt. Der hat also wenig Anreiz, mir vom Abschluss einer Versicherung abzuraten. Insofern sollte man da auch vielleicht ein bisschen kritisch bleiben.

Versicherungsberater werden vom Kunden bezahlt. Sie beraten dafür aber eben auch unabhängig, so Finanztip. Das Honorar muss gezahlt werden, egal ob eine Versicherung abgeschlossen wird oder nicht. Das klingt nur beim ersten Hinhören nach einer teuren Variante: Bei einer guten Beratung sparen Versicherte eventuell sogar, weil die passende Versicherung auf lange Sicht unter Umständen günstiger ist als eine teure und weniger passende Police.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 25. Juni 2021 | 11:45 Uhr

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