Instagram, YouTube & Co.: Geld verdienen mit Social Media

21.03.2019 | 02:10 Uhr

Junge Frau in Pose, lässt sich von einer Freundin mit Smartphone fotografieren 1 min
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MDR JUMP Do 21.03.2019 02:10Uhr 01:11 min

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Vor allem für Jugendliche ist Influencer der neue Traumberuf. Ab und an ein Foto auf Instagram, ein paar Videos auf YouTube und schon verdient man damit genügend Geld, um davon leben zu können – das zumindest denken viele. Doch um mit Social Media sein Leben zu finanzieren, braucht es ein gutes Konzept, technisches Know How, viel Ausdauer, Aktivität und Leidenschaft.

Blog mit Schriftzug I'm Influencer
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Instagram, YouTube und Facebook – das sind derzeit die führenden Plattformen, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Die Nutzer, die mit Werbeaktionen Geld verdienen, werden Influencer genannt – Menschen mit besonderem Einfluss also. Und der Name ist keineswegs übertrieben: Eine Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) aus dem November 2017 ergab, dass sich vor allem die junge Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren von den Social-Media-Stars beeinflussen lässt. Jeder sechste deutsche Online-Nutzer in diesem Alter kaufte damals bereits Produkte, die er zuvor bei einem Influencer gesehen hatte. Tendenz: vermutlich steigend, wie eine weitere Umfrage des BVDW von Ende 2018 zeigt. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, die auf Social-Media-Marketing setzen, gab an, im Jahr 2019 mehr Geld für Werbung über diese Plattformen auszugeben. Der Grund: Werbung durch Influencer wird gemeinhin als besonders glaubwürdig angesehen, die Werbekosten sind meist geringer als beispielsweise bei TV-Spots und mit der Produktplatzierung durch Influencer wird sehr zielgenau ein ganz bestimmtes Publikum angesprochen.

Der eigene Social-Media-Kanal als Werbefläche

Um Geld mit Social Media zu verdienen, muss man sich selbst als Werbefigur vermarkten. Dessen muss man sich bewusst sein und vorher für sich abwägen, wie viel Privatleben auf den Kanälen gezeigt werden soll. Klar ist: Influencer, die viel von sich preisgeben und beispielsweise auch ihre Kinder auf den Fotos und Videos offen zeigen, sind als Werbepartner meist erfolgreicher und interessanter.

Eine der verbreitetsten Methoden zum Geldverdienen ist, Kooperationen mit Unternehmen einzugehen und Produktplatzierung zu betreiben. Das heißt, der Influencer bekommt Geld dafür, dass er bestimmte Produkte in Bildern oder Videos zeigt, in den begleitenden Texten darüber schreibt und auf den Hersteller hinweist.

Auch möglich ist das so genannte Affiliate Marketing: Dabei wird ein bestimmtes Produkt beworben. Über einen Link kommt der Nutzer dann auf eine Seite, auf der das Produkt gekauft werden kann. Derjenige, der den Link auf seinem Profil angelegt hat, bekommt dann pro Klick und Kaufabwicklung eine Gewinnbeteiligung für das Produkt. Das funktioniert vor allem bei YouTube und Facebook gut. Bei Instagram ist Affiliate Marketing schwieriger, weil die Plattform keine klickbaren Links im Text ermöglicht. Lediglich in der Beschreibung des Profils darf ein Link gesetzt werden.

YouTube und Facebook ermöglichen außerdem, Anzeigen und Werbeflächen zu schalten. Bei YouTube müssen Werbeeinblendungen in den eigenen Videos beantragt werden, bei Facebook kann man sich Texte, Bilder oder Videos einbinden lassen. Und: Bei allen Plattformen gibt es die Möglichkeit, in den Genuss von geldwerten Vorteilen zu kommen, wenn Unternehmen Produkte für die Bewerbung kostenlos zur Verfügung stellen und verschenken oder auf exklusive Veranstaltungen einladen.

Planung ist wichtig: Thema finden und Know How aneignen

Wer mit Social Media erfolgreich sein will, braucht einen ganz konkreten Plan – vergleichbar mit einem Business Plan für ein eigenes Unternehmen. Besonders wichtig ist, sich auf ein Thema festzulegen, über das regelmäßig berichtet werden soll. Im Idealfall ist es etwas, wofür man sich besonders interessiert, was schon immer ein Hobby oder Herzensthema war und wofür man auch regelmäßig Fotos oder Videos liefern kann. Das kann der Alltag mit Baby sein, das Reisen mit Wohnwagen, es kann um Fitness, Garten, Schminktipps, Ernährungstrends oder Tierthemen gehen. Wichtig ist, dass man selbst für das Thema brennt und sich damit auskennt.

Blick auf Smartphon mit Instagram-App
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Gut ist auch, sich zu überlegen, wie die Fotos, Videos und Textbeiträge gestaltet sein sollen. Ein eigener, wiedererkennbarer Stil ist von Vorteil. Generell sollte technisches Know How vorhanden sein: Für Instagram ist es wichtig, gute Fotos zu machen und das Bild entsprechend zu arrangieren, für YouTube sollte man wissen, wie man Videos schneidet. Sich vor der Kamera zu präsentieren, zu sprechen und einen guten Schreibstil für die Texte zu haben, ist ebenfalls sehr hilfreich.

Langer Atem und viele Anhänger nötig für Erfolg

All das nützt trotzdem nichts, wenn man für seine Social-Media-Kanäle nicht genug Anhänger, so genannte Follower, findet. Die Reichweite der Fotos, Texte und Videos ist extrem wichtig für Unternehmen, wenn es darum geht, ob eine Werbekooperation geschlossen wird. Die Follower-Zahlen sollten vierstellig, besser fünfstellig sein, damit Werbekunden das Profil attraktiv finden. So zeigt die BVDW-Studie, dass viele Unternehmen am liebsten mit Influencern zusammen arbeiten, die sich auf ein Nischenthema festgelegt haben oder bis zu 50.000 Follower haben. Die großen Stars der Branche mit ihren riesigen Accounts sind mittlerweile zu teuer als Werbepartner. Dennoch: Auch fünfstellige Anhängerzahlen müssen erst einmal erreicht werden. Um auf diese Zahlen zu kommen, ist viel Aktivität und Ausdauer nötig. Bestenfalls mehrmals täglich sollten zum Beispiel bei Instagram Fotos und kurze Videos in der Story gepostet werden, damit andere Instagram-Nutzer dem Profil folgen. Nützlich ist auch, zunächst zum Profil passende Produkte unentgeltlich zu zeigen, den Hersteller zu verlinken und auf künftige Kooperationen zu hoffen. Auch außerhalb des eigenen Profils muss man aktiv sein: unter den Fotos anderer Nutzer kommentieren, um auf sich aufmerksam zu machen oder die eigenen Kanäle in Foren oder Gruppen bewerben beispielsweise. Mit den eigenen Anhängern im Kontakt sein, auf ihre Fragen und Kommentare zu antworten ist wichtig, um sie an den eigenen Kanal zu binden. Nicht immer sind die Reaktionen auf die eigenen Fotos und Videos positiv. Mit negativer Kritik und Anfeindungen umzugehen, gehört deshalb auch zum Alltag von Influencern.

Wie viel Geld kann man mit Social Media verdienen?

Es kommt darauf an, welche Plattformen man nutzt und wie man sie kombiniert. Die einträglichsten Möglichkeiten bieten Instagram und YouTube. Bei der Videoplattform wird nach Anzahl der Werbeeinblendungen abgerechnet. Ein bis zwei Euro gibt es ab 1.000 Videoaufrufen. Das heißt: Will man über YouTube monatlich 1.000 Euro verdienen, müssen die eigenen Videos auch eine halbe bis eine Million Mal aufgerufen werden – jeden Monat. Deshalb sollten möglichst regelmäßig neue Videos veröffentlicht werden, die dann viele neue Klickzahlen hervorrufen. Bei Instagram kommt es stark darauf an, wie die Verträge mit den Werbepartnern ausfallen und in welcher Nische man sich bewegt. Die erfolgreichsten deutschen Influencer kommen aus dem Mode- und Beauty-Segment und bekommen mehr als 20.000 Euro für ein Bild. Das sind aber die Top-Werte, im Durchschnitt gibt es bei 1.000 Followern fünf bis zehn Euro pro Post.

Rechtliche Aspekte: Werbung kennzeichnen und Gewerbeanmeldung vornehmen

In den letzten Monaten sind einige Influencer verklagt worden, die ihre Beiträge nicht richtig als Werbung kenntlich gemacht haben. Um Abmahnungen und Gerichtsprozesse zu verhindern, müssen deshalb Beiträge, die werbliche Inhalte enthalten, als solche gekennzeichnet werden, beispielsweise über die Hashtags #werbung oder #anzeige. Nicht nur, wenn Produkte oder Logos von Unternehmen zu sehen sind, ist die Deklarierung der Werbung wichtig, sondern auch, wenn andere Mitglieder der Social-Media-Plattform verlinkt werden – denn auch das kann Werbung für den speziellen Account sein. Selbst, wenn es sich um selbstbezahlte, also nicht gesponsterte Produkte handelt, empfehlen Experten diese Kennzeichnung. Die Kennzeichnung sollte idealerweise schon am Anfang des Textes erfolgen und nicht am Ende unter vielen Hashtags versteckt sein. Weiterhin wichtig ist, für die Einnahmen über Social Media einen Gewerbeschein zu beantragen und sie ordnungsgemäß zu versteuern.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 02:10 Uhr

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