Haustier trotz Tierhaarallergie – Was muss ich beachten?

Rote Augen, Niesen, Hustenanfälle: Viele Erwachsene und auch Kinder reagieren allergisch auf Stoffe im Fell oder in den Federn von Haustieren. Familien sollten daher auf ein paar Dinge achten, bevor sie sich ein Tier ins Haus holen. Manchmal tritt die Allergie auch erst später auf. Dann können manchmal ein paar Verhaltensregeln helfen, trotzdem weiter zusammen zu leben.

Symbolfoto Katzenallergie - ein Junge hebt eine Hatze und hält sich ein Taschentuch vor die Nase.
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Auch Tiere ohne Fell können Allergien verursachen

Die teils heftigen Reaktionen von Betroffenen auf ihre Lieblinge werden oft als "Katzenallergie" oder auch "Tierhaarallergie" bezeichnet. Beide Begriffe sind etwas irreführend. So können neben Katzen auch viele andere Haustiere wie Hunde, Vögel, Hamster, Kaninchen oder sogar Reptilien Allergien auslösen. Selbst auf einige große Tiere wie Pferde oder Rinder reagieren manche Menschen. In diesen Fällen führen nicht das Fell selbst oder Tierhaare zur allergischen Reaktion. Das menschliche Immunsystem reagiert auf Eiweiße, die sich unter anderem auch auf Tierhaaren befinden können. Tierarzt Mirco Stemann arbeitet in Leipzig in der Praxis Fabritius und sagt:

Tierarzt Mirco Stemann
Bildrechte: Mirco Stemann/Privat

Diese Eiweißstoffe befinden sich im Speichel, im Urin, in Hautschuppen oder werden durch Talgdrüsen ausgeschieden. Die Proteine verteilen sich dann beispielsweise beim Putzen der Tiere auf dem Fell, sie werden durch Haarverlust im Raum verteilt oder binden sich auch an Feinstaubpartikel in der Raumluft.

Daher können auch Tiere ohne Haare die allergieauslösenden Proteine produzieren. Die werden aber dann weniger stark im Raum verteilt. Damit gehe die größte Gefahr tatsächlich von Fell tragenden Tieren aus, so Tiermediziner Stemann.

Vorab auf Nummer sicher gehen

In vielen Fällen müssen Betroffene oder Familien mit Allergikern ein Haustier weggeben, weil das Zusammenleben zur Qual wird oder Spätfolgen drohen. Das ist für Tier und Mensch schwierig und sollte daher von vornherein vermieden werden. Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) sagt:

Vorab kann man klären, ob ein Allergierisiko für Familienmitglieder besteht. Ob etwa ein Elternteil oder beide Eltern schon Allergien haben. Oder Neurodermitis. Dann kann es auch bei den Kindern ein erhöhtes Risiko für Allergien geben.

Von einem Vorab-Test auf eine Tierhaar-Allergie beim Arzt rät die DAAB-Expertin ab. Haus- und Hautarzt müssten hier sowieso mehrere mögliche Auslöser abtesten, weil es denen Allergietest auf ein "Tiereiweiß" nicht gibt. Je nach Tierart können gleich mehrere verschiedene Eiweiße die Symptome auslösen.

Nächste Sendung im MDR Fernsehen

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27.10.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Bischdorf bei Löbau/Sachsen

Gefahr der Allergie minimieren

Alternativ können sich Haustier-Suchende gezielt für ein Tier entscheiden, das eher weniger der allergieauslösenden Eiweiße abgibt. 

Es gibt Hunderassen, die weniger Speichel verlieren als andere. Ein Chihuahua etwa produziert viel weniger Speichel als eine Dogge. Und manche Hunderassen verlieren nur sehr wenige Haare. Kreuzungen von verschiedenen Pudelrassen etwa oder Tibet-Terrier werden da oft genannt.

Fast haarlose und damit zumindest "Allergiker-freundlichere" Katzen-Rassen wie die Sphynx (Nacktkatzen-Rasse) gibt es auch. Mirco Stemann rät aber davon ab, sich so ein Tier als Haustier zu halten.

Da sind wir dann zudem wieder im Bereich der sogenannten Qualzucht. Und die sollte man mit dem Kauf einer Sphynx-Katze eigentlich nicht unterstützen.

Als Qualzucht gelten Züchtungen, bei denen Tieren wichtige Merkmale an- oder weggezüchtet werden, die für ihr Wohlergehen wichtig sind. Dazu zählen bei Katzen die Schnurrhaare, die bei manchen Sphynx fehlen. Tierliebhaber können zudem vorab abklären, ob sie auf das Haustier ihrer Wahl reagieren.

Wenn es die Möglichkeit gibt, dann wäre sinnvoll, sich vor dem Kauf auch noch mal sozusagen auf das entsprechende Tier zu testen. Das heißt: Sich einfach in die unmittelbare Umgebung von Katzen oder Hunden zu begeben und dann zu schauen, ob man mit Juckreiz, Schnupfen, Symptomatik, roten Augen oder Ähnlichem reagiert.

Allerdings können manche Menschen erst im Laufe ihres Lebens eine Allergie entwickeln. Das wird dann zum Problem, wenn das Haustier bereits angeschafft wurde.

Spezielle Filter für den Staubsauger

Zeigt jemand nur sehr leichte allergische Reaktionen auf den tierischen Liebling im Haushalt, können beide aus Sicht von Mirco Stemann trotzdem weiter zusammenleben.

Man sollte zum Beispiel das Tier vom Schlafzimmer fernhalten, regelmäßig dem Boden wischen, sich nach jedem Tierkontakt die Hände waschen. Beim Staubsaugen sollte man darauf achten, spezielle Filter einzusetzen. Ohne diese so genannten HEPA-Filter verteilt man sonst die Allergene beim Staubsaugen nur noch weiter im Raum.

Wer Kontakt mit dem Haustier hatte, sollte seine Kleidung auch nicht im Schlafzimmer wechseln. In Ratgebern zum Thema ist häufig der Tipp zu lesen, die Tiere einfach häufiger zu waschen und so die allergieauslösenden Eiweiße möglichst schnell zu entfernen. Tiermediziner Stemann rät davon ab:

Das kann die natürliche Hautbarriere des Tieres stören und auch da zu starken Hautproblemen führen. Außerdem kann auch das Tier wiederum auf Stoffe im Shampoo oder auf der in der Seife allergisch reagieren. Sollte einmal ein Waschen nötig sein, sollte man das nur mit speziellen Tier-Shampoos am besten vom Tierarzt machen.

Trotz Händewaschen, Staubsaugen und Kleidungswechsel kann es aber weiter passieren, dass Betroffene mit Niesen und Atemnot reagieren. Das kann auf Dauer ernste Folgen haben, sagt Anja Schwalfenberg vom DAAB:

Es besteht die Gefahr, dass dann ein allergisches Asthma auftritt. Wenn ich Allergen-Kontakt oder Tierkontakt habe, dann kann das natürlich wieder zu Reaktionen führen.

Dann hilft tatsächlich nur, das Haustier wegzugeben – auch wenn das für alle emotional extrem belastend sein kann.

Hilft eine Hyposensibiliserung?

Betroffene werden immer wieder kleinen Dosen des Stoffes ausgesetzt, der bei ihnen Beschwerden verursacht. Irgendwann hat sich der Körper ganz oder wenigstens teilweise daran gewöhnt. Dieser Mechanismus steckt hinter der Hyposensibilisierung. Das Allergen wird entweder unter die Haut gespritzt oder als Tabletten oder als Spray verabreicht. Eine solche Therapie dauert zwar recht lang. Drei Jahre setzen Mediziner dafür an. Sie verspricht aber bei bestimmten Allergien wie Heuschnupfen zumindest langfristig Linderung.

Bei einer Tierhaarallergie wird die Hyposensibilisierung eher selten eingesetzt. Die kann nötig sein, wenn jemand sonst seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Anja Schwalfenberg vom DAAB kann keine Empfehlung zu dieser Methode geben. Dazu sei die Datenlage bisher einfach viel zu schwach. Die Sensibilisierung werde nur in Einzelfällen gemacht. In den meisten Fällen werde geraten, das Tier zu meiden.

Wann kommt die Impfung?

Dank Entwicklungen aus dem Labor sollen in Zukunft auch Allergiker Hunde oder Katzen halten können. So arbeiten laut Mirco Stemann Mediziner an der Universität Zürich an einem Impfstoff.

Der sorgt dann dafür, dass geimpfte Tiere Antikörper gegen ein Protein bilden, das als Hauptauslöser für die Allergie des Menschen verantwortlich ist. Der scheint sowohl für Mensch und als auch für die Tiere sehr gut zu funktionieren.

Allerdings ist der Impfstoff derzeit noch in der Prüfung. Bis zur Zulassung werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Etwas weiter ist der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé. Der hat ein allergenreduzierendes Katzenfutter entwickelt.

Auch wenn ich kein großer Fan der Politik von Nestlé bin, kann das ein guter Schritt für ein besseres Zusammenleben von Mensch und Tier sein. Die Ergebnisse der Studie zum Futter sind wirklich vielversprechend. Die Tiere nehmen mit dem Katzenfutter ein Protein auf und das bindet das Allergen und inaktiviert es.

Damit sinkt die Allergenbelastung in Haus und Wohnung. Das Futter greift dabei auch nicht in die natürliche Speichelproduktion der Tiere ein, lobt Veterinär Stemann. Das Katzenfutter wird seit kurzem auch in Deutschland verkauft.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Mai 2021 | 10:45 Uhr

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