Hyaluronsäure - Anti-Aging-Wunder?

27.02.2019 | 02:10 Uhr

Spritze mit Hyaluronsäure. 1 min
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MDR JUMP Mi 27.02.2019 02:10Uhr 01:14 min

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Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff. Sie kommt unter anderem im Bindegewebe, in den Augen und den Gelenken vor. Chemisch betrachtet ist Hyaluronsäure ein sogenanntes Polysaccharid, eine Kette aus Zuckermolekülen. Insgesamt enthält der menschliche Körper zirka 15 Gramm Hyaluronsäure. Das scheint wenig. Doch Hyaluronsäure ist kraftvoll: Die Moleküle binden Wasser und zwar bis zum 6.000-fachen ihres eigenen Gewichtes. Jedoch werden die Moleküle der Hyaluronsäure ständig abgebaut und müssen vom Körper neu gebildet werden. Ein Prozess, der bereits ab einem Alter von 25 Jahren nachlässt. Weniger Hyaluronsäure bedeutet daher weniger gebundenes Wasser, und das führt zu faltiger Haut.

Hyaluron kann aber auch künstlich erzeugt werden. Verwendete man früher dazu Hahnenkämme, aus denen das Hyaluron herausgezogen wurde, nutzt die Industrie heute die Fermentation von Hefe oder Getreide. Industriell hergestellte Hyaluronsäure ist der körpereigenen identisch.

Wie wird Hyaluronsäure angewendet?

Hyaluron kommt in Form von Gels, Kapseln, Tabletten, Cremes und Ampullen für Spritzen auf den Markt. Die jeweils bevorzugte Form hängt vom Verwendungszweck ab.

  • Allgemeinmedizin

Eine Frau sprüht sich Nasenspray in die Nase.
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Die feuchtigkeitsbindende Kraft von Hyaluron wird in der Medizin eingesetzt, um Austrocknung zu verhindern. So enthalten zum Beispiel viele Nasensprays zum Schutz der Nasenschleimhaut Hyaluron. Auch bei trockenen Augen kann Hyaluron helfen. Die Säure wird in Form von Tropfen direkt ins Auge gegeben oder auf das geschlossene Lid gesprüht. Die entsprechenden Präparate sind freiverkäuflich in Apotheken erhältlich und werden nicht von den Krankenkassen erstattet.

  • Hyaluronsäure bei Gelenkverschleiß (Arthrose)

Illustration - Einer Frau wird Botox ins Bein gespritzt.
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In den Gelenken ist Hyaluronsäure für die Geschmeidigkeit der Bewegungen zuständig. Mit zunehmendem Alter geht ein Gelenkverschleiß einher. Dieser äußert sich in Schmerzen bei Bewegungen. Hyaluron soll die Beschwerden lindern und wird direkt ins Gelenk gespritzt. Insbesondere bei Kniearthrose kommt Hyaluron zum Einsatz. Die Säure wird aber auch bei Problemen im Hüft-, Schulter- oder Sprunggelenk angewendet. Sie funktioniert als Schmiermittel und soll die Gelenke flexibler und gleitfähiger machen. Außerdem wird ihr auch eine schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Ob Hyaluron zum Einsatz kommt, entscheidet der Arzt gemeinsam mit dem Patienten. Erfolge versprechen die Injektionen mit Hyaluron in der Regel nur bei einer noch nicht weit fortgeschrittenen Arthrose.

Wissenschaftlich belegt ist der Erfolg von Hyaluronsäure bei Arthrose bisher nicht. Die Behandlung mit Hyaluron kann die Schmerzen kurzzeitig lindern, der Knorpel regeneriert sich aber nicht zwangsläufig. Von einem dauerhaften Einsatz der Säure raten Mediziner deshalb ab. Zur Behandlung mit Hyaluronsäure werden eine, drei oder fünf Spritzen über einen bestimmten Zeitraum verabreicht. Wann die schmerzlindernde Wirkung einsetzt, ist von Patient zu Patient unterschiedlich – bei manchen zeigt sich auch gar keine Wirkung.

Wegen der fehlenden Wirksamkeitsstudien zahlen die Krankenkassen die Behandlung in der Regel nicht. Wer sich für eine Hyalurontherapie entscheidet, muss für die Kosten von ca. 250 Euro für einen Zyklus selbst aufkommen.

  • Ästhetische Medizin

Illustration - Einem Model wird eine Botoxspritze vor die Lippen gehalten.
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Durch die feuchtigkeitsbindende Kraft von Hyaluron verschwinden Fältchen und die Haut wirkt prall und strahlend. In der ästhetischen Medizin wird die Säure deshalb zur Faltenunterspritzung eingesetzt. Die Injektionen erfolgen in die sogenannte Lederhaut, eine tiefer sitzende Hautschicht. Die Wirkung ist zeitnah sichtbar. Allerdings baut sich das Hyaluron je nach Konzentration der Spritzen nach drei bis sechs Monaten in der Haut wieder ab und die Injektionen müssen wiederholt werden, um den Effekt zu erhalten. Zum Einsatz kommt Hyaluron in der ästhetischen Medizin aber nicht nur bei Falten, sondern auch bei "Korrekturen" an Lippen, Nase, Ohren, Brüsten oder Gesäß.

  • Kosmetik

Hyaluron muss nicht gespritzt werden. Es kann dem Körper auch über Kapseln, Tabletten oder Cremes zugeführt werden. Allerdings dringt es dann nicht bis in die tiefen Hautschichten vor und der Effekt ist geringer als bei der Faltenunterspritzung.  

Welche Nebenwirkungen hat Hyaluronsäure?

Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von Hyaluronsäure relativ selten. Bekannt sind allergische Reaktionen der Haut und Infektionen und Schwellungen nach der Injektion von Hyaluron. Deshalb ist bei Injektionen steriles Arbeiten unerlässlich. Sind Gelenke bereits entzündet, sollten Injektionen bei einer Arthrosebehandlung unterbleiben. Beim Kauf von Kosmetika mit Hyaluronsäure ist es wichtig, auf die weiteren Inhaltsstoffe zu achten. Denn während Hyaluron als körpereigener Stoff praktisch keine Nebenwirkungen hat, können zugesetzte Silikone, Paraffine oder Metalle durchaus gesundheitsschädlich sein.

Fazit

Die Hyaluronsäure ist in Medizin und Kosmetik wegen ihrer extremen Fähigkeit Wasser zu binden sehr beliebt. Effekte lassen sich schnell erzielen, sind allerdings kurzlebig. Für einen Dauereffekt müssen die Behandlungen wiederholt werden. Der Einsatz von Hyaluron zur Behandlung von Arthrose ist umstritten und die Wirksamkeit durch medizinische Studien bisher nicht belegt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. Februar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 02:10 Uhr

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