Das gehört in die Brotbüchse

Der Snack für zwischendurch – ist Unsinn. Vom Konzept der vielen kleinen Mahlzeiten am Tag sind seriöse Ernährungsberater längst weg. Wir erklären, wie oft welches Essen gut tut und warum Eltern darüber einen Überblick brauchen.

Warum ein gutes Frühstück wichtig ist

Kinder brauchen viel Energie. Fürs Wachstum, für die Leistung in der Schule und einfach, weil sie sich oft viel mehr bewegen als wir Erwachsenen. Tatsächlich kann ein Kindergartenkind mit viel Sport und Spiel an der frischen Luft mehr Kalorien verbrauchen als seine Mama im Büro. Auch die Konzentration im Unterricht kann richtig Energie fordern. Deshalb müssen Kids möglichst früh am Tag die Speicher füllen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE rät: „Am besten sollte der Tag mit einem vollwertigen Frühstück vor dem Unterricht und einem zweiten in der Schule beginnen.“ Je nachdem, wann es in Kita oder Schule geht, kann entweder noch ordentlich zu Hause gefrühstückt werden oder mit einer vernünftigen Portion noch vor 8:00 Uhr in der Kita.

Kinder mögen es lecker – aber nicht unbedingt süß

Es geht den Kleinen, wie den Großen: Immer der gleiche Mampf wird zum Krampf. Abwechslung muss also her. Und dabei sollten die Eltern zwar die Kontrolle über Art und Energiegehalt der Nahrung haben. Aber: „Die Pausenverpflegung sollte individuell gestaltet werden und die Wünsche des Kindes nach Art und Menge des Frühstücks berücksichtigen“, so die DGE.

Und dabei können sich die Vorlieben für Brot, Obst- und Gemüsesorten immer mal wieder verändern. Nachfragen und auf die gesunden Wünsche eingehen, hilft also, volle Brotbüchsen am Nachmittag zu vermeiden. Wichtig: Kindern kann man mit der Lieblingsobstsorte oft eine größere Freude machen, als mit dem täglichen Schokoriegel, weil auch der irgendwann zur Routine wird.

Was muss in die Büchse?

Im Prinzip brauchen Schul- und Kitakinder die gleichen wichtigen Ernährungs-Bestandteile: Zum Sattmachen Vollkornbrot oder Brötchen mit fettarmem Belag. Je nach Geschmack können Frischkäse oder Butter drunter und gerne mal dünn geschnittenes Gemüse drauf. Portionsgerecht geschnittene Gurken, Möhren und Co. gehören genau so dazu, wie reichlich frisches Obst. Das sorgt für Zucker als nötigen Treibstoff zum Spielen und Lernen. Möglichst ungesüßte Joghurts, Quark oder auch Milch liefern Eiweiß für die Muskeln. Und nochmal: Abwechslung, auch mal in Form und Größe, wecken den Appetit.

Was muss nicht in die Büchse?

An zwei Gummibärchen oder einem Schokotaler geht die Welt nicht zugrunde. Sie sind ein lieber und süßer Gruß von zu Hause und schaden nicht. Auch ein Keks zum Vesper ist nicht schlimm. Aber: Wer seinem Kind die Brotbüchse mit Milchcremschnitten, Schokoriegeln, fruchtigen Zwergen und Quetschies  voll packt, sorgt für Stress in Körper und Geist. Und so empfiehlt auch die Verbraucherzentrale: „Nach Möglichkeit sollte eine Kindertageseinrichtung eine süßigkeitfreie Zone sein. Ausnahmen zu besonderen Anlässen sind natürlich möglich.“ 

Wie viele Mahlzeiten sind gesund?

Wer morgens halb zehn in Deutschland mal den entsprechenden Schokokeks knoppert, der nimmt in ein paar Sekunden gut vier Stück Würfelzucker und reichlich acht Gramm Fett zu sich. Das treibt den Blutzuckerspiegel in die Höhe, bringt aber für Ausdauer und Leistungsfähigkeit von Kindern nichts. Viele Zwischenmahlzeiten und kleine Snacks sind nicht nötig, sondern eher schädlich. Großes Frühstück, kleines Frühstück, Mittag, Vesper, Abendbrot, das reicht für Kinder völlig aus.  

Getränke nicht vergessen

Wer seine Kinder frühzeitig an ungesüßten Früchtetee und Wasser gewöhnt, wird wenigstens weniger diskutieren müssen, als die Cola-, Limo-, Apfelschorle-fraktion. Gute Kindergärten und Schulen bieten ausreichend ungesüßte Getränke an. Milch zählt dabei nicht zu den Durstlöschern, sie ist ein Lebensmittel mit vielen Nährstoffen aber nicht geeignet, um nach dem Rumräubern seinen Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen.

Wie erkennst du ein gutes Ernährungskonzept in Schule und Kita

Die Speisepläne einer guten Einrichtung sind abwechslungsreich und ja, ein Mittagessen für Dein Kind darf ruhig mal 3,50 Euro kosten. Wer sich über 50 Euro Essensgeld für einen Monat Schulspeisung aufregt, braucht sich nicht über Billigfertigfutter zu wundern. Wer die Möglichkeit hat, sollte bei der Wahl von Schule oder Kindergarten darauf achten, dass überhaupt ein Ernährungskonzept vorliegt. Wichtig dabei: Die Eltern sollten immer die Kontrolle oder ausreichend Informationen über die Ernährung ihrer Kinder haben. Nur sie wissen über den gesamten Tag verteilt, was ihr Kind gegessen und getrunken hat und was es eventuell noch braucht.

Vorsicht bei freien Ernährungskonzepten – Langzeitbuffets machen krank

So lieb es auch gemeint ist: Aber Kitas, die ein drei Stunden Frühstücksbuffet anbieten, bei dem die Kinder immer wieder nach Lust und Laune zugreifen dürfen oder jeden Tag Nudeln und Pommes auf der Mittags-Alternativ-Liste stehen haben, gefährden die Gesundheit der Kinder. Der Grund liegt im Blutzuckerspiegel und der Bauchspeicheldrüse. Die sorgen dafür, dass die Energie der Nahrung möglichst bedarfsgerecht in den Zellen ankommt. Wer isst, treibt den Blutzuckerspiegel nach oben. Die Bauchspeicheldrüse sorgt für den Abbau und die Umwandlung des Zuckers. Problem: Je mehr Zucker wir auf einmal zu uns nehmen, desto heftiger steuert die Bauchspeicheldrüse dagegen.

Der Zuckerspiegel wird ziemlich rapide gesenkt. Das führt im Körper zu der Reaktion, dass wir Zuckermangel und Energielosigkeit verspüren und eigentlich gleich wieder Zucker wollen. Eltern wissen: Wenn das Kind einmal mit süßer Limo anfängt, wird es von selbst nicht aufhören daran zu zuppeln, bis die Flasche leer ist. Danach zappelt das Kind und ist unaufmerksam.

Noch größeres Problem: Beim ständigen Nachschub vom Buffet wird die Bauchspeicheldrüse immer wieder angeregt, ein Sättigungsgefühl stellt sich nicht ein. Ein Ergebnis solcher Ernährungsexperimente ist eine immer schneller steigende Zahl von Kindern die völlig unnötig an Diabetes Typ 2 erkranken und im schlimmsten Fall ein Leben lang darunter leiden.

Pädagogen sind keine Ernährungsexperten

Auch wenn viele Vertreter offener Konzepte es sich noch so sehr wünschen: Kinder können eben nicht vernünftigerweise von selbst darüber entscheiden, wann sie genug haben. Das kann ja noch nicht mal die Mehrheit der Erwachsenen, weshalb wir immer dicker und kranker werden. Deshalb müssen gesundheitlich geschulte und informierte Erzieherinnen und Lehrer darauf achten, was und wieviel Kinder essen und darüber im Austausch mit den Eltern stehen.         

Fazit

Eltern haben die Pflicht, die Brotbüchsen mit gesunden, abwechslungsreichen Lebensmitteln zu füllen. Die Kinder können Wünsche äußern und bei der Zubereitung helfen. Konzepte mit freier und zeitlich nahezu unbeschränkter Auswahl an Frühstück, Vesper oder Mittag sind gesundheitlich höchst bedenklich. Eltern müssen die Kontrolle darüber haben, was ihre Kinder den ganzen Tag über zu sich nehmen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. September 2021 | 11:45 Uhr

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