Kaninchen als Haustier: Was du bei der Anschaffung bedenken solltest

Große Augen, weiches Fell und knuddelige Ohren. Kaninchen sind ja so süß und deshalb auch nach Hund und Katze die beliebtesten Haustiere bei uns. Nur leider werden sie oft falsch gehalten. Wir erklären, wie es richtig geht.

Sie sind keine „Haustiere zum Ausprobieren“, auch nicht für Kinder

Denn die geselligen Nager sind neugierig, intelligent und vor allem sehr sozial. Wer sie halten will, braucht schon eine ordentliche Portion Einfühlungsvermögen, muss beobachten und ihnen viel Bewegungsspielraum geben können. „Die Tiere so wie teilweise früher einfach ein Leben lang in einer engen Holzbox zu halten und nur ein zweimal am Tag zu füttern, ist reine Tierquälerei“, so die Kaninchenhalterin und Buchautorin Diana Bachmann.

Das Problem der Tiere: Sie sind klein, kuschelig und zutraulich. Deshalb denken viele, sie wären leicht zu halten und ließen sich auch gerne Streicheln. Dem widerspricht unsere Expertin: „Kaninchen hassen es zum Beispiel, hochgenommen zu werden. Die halten dann einfach still und hoffen, dass das schnell vorbeigeht. Viel besser im Kontakt ist, wenn Sie sich einfach zu ihrem Kaninchen setzen und warten, bis es von selbst auf Sie zukommt.“ Kein einfaches Kuscheltier also für den Nachwuchs. Auch die Reinigung des Geheges, Füttern und die Betreuung durch einen Tierarzt sollten nicht Kindern allein überlassen werden.

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01.12.2021, 19:50 Uhr /
18:00 Uhr in der Mediathek

aus dem Tierheim Leisnig

Keine Haustiere für eine Saison und mitunter „schwer zu lesen“

Wenn du dir Kaninchen anschaffst, gehst du eine langfristige Beziehung ein. „Kaninchen werden locker zwölf Jahre alt“, so unsere Expertin. Dass sie so lieb und meist auch still sind, führt oft zur Fehleinschätzung, dass es ihnen durchweg gut geht. Problem: Als potentielles Beutetier zeigen auch Kaninchen erst so spät wie möglich, dass ihnen etwas fehlt. Mitunter kann es dann nur noch Stunden vom scheinbar gesunden bis zum toten Tier dauern. Deshalb rät Diana Bachmann: „Die Tiere müssen jährlich gegen RHD1+2 und Myxomatose geimpft werden, sie haben ein sehr empfindliches Verdauungssystem und Zähne, die ständig nachwachsen. Deswegen müssen sie sofort zum Arzt, wenn Ihre Tiere aufhören, zu fressen.“

Eins ist keins – oder zwei sollten es wenigstens sein

Kaninchen brauchen mindestens einen Sozialpartner und das sollte immer ein anderes Kaninchen sein. Meerschweinchen, wir Menschen oder gar Hund und Katze reichen nicht als Partner. Diana Bachmann rät dazu: „Wenn Sie die Tiere in der Wohnung halten, sind zwei ideal. Möglichst Wurfgeschwister, das erspart Ihnen die Vergesellschaftung, mit Rangkämpfen, Markierverhalten usw. Haben Sie ein Außengehege, passen ein weibliches und ein männliches Tier gut zusammen. Das Männchen sollte dann auf jeden Fall kastriert sein. Je mehr Platz sie haben, desto größer kann die Gruppe dann sein.“

Wo sich das Kaninchen wohlfühlt

Sie wollen springen, buddeln, Haken schlagen und sich verstecken. Der alte klassische Stall von Opa ist also nicht tiergerecht. Unsere Expertin meint dazu: „Wenn sie solche Holzboxen aber als Nachtlager untereinander verbinden und im Freigehege für ausreichend Auslauf und Schutz gesorgt ist, ist das immer noch besser als die handelsüblichen Plastikkäfige. Werden die Tiere dann nur drinnen gefüttert, kommen sie abends freiwillig in die Ställe.“ Kaninchen können übrigens das ganze Jahr über draußen leben, ist der Stall gegen Frost geschützt, brauchen sie kein extra Winterlager. In der Wohnung sollte ein Käfig ebenfalls nur als Nachtlager dienen. Am Tag brauchen die Tiere auch hier Auslauf und am besten Möglichkeiten zum Buddeln und Verstecken. Höhlen und Röhren sind ideal und können selbst gebaut werden.

Vorsicht vor Stinkestellen

Wenn Kaninchen in der Wohnung markieren, dann oft, weil sie in der Gruppe klar machen müssen, wer der Chef ist. „Wenn sie diese Markierungen mit einem besonders kräftigen und gründlichen Reiniger entfernen, kann es passieren, dass ihre Kaninchen denken, sie müssten jetzt ganz besonders stark markieren, und das kann manche Besitzer wirklich in die Verzweiflung treiben“, so unsere Expertin.

Wo du deine Kaninchen herbekommst

Unsere Expertin empfiehlt ganz klar das Tierheim: „Da haben Sie den Vorteil, dass die Tiere geimpft und gesund sind und Sie wissen, dass Sie Tiere bekommen, die sich vertragen. Bei einem Züchter sollten sie auf gute Haltungsbedingungen achten und Zeit und Gelegenheit haben, die Jungtiere untereinander zu beobachten.“ So bekommst du nämlich raus, wer mit wem kann. Einzeltiere mit unklarer Herkunft können Verhaltensstörungen haben und für die Halter zum Problem werden.  

Welches Tier soll es sein?

Je kleiner das Tier, desto weniger Platz und Pflege? Das ist ein falscher Gedanke. Zwergkaninchen brauchen fast genau so viel Platz und Zuwendung wie die Großen. „Und sie sind relativ häufig krank. Gerade die auf Kindchenschema gezüchteten kurznasigen großäugigen Miniwidder neigen zu Zahnproblemen, tränenden Äuglein und durch die Hängeohren zu Ohrenentzündungen. Regelmäßige Tierarztbesuche sind Pflicht, oft müssen die ständig nachwachsenden Zähne gekürzt werden, das wird schnell teuer und nervenaufreibend“, warnt unsere Expertin. Auch langhaarige Tiere haben mitunter mehr Probleme bei der Fellpflege. Eher unproblematisch sind aus Sicht von Diana Bachmann Marder-, Russen- und die sehr ruhigen Dailenaarkaninchen.

Futter und Betreuung

Sie sind Vegetarier: Wiese, Zweige, Heu. Das steht hauptsächlich auf dem Speiseplan. Aber auch Obst, Gemüse und Salat genießen sie. Dazu brauchen sie immer frisches Wasser. Wichtig: Kaninchen haben eine sehr träge Verdauung und fressen deshalb fast ständig. Vorne muss genügend rein, damit hinten was rauskommt. Nochmal der wichtige Tipp: Wenn ein Kaninchen nicht frisst, hat es wirklich akute Probleme.

„Wenn die Tiere verträgliche Kameraden haben, brauchen sie uns Menschen eigentlich nicht. Wir können aber trotzdem mit Ruhe, viel Feingefühl und ein bisschen Futter als Bestechung eine gute Beziehung zu den Tieren aufbauen“, so Kaninchenhalterin Diana Bachmann. Zweimal täglich füttern, einmal täglich Toilette reinigen, das sind die Grundaufgaben. Wer sich dann noch ruhig zu seinen Tieren setzt und wartet, bis sie von alleine kommen, der kann mit Kaninchen tolle und interessante Haustiere haben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. Oktober 2021 | 11:45 Uhr

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