So gelingt der Krankenkassenwechsel reibungslos

04.03.2019 | 02:10 Uhr

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MDR JUMP Mo 04.03.2019 02:10Uhr 00:50 min

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Gleich zu Anfang die gute Nachricht: Jeder kann seine gesetzliche Krankenkasse unkompliziert wechseln, und im Vergleich zu privaten Krankenkassen dürfen die gesetzlichen Krankenkassen neue Versicherte nicht wegen Alter, Gesundheitszustand oder Geschlecht ablehnen. Rund 110 gesetzliche Krankenkassen gibt es derzeit. Sie unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern auch in ihren Leistungen. Wie man die für sich beste gesetzliche Krankenkasse findet und wie man wechselt, verrät dieser Quicktipp.

Wie finde ich die beste Krankenkasse für mich?

So ein Wechsel kann sich lohnen. In einem aktuellen Test von "Finanztip" (1/2019) wurden die Zusatzleistungen von bundesweit gesetzlichen Krankenkassen analysiert. Dabei standen Service, Familienleistungen, Vorsorge und alternative Heilmethoden auf dem Prüfstand. Am besten schnitten dabei Hanseatische Krankenkasse (HEK), Techniker Krankenkasse (TK), Betriebskrankenkasse Verkehrsbau Union (BKK VBU), Bahn Betriebskrankenkasse (Bahn BKK) und BKK24 ab. Allerdings ist die Wahl der Krankenkasse eine sehr individuelle Entscheidung, die davon abhängt, welche Leistungen benötigt werden. Wichtig: Ein Versicherter hat nur die Möglichkeit zu einer Krankenkasse zu wechseln, die in seinem Bundesland auch vertreten ist.

  • Preis

Laut Finanztipp vom 07.01.2019 sind in Sachsen und Thüringen die HKK mit 14,99 Prozent und in Sachsen-Anhalt die AOK Sachsen-Anhalt mit 14,9 Prozent die günstigsten Anbieter.

  •  Leistung

Etwa 95 Prozent aller Leistungen, die gesetzliche Krankenkassen übernehmen, sind gesetzlich vorgeschrieben und damit bei allen Kassen gleich. Den Unterschied machen die restlichen fünf Prozent. Beispielsweise bezuschussen einige die professionelle Zahnreinigung, Osteopathie oder Akupunktur und bieten kostenlose Reiseimpfungen an. Hier stehen die Krankenkassen im Wettbewerb und hier lohnt sich ein Vergleich.

  •  Wahltarife

Krankenkassen bieten zudem Wahltarife. Diese können, je nach persönlichen Voraussetzungen, zusätzlich abgeschlossen werden. Sie ermöglichen den Versicherten spezielle Leistungen oder Beitragsermäßigungen. Häufig angebotene Wahltarife sind für zusätzliche alternative Arzneimittel, privatärztliche Behandlung oder Krankengeld für Selbstständige. Je nach Kasse unterscheiden sich die Tarife. Gemein haben sie, dass bei Wahltarifen mit Selbstbehalt oder Beitragsrückzahlung finanzielle Vorteile winken, wenn keine bzw. möglichst wenige medizinische Leistungen benötigt werden. Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen zählen hier nicht dazu und können trotzdem in Anspruch genommen werden. Solche Wahltarife sind eher etwas für sehr gesunde Versicherte. Andere zahlen gegebenenfalls drauf. Die Entscheidung für einen Wahltarif heißt auch, man bindet sich bis zu drei Jahre an die Krankenkasse. Das Sonderkündigungsrecht bleibt unberührt.

 Krankenkasse wechseln: So geht es

Ein Wechsel von der einen zur anderen gesetzlichen Krankenkasse ist einfach und dauert in der Regel zwei bis drei Monate. Folgende drei Schritte braucht es:

  • Kündigung: Im Internet gibt es zahlreiche Musterschreiben. Die Kündigung einfach schriftlich (Einschreiben mit Rückschein) oder per Fax der bisherigen Kasse schicken und um eine schriftliche Eingangsbestätigung bitten. Versichertennummer und Kündigungstermin nicht vergessen. Die bisherige Kasse ist verpflichtet innerhalb von zwei Wochen nach Eingang der Kündigung, dies schriftlich zu bestätigen.
  • Mitgliedsantrag: Der neuen Kasse muss man schriftlich erklären, dass man Mitglied werden möchte. Viele Kassen haben dazu Vordrucke im Internet, es reicht aber auch ein formloses Schreiben. Auf dem Antrag sollte Name, Adresse, bisherige Versicherung, gewünschter Versicherungsbeginn vermerkt sein. Unbedingt die Kündigungsbestätigung der bisherigen Kasse beifügen.
  • Bescheinigung: Stellt die neue Krankenkasse eine Mitgliedsbescheinigung zu, hat der Wechsel geklappt. Nun muss diese noch dem Arbeitsgeber bzw. der Arbeitsagentur vorgelegt werden. Wer freiwillig versichert ist, schickt die Bescheinigung der bisherigen Kasse.

Fristen

Die Kündigungsfrist beträgt zwei volle Monate zum Monatsende. Kündigt man also zum Beispiel im Juni seiner bisherigen Kasse, ist der Versicherungsbeginn bei der neuen Kasse der 1. September. Ab Beginn der neuen Versicherung gilt eine Mindestlaufzeit von 18 Monaten.

Sonderkündigungsrecht

Im Einzelfall kann auch schon vor Ablauf der 18 Monate gekündigt werden.  Wird von der Krankenkasse zum Beispiel ein Zusatzbeitrag eingeführt oder der bisherige Zusatzbeitrag erhöht, besteht ein Sonderkündigungsrecht. Hier greift dann eine Frist von nur zwei Monaten. Ein Tipp: Kassen verändern Zusatzbeiträge oft zum Jahreswechsel. Darüber müssen sie im Vorfeld schriftlich informieren und dabei auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen. Geschieht dies nicht, verlängert sich die Frist des Sonderkündigungsrechts und man kann rückwirkend kündigen. Innerhalb der Wahltarife gibt es eigene Kündigungsfristen. Sie sind unabhängig von herkömmlichen Kündigungsfristen und werden für den jeweiligen Wahltarif vereinbart.

Hilfsmittel, genehmigungspflichtige Leistungen, Pflegeleistungen

Symbolfoto: Grünes Licht für Rolli-Fahrer
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Besonders Menschen mit Behinderung und chronisch Kranke, die viele Leistungen in Anspruch nehmen, sollten beim Wechsel der Krankenkasse auf Einiges achten. Für Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Krücken haben die Krankenkassen jeweils eigene Verträge mit Herstellern. Deshalb kann es beim Wechsel sein, dass man die gewohnten Hilfsmittel von einem neuen Anbieter nehmen muss. Oft müssen alte Hilfsmittel zurückgegeben werden und nochmal bei der neuen Krankenkasse beantragt werden.  Das kostet Zeit und Aufwand.

Stichwort genehmigungspflichtige Leistungen: Nur weil die alte Kasse eine Leistung gewährt hat, muss die neue Kasse dies nicht automatisch tun. Hier sollte man sich im Vorfeld informieren und sich Zusicherungen in jedem Fall schriftlich geben lassen. Auch wer bereits genehmigte Behandlungen noch nicht begonnen hat, muss damit rechnen, dass die neue Kasse diese nicht übernimmt. Bereits begonnene Behandlungen kann die neue Kasse hingegen nicht ablehnen. In jedem Fall müssen Leistungen und Behandlungen bei der neuen Kasse neu beantragt werden.

Was viele nicht wissen: Wechselt man die Krankenkasse, wechselt man automatisch die Pflegekasse. Somit wirkt sich ein Wechsel auch auf den Bezug von Pflegeleistungen z.B. Pflegegeld aus. Leistungen müssen neu beantragt werden und es kann sogar zur Herabstufung bei der Pflegestufe kommen.

Fazit

Ein Wechsel der gesetzlichen Krankenkasse geht schnell und einfach. Wer Hilfe bei der Suche nach einer neuen Kasse braucht, kann auch online vergleichen. Ähnlich wie bei der Suche nach einem neuen Gas- oder Stromanbieter, funktioniert das mit wenigen Klicks über Krankenkassen-Vergleichs-Rechner.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2019, 02:10 Uhr