Die wichtigsten Schritte nach der Kündigung durch den Arbeitgeber

In den meisten Fällen ist es ein Schock: Der Arbeitgeber spricht dir die Kündigung aus. Welche Fristen und Regeln du einhalten musst, um aus der schlechten Situation noch das Beste zu machen, erfährst du jetzt.

Briefumschlag mit Kündigung 1 min
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MDR JUMP Fr 24.07.2020 10:45Uhr 01:07 min

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Gründe für eine Kündigung

Es ist nicht egal, warum ein Chef dich rausschmeißt, er braucht tatsächlich triftige Gründe - ein paar Beispiele:

Betriebsbedingt - Die Firma ist in einem solch schlechten (wirtschaftlichem) Zustand oder strukturiert gerade um, so dass du nicht mehr gebraucht wirst oder bezahlt werden kannst.

Personenbedingt - Du hast deine Fahrerlaubnis verloren und brauchst sie für deinen Job oder bist dauerhaft krank.

Verhaltensbedingt - Du kommst ständig zu spät, machst deine Arbeit schlecht oder hast häufig Streit mit Chef oder Kollegen.

So die Theorie, in der Praxis werden viele Arbeitnehmer aber oft auch ohne wirkliches Fehlverhalten gefeuert, ein Grund lässt sich leicht konstruieren.

Was tust du während der Kündigung?

Sollte dir beim Chef eine Kündigung ausgesprochen werden, musst du zunächst nur den Erhalt der schriftlichen Kündigung quittieren. Mehr solltest du im ersten Moment nicht tun. Verlange nach einer Pause, in der du dir die Kündigung in aller Ruhe durchlesen kannst. Achtung: Unterschreibe auf keinen Fall einen Aufhebungsvertrag. Dazu Arbeitsrechtsanwalt Dr. Hermann Gloistein aus Halle:

Arbeitgeber die Ihnen sowas anbieten, wollen sich in der Regel vor einer Kündigungsschutzklage absichern. Wir können vor der ungeprüften Unterzeichnung nur warnen.

Denn: Bei einer Kündigung bist du ohne dein Zutun arbeitslos, bei einem Aufhebungsvertrag erklärst du dich damit einverstanden. Dadurch kann dir bis zu 12 Wochen das Arbeitslosengeld gesperrt werden.

Wer ist dein erster Ansprechpartner?

Am besten rufst du noch am Tag deiner Kündigung, spätestens aber drei Tage danach die Arbeitsagentur an.

Mit Erhalt der Kündigung sind Sie verpflichtet, sich umgehend arbeitslos zu melden. Das geht auf der Website oder unter der entsprechenden Servicenummer.

Frank Vollgold, Arbeitsagentur Sachsen

Wichtig: Wer das versäumt oder zu spät meldet, dem droht eine Sperrzeit von einer Woche beim Arbeitslosengeld, das gibt es dann also weniger. Bei der Arbeitsagentur hast du Anrecht auf ein ausführliches Beratungsgespräch- im Moment geht das oft nur per Telefon. Trotzdem bekommst du dabei alle relevanten Informationen, wie es jetzt weitergeht.

Welche Forderungen kannst du an deinen (alten) Arbeitgeber stellen?

Je nach Kündigungsfrist bekommst du in der Regel noch einen bis drei Monate Geld vom Arbeitgeber. In der Zeit kann er dich von deinem Job freistellen, muss es aber nicht. Das heißt, du musst noch bis zum Ende auf Arbeit. Du hast aber Anspruch auf deinen Resturlaub. Wieviel das ist, hängt vom Datum deiner Kündigung ab. Der Arbeitgeber muss dich bezahlt freistellen, wenn du ein Bewerbungsgespräch auf eine neue Stelle oder /und einen Fototermin für neue Bewerbungsunterlagen hast. Auf eine Abfindung hast du hingegen keinen gesetzlichen Anspruch, es sei denn, das ist durch Abfindungs- oder Arbeitsvertrag so geregelt. Vorsicht: Auch das kann sich auf dein Arbeitslosengeld negativ auswirken.

Wichtig für die Berechnung deines Arbeitslosengeldes ist auch die sogenannte Arbeitsbescheinigung deines ehemaligen Arbeitgebers.

Der muss Ihnen das ausstellen: Wie lange haben Sie bei Ihm gearbeitete, wieviel Geld gab es dafür usw.? Er ist gesetzlich dazu verpflichtet. Wenn er zu lange zögert, wird sich die Arbeitsagentur bei ihm melden und das einfordern.

Frank Vollgold

Hast du ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis?

Klares Ja. Dabei gibt es Unterschiede zwischen einem einfachen und einem qualifiziertem Zeugnis. In jedem Fall muss der Arbeitgeber das Zeugnis möglichst wohlwollen formulieren. Bekommst du keins oder ein mutwillig schlechtes, bleibt dir nur der Gang vors Arbeitsgericht.

Wann macht eine Kündigungsschutzklage Sinn?

Nur wenn deine Firma regelmäßig mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt, unterliegst du dem Kündigungsschutz und hast gute Aussichten, bis zu drei Monatsgehälter als Entschädigung zu bekommen. Die Berechnung der sogenannten vollen Zählmitarbeiter ist aber kompliziert. Denn: Es gelten Arbeitnehmer erst ab einer 30 Stunden Woche als volle Mitarbeiter. Ab  20 Stunden wird mit 0,75 Anteilen gezählt. Geschäftsführer zählen nur unter bestimmten Umständen mit zu den Zählmitarbeitern. Besonders kompliziert ist das bei Vereinen, Verbänden und GmbHs. Hier solltest du dich vor einer Klage ausführlich beraten lassen.

Was kosten ein Gerichtsverfahren und der Rechtsanwalt?

Zunächst solltest du dich zeitnah anwaltlich beraten lassen.

Die Erstberatung ist bei 190 Euro netto gedeckelt. Dafür beraten die Anwälte Sie in der Regel eine Stunde zu Ihrem Fall. Sie können abklären, ob es sich lohnt, eine Klage einzureichen oder welche Möglichkeiten Sie sonst noch haben.

Dr. Hermann Gloistein

Die Verfahrens- und Anwaltskosten kannst du annähernd selbst ausrechnen. Sie richten sich nach dem Streitwert, der in der Regel bei dem dreifachen Bruttolohn liegen. Achtung: Du kannst auch ohne Anwalt vors Arbeitsgericht ziehen, Arbeitgeber die schnell und ungerechtfertigt kündigen, sind aber in der Regel sehr gut vorbereitet. Du hast bis zur Einreichung der Klage drei Wochen nach dem Kündigungstermin Zeit.

Wer kann dir sonst noch helfen?

In einer größeren Firma helfen Betriebsrat oder auch die Gewerkschaft. Ansonsten bist du mit einer Arbeitsrechtschutzversicherung gut beraten. Wichtig: Verschwende nicht zu viel Kraft bei der Auseinandersetzung mit deinem alten Arbeitgeber, konzentrier dich lieber nach vorne, auf ein neues, besseres Arbeitsverhältnis.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Juli 2020 | 10:45 Uhr

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