Kundenaccounts bei Streaming-Portalen teilen

04.04.2019 | 02:10 Uhr

Amazon Video-Icon auf einem auf einem Smartphone 1 min
Bildrechte: IMAGO

MDR JUMP Do 04.04.2019 02:10Uhr 00:58 min

Audio herunterladen [MP3 | 921,4 KB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 1,8 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.jumpradio.de/podcasts/quicktipp/kundenaccount-teilen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Streaming-Dienste für Musik, Sport und Video sind beliebt. In vielen Haushalten gibt es Abos für mehrere Anbieter. Spotify, Amazon Prime, Netflix oder Apple Music – die monatlichen Kosten schießen dadurch schnell in die Höhe. Eine Möglichkeit zum Sparen ist die gemeinsame Nutzung eines Accounts, das sogenannte Account-Sharing. Dabei gibt es allerdings Grenzen, und nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch legal.

So funktioniert es   

Die meisten Streamingdienste bieten verschiedene Accounts, also Zugänge, an. Damit kannst du ein, zwei oder noch mehr Geräte oft sogar gleichzeitig nutzen. Willst du deinen Account teilen, musst du entweder die Zugangsdaten an deine Mitnutzer weitergeben, also zum Beispiel E-Mail und Passwort, oder du richtest den Zugang auf deren Geräten einmalig ein. Dann müssen sich die anderen dort nur noch einloggen.

Die Dienstleister

Im Filmbereich sind Maxdome, Netflix und Amazon Prime die großen Player. Ab rund 8 Euro monatlich bekommst du dort Zugang zu riesigen Videotheken, bei Amazon gibt es noch Musik zum Streamen. Maxdome bietet nur einen Account an, der darf auf fünf Geräten genutzt werden, davon können aber immer nur zwei gleichzeitig laufen und nicht mit dem gleichen Inhalt. Anderes Modell bei Netflix: Hier hast du die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Account–Arten. Im Premium-Bereich darst du für rund 14 Euro pro Monat (Stand März 2019) auf bis zu vier Geräten gleichzeitig in HD-Qualität Filme gucken.

Kopfhörer hängen vor einem Smartphone, auf dem das Logo vom Musik-Streaming-Dienst Spotify angezeigt wird.
Bildrechte: dpa

Im Musik-Bereich bieten Spotify, Google-Play Music und Apple Music für knapp 10 Euro ein Einzelabo, ab knapp 15 Euro gibt es dann bei allen drei Anbietern einen Familientarif. Bei Spotify und Google-Play-Music dürfen dabei bis zu sechs Leute gleichzeitig streamen, bei Apple Music "nur" fünf. Achtung: Bei Amazon Prime gibt es für 7,99 Euro pro Monat oder 69 Euro im Jahr nicht nur Musik und Filme, sondern auch noch Versandvorteile.

Im Prinzip bieten alle großen Streamingdienstleiter also ähnliche Pakete an. Die Nutzungsmöglichkeiten unterscheiden sich ein wenig und ändern sich, dem Marktkampf geschuldet, regelmäßig und in kurzen Fristen. Da musst du bei der Suche genau vergleichen, was du von deinem Anbieter willst. 

Mit wem du teilen darfst

Grundsätzlich darfst du einen Familienzugang oder ein Premium-Abo mit Mitgliedern deiner Familie teilen.

Das ist in der Regel in den allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert, und da sollten Sie sich dran halten.

Nico Jurran, Fachredakteur des Technik-Magazins C’t

Der Begriff Familie wird aber von den Anbietern verschieden definiert. Apple etwa erlaubt seinen Nutzern die "Familie" nur einmal in 90 Tagen zu ändern. Hier ist der Begriff eher mit Freundeskreis gleichzusetzen. Bei Spotify etwa sollten alle Kontoinhaber die gleiche Adresse haben, bei Netflix müssen alle dem gleichen Haushalt angehören. Ob der unter der gleichen Adresse geführt wird, ist dabei nicht ganz klar. Die AGBs  haben hier also eine Art Grauzone. Fakt ist: Alle Nutzer müssen im gleichen Land sein. Und: In der Zukunft wird es strenger.

Bei Netflix geht die Planung ganz klar dahin, dass alle Nutzer unter der gleichen Adresse wohnen müssen, wenn sie denn einen Account teilen wollen und das bekommen die Anbieter auch sehr leicht raus.

Nico Jurran

Unerlaubtes Teilen wird schwerer gemacht     

Eine neue Software soll es den Anbietern ermöglichen, rauszufinden, wer seinen Account unerlaubter Weise teilt. Unser Experte:

Allgemeine Geschäftsbedingungen
Bildrechte: Colourbox.de

Die Anbieter bekommen über diese neue Software ganz einfach raus, ob Sie für Ihren Zugang verschiedene IP-Adressen verwendet haben, also an verschiedenen Plätzen waren. Der zugehörige Algorithmus errechnet dann, wie wahrscheinlich es ist, dass der Account nur von Ihnen verwendet wurde.

Nico Jurran

Noch ist die Software nicht im Einsatz, sie soll aber in diesem Jahr zumindest von Netflix eingesetzt werden. Und ein bisschen Big-Brother ist aktuell durchaus möglich.

Netflix sieht jetzt schon, wenn Sie zeitnah von verschiedenen Orten mit einem Account schauen. Vorerst bekommen Sie da meist eine Warnung, weil es ja sein könnte, dass jemand Ihre Zugangsdaten geklaut hat.

Nico Jurran

Und wenn die Anbieter dann den Verdacht haben, dass du deinen Account unrechtmäßig teilst, dann gehen sie dagegen vor. Zunächst mit einem netten Hinweis, dass du dich nicht an die AGBs hältst. Ignorierst du die Hinweise, werden Konsequenzen gezogen, sagt Nico Jurran:

Die Anbieter wie Netflix haben ganz verschiedene Eskalationsstufen. Die werden im zweiten Schritt immer versuchen, Ihnen den Hauptzugang zumindest zeitweise zu sperren um Ihnen so das Leben schwer zu machen. Und das kann dann schon nerven, wenn die anderen über Ihren Account noch gucken können und Sie nicht.

Nico Jurran

Wenn nichts funktioniert, wird dir schließlich dein Account gekündigt.

Ernste zivil- oder strafrechtliche Folgen erwartet der Fachredakteur des Technik-Magazins C’t zunächst nicht:

Genau kann man das aber nicht sagen. Eine Ausnahme bildet jetzt schon das unerlaubte Card-Sharing bei Pay-TV-Anbietern wie Sky. Bei deren Geschäftsmodell ist der einzelne Kunde ja viel mehr wert. Wenn Sie dort die Karte kopieren und unerlaubt nutzen, dann gehen die richtig hart auch strafrechtlich dagegen vor.

Nico Jurran

Darauf solltest du achten

Sollen mehrere Personen einen Account nutzen, richten sie sich, wenn möglich, jeweils eigene Profile ein. So bekommen sie nicht Inhalte oder Themen angeboten, die ihre Mitnutzer interessieren. Das ist vor allem auch dann zu empfehlen, wenn Kinder integriert werden. Richte, wenn möglich, Kindersicherungen für die entsprechenden Zugänge ein. So kommt dein Nachwuchs nicht mit verstörenden oder beängstigenden Inhalten in Berührung. Achte außerdem auf eine gute Internetverbindung. Wollen vier Leute zur gleichen Zeit über denselben Account einen Film in großer Auflösung schauen, dann brauchst du schon eine Downloadgeschwindigkeit von bis zu 100Mbit pro Sekunde.

Manche Inhalte kannst du dir auch zeitweise runterladen, um sie später offline anzuschauen. Teile diese Inhalte nie auf anderen Medien mit anderen Menschen. Unter Umständen verstößt du so gegen das Urheberrechtsgesetz und das kannst tatsächlich bestraft werden. Achte beim Teilen vor allem auch auf die Zahlungsmodalitäten. Gibt es zusätzlich zum kostenlosen Streamen noch bezahlpflichtige Angebote und läuft der Bezahlvorgang grundsätzlich über dein Konto, dann musst du sehr großes Vertrauen zu deinen Mitnutzern haben. Kontrolliere bei diesem Modell des Teilens regelmäßig dein Konto.

Fazit

Wenn du dein Streaming-Account teilen möchtest, wähle die für dich geeignete Variante aus. Bezahle lieber den vollen Preis für ein Familien-Abo. Das ist bei derzeitigen Kosten und Leistungen immer noch sehr günstig. Achte auf eine ausreichend gute Internetanbindung. Halte dich immer an die Allgemeinen Geschäfts- beziehungsweise Nutzungsbedingungen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 04. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 02:10 Uhr