Lackversiegelung – Nützlicher Schutz oder Geldverschwendung?

Eine extra Schutzschicht soll den Autolack gut vor Schmutz, Split, Wintersalz und auch Pollen schützen. So werben Autoaufbereiter und Waschanlagenbetreiber für Lackversiegelungen. Die kosten je nach Autogröße zwischen 100 und 300 Euro, sollen dafür aber auch bis zu drei Jahre Schutz bieten.

Was genau ist eine Lackversiegelung?

Das ist vereinfacht gesagt ein Wachs, das nach dem Polieren auf den Klarlack des Autos aufgetragen wird. Damit werden unter anderem kleine Poren im Lack versiegelt, in denen sich Schmutz festsetzen kann. Zudem lässt sich der Autolack leichter reinigen. Manche Anbieter der Versiegelungen sprechen daher auch vom „Lotuseffekt“. Wasser und auch Schmutz perlen einfach vom Lack ab. So eine Versiegelung kann auch schon mit einem vergleichsweise einfachen Heißwachs gemacht werden, das gleich in der Autowaschanlage mit auf den Lack aufgesprüht wird. Mike Busch von den Waschprofis.de aus Dresden versiegelt auf Kundenwunsch Autolacke und sagt:

Mike Busch, Waschprofis.de aus Dresden
Bildrechte: Waschprofis.de

Das einfache Wachs ist nicht unbedingt schlecht. Aber das wird meist bei der nächsten Autowäsche schon mit den Reinigern wieder runtergeholt. Langzeitwachse dagegen können das gut ab. Mit denen kann man auch in die Autowäsche fahren, ohne dass dem Lack was passiert und das Wachs wieder runtergeholt wird.

Bei teureren Wachsen, die auch als „Nano-Versiegelung“ oder „Keramik-Versiegelung“ bezeichnet werden, hält der Lackschutz dagegen bis zu drei Jahre. Dabei kommt es aber darauf an, wie oft ein Auto gewaschen wird. Oder ob es in der Garage oder auf der Straße parkt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Lackversiegelung?

Die meisten Kunden bringen ihre Autos im Frühling oder im Herbst zu ihm, sagt Mike Busch:

Im Herbst fängt es langsam an kalt zu werden. Die Lackversiegelung schützt dann gegen das Salz, was im Winter auf die Straßen kommt. Im Frühling hat man dann den Pollenflug und im Sommer die Insekten, die auf dem Lack landen. Das brennt sich dann relativ schnell in den Lack rein.

Wer wissen will, ob der Autolack noch glatt genug und gut geschützt ist, kann einen einfachen Test machen. Katharina Lucà vom ADAC sagt:

Katharina Lucà, ADAC-Unternehmenssprecherin
Bildrechte: ADAC

Wenn Wasser am Lack nicht mehr abperlt und nur noch abfließt, ist praktisch der Schutz im Lack etwas verringert.

Das wäre dann ein guter Zeitpunkt für eine Lackversiegelung. Die lohne sich auch, wenn ein Auto verkauft werden soll, sagt Mike Busch. Wenn der Lack gut aussehe und glänze, könne ein Fahrzeug meist auch für etwas mehr Geld verkauft werden.

Für welche Autos ist die Versiegelung sinnvoll?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Der Lack moderner Autos sei zwar insgesamt „besser“, sprich haltbarer gegenüber Umwelteinflüssen geworden, sagt Mike Busch von den Waschprofis.de. Er schränkt aber ein:

Wir haben unseren Sitz mit in einem Autohaus. Und wenn ein Neuwagen hier steht und es kommt Vogelkot drauf, dann setzt der sich auch bei modernen Lacken ganz schnell rein.

Ab Werk seien die meisten Autos nicht versiegelt. Bei Neuwagen sei zudem wenig Vorarbeit fürs Versiegeln nötig. Das ist bei schon leicht verwitterten oder verblassten Lacken anders. Besonders den einfacheren „Unilacken“ oder auch Zweikomponenten-Lacken sind die Jahre in der Sonne oft schon von weitem anzusehen.

Das kennt man ja von den Unilacken: Die roten und die blauen, die werden dann hellrot und hellblau. Da bereitet man erst den Lack auf, dass der wieder dunkel ist und dann versiegelt man den. Und dann bleicht der nicht wieder so schnell aus. Die Versiegelung schützt auch gegen die UV-Strahlung von der Sonne.

Auch die Mattlacke meist etwas teurerer Fahrzeuge können versiegelt werden, sagt Mike Busch.

Da ist aber wirklich reine Handarbeit. Das ist ein sehr dickes Wachs und das muss man Bauteil für Bauteil auftragen. Und dann die Reste sozusagen runterpolieren. Weil man das schwierig sieht auf den Mattlacken.

Bei diesen Lacken kann der Profi nicht mit der Maschine arbeiten.

Wieviel kostet eine Lackversiegelung?

Das kommt auf die Größe des Fahrzeuges, die gewünschte Haltbarkeitsdauer der Versiegelung und die Art des Lackes an. Ab rund 100 Euro aufwärts kostet die Arbeit vom Profi an einem Kleinwagen. Bei einem etwas größeren Familienvan beginnen die Preise fürs Versiegeln bei 130 bis 150 Euro für ein einfaches Polymer-Wachs. Dafür ist der Lack dann bis zu sechs Monate geschützt. Für Nano-Versiegelung werden rund 100 Euro mehr und für eine Keramik-Versiegelung rund 300 Euro mehr fällig. Für letztere brauchen Aufbereiter aber auch rund einen Tag.

Kann man die Lackversiegelung auch selbst zu Hause machen?

In Baumärkten, im Zubehörhandel und online gibt es Lackversiegelungen, die laut Werbung auch Laien anwenden können. Solche Sprühwachse für eine Keramikversiegelung hat unter anderem die Zeitschrift Autobild getestet. Die Tester haben eins von zehn Produkten mit „Sehr gut“ und zwei weitere mit „Gut“ bewertet. Wer selbst den Autolack versiegeln will, sollte aber sehr sorgfältig arbeiten, rät Katharina Lucà. Wichtig sei vor allem, den Lack vorab ganz sorgfältig zu reinigen.

Wenn man stärkere Verschmutzungen hat, wie Insektenreste, Harz oder Tier, die muss man mit den richtigen Produkten entfernen. Die Oberfläche des Lackes muss wirklich sauber sein, sonst entstehen Kratzer.

Die Versiegelung sollte besser nur bei trockenem Wetter und milden Temperaturen aufgebracht werden. Das Wachs könne bei Kälte nicht richtig austrocknen. Bei Hitze ziehe es möglicherweise zu schnell ein und bilde Riefen. Waschprofi Mike Busch rät Anfängern ganz davon ab, den Lack selbst zu versiegeln.

Der Lack muss halt rein und sauber sein und da kann man viel falsch machen. Selbst wenn man sagt, dass man den vorher mal selbst aufpoliert, da hat man schnell solche Hologramme drin im Lack.

Diese Spuren von der Poliermaschine sind im Sonnenlicht sichtbar und sehen unschön aus. Für das Polieren ohne Hologramme sind viel Routine und Geschick nötig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. November 2021 | 11:45 Uhr

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