Luftreiniger für zu Hause: Wie gut filtern sie Staub, Krankheitserreger und Gerüche?

Wer seine Wohnung mit einem Luftreiniger ausstattet, ist seltener krank und leidet weniger an Allergien. So werben die Hersteller für ihre Geräte. Die sollen neben Staub, Viren und Bakterien auch Tierhaare, Zigarettenrauch und unangenehme Gerüche aus der Luft filtern.

„Luft wird gut gereinigt“

Ein Vorfilter fängt grobe Fusseln ein, dahinter stoppt ein Filter aus feinen Fasern Feinstaub, Pollen und selbst winzige Krankheitserreger. Ein dritter Filter mit Aktivkohle bindet dann schließlich unangenehme Gerüche und schädliche Lösungsmittel. So funktionieren laut Stiftung Warentest Luftreiniger für zu Hause. Mit der Dreier-Filter-Kombination können zumindest einige Geräte tatsächlich für eine messbar bessere Luftqualität sorgen. Das zeigt der Test von Stiftung Warentest (Januar 2021). Danach fangen viele Geräte vor allem Blütenpollen gut in ihren Filtern ein. Bei Zigarettenrauch schneiden dagegen nur manche Luftreiniger gut ab. Bei Formaldehyd schließlich lieferten alle Geräte schwache Ergebnisse. Im Test war nach dem Filtern nicht einmal die Hälfte des Gases weg, das etwa aus Lacken oder Klebern von Möbeln austreten kann.

Drei mit „gut“ bewertete Luftreiniger schickte Stiftung Warentest in einen Nachtest. Die Geräte ab 250 Euro aufwärts sollten zeigen, ob sie auch Viren und Keime aus der Raumluft einfangen können. Zumindest mit neuen Filtern schafften das die Geräte von Philips, Rowenta und Soehnle gut und filterten mehr als 90 Prozent der Aerosole mit Viren aus der Luft. Mit einem schon etwas älteren Filter lieferte nur der Philips-Luftreiniger im Aerosol-Test noch gute Ergebnisse. Das Ansteckungsrisiko durch das Coronavirus können die Geräte also nur senken aber nicht ganz ausschließen.

Allergiker leben mit Luftreinigern zumindest etwas leichter

In der Werbung für ihre Luftreiniger versprechen manche Hersteller, dass ihre Geräte 99,95 Prozent der Schmutzpartikel aus der Raumluft entfernen können. Solche Werte würden aber nur unter optimalen Laborbedingungen erreicht, sagt Mariella Wendel vom unabhängigen Verbraucherportal homeandsmart:

Mariella Wendel
Bildrechte: homeandsmart

Wenn die Räume verwinkelt sind und die Luft darin schlecht zirkuliert oder wenn das Gerät ungünstig in einer Ecke platziert ist, das kann die Effizienz schnell herabsetzen.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Krankheitserregern oder allergieauslösenden Stoffen wie bestimmten Eiweißen an Tierhaaren können die Geräte schon bauartbedingt gar nicht bieten. Sie filtern schließlich nur Luft und wischen keinen Staub.

Die Luftreiniger entfernen keine Hundehaare unterm Sofa, Pollen auf der Fensterbank oder den Staubfilm am Regal. Da besteht also weiterhin die Gefahr allergischer Reaktionen bei Berührung.

Krankheitserreger können zudem über Schmierinfektionen übertragen werden. Auch davor schützen die Luftreiniger nicht.

Wie unterscheiden sich Luftreiniger für zu Hause von Profigeräten für Restaurants und Schulen?

Geräte für den professionellen Einsatz kosten schnell mehrere tausend Euro und sind damit deutlich teurer als Luftreiniger für die Wohnung oder das Haus. Beim Filter-Prinzip selbst gibt es gar keine großen Unterschiede, sagt Mariella Wendel. Die Profi-Geräte können aber auch große Räume in kurzer Zeit „durchfiltern“.

Die Profigeräte haben einen sehr viel höheren Luftdurchsatz und deutlich mehr Power. Um Coronaviren zu bekämpfen, muss ein Luftreiniger beispielsweise in der Lage sein, die Raumluft in einer Stunde sechsfach durch einen HEPA-Filter der Klasse 13 oder 14 zu drücken.

HEPA steht im Englischen für „High Efficient Particulate Air (filter)“, also für einen „hocheffizienten Partikelfilter“. Mit HEPA-Filtern werden inzwischen selbst einige Staubsauger ausgestattet. Wichtig ist aber deren Leistungsklasse. Filter der Klassen 13 und 14 seien besonders empfehlenswert, sagt unsere Expertin. Diese Filter halten auch extrem kleine Partikel wie eben Viren zurück.

Darauf können Käufer achten

Stehen Luftreiniger in Klassenzimmern, Fitnessstudios oder Restaurants stehen, geht ihr Betriebsgeräusch im allgemeinen Lärm meist unter. Beim Einsatz im Wohn- oder Schlafzimmer ist das Surren aber oft deutlich vernehmbar und kann auch stören. Viele Geräte sind keine Leisetreter, warnen die Verbraucherzentralen. Sie raten, sich beim Kauf das Gerät der Wahl auf maximaler Leistungsstufe vorführen zu lassen. Auch auf den Stromverbrauch können Käufer achten. Im Dauereinsatz in der kalten Jahreszeit können Luftreiniger die Stromrechnung deutlich nach oben treiben. Bei den Leistungsangaben der Luftreiniger geben viele Hersteller an, wie viele Quadratmeter Wohnung ihre Geräte schaffen. Die Quadratmeterangabe sagt aber wenig aus, kritisiert Stiftung Warentest. Schließlich müssten die Geräte die Raumluft reinigen und dafür sei die Raumgröße von Zimmern oder Wohnungen in Kubikmetern wichtig. Für den Test wurde von 2,50 Meter Raumhöhe ausgegangen. Die Geräte auf den ersten drei Plätzen im Test konnten in zwanzig Minuten 90 Prozent der Luft auf über 20 Quadratmetern austauschen. Das wären also rund 50 Kubikmeter Luft, die gereinigt wurden. Schlechtere Geräte tauschten dagegen nur 25 Kubikmeter Luft aus. Das entsprach im Test nur einem rund zehn Quadratmeter großen Zimmer. Einige Hersteller arbeiten auch mit der Leistungsangabe „CADR“. Mariella Wendel sagt:

Das Kürzel steht für ‚Clean Air Delivery Rate‘. Dabei werden Raumgröße und gereinigte Luft in Volumen pro Zeiteinheit beurteilt. Je höher der CADR-Wert ausfällt, desto besser.

Zum Vergleich: Der von Stiftung Warentest mit „gut“ bewerte Philips-Luftreiniger hat einen CADR-Wert von 333 m³/h. Das mit „befriedigend“ bewerte Honeywell-Gerät hat laut Hersteller einen CADR-Wert von 204 m³/h.

Besonders saubere Luft mit Ozon und Ionisierung?

Einige Luftreiniger arbeiten zusätzlich mit Ozon oder UV-C-Licht. Andere ionisieren die Luft beim Filtern. Mit solchen Verfahren wird im großen Maßstab in Arztpraxen, Chemielaboren oder auch Schwimmbädern gearbeitet, um möglichst viele Schmutzpartikel und Krankheitserreger zu vernichten. Für Laien klingt das so, als würden auch die Luftreiniger für zu Hause für besonders reine Luft sorgen. Mariella Wendel sagt aber:

Oft ist der Reinigungseffekt von Ozon, Ionisation oder auch UV-C bei handelsüblichen Geräten allerdings nicht wirklich umfassend belegbar.

Die Verbraucherzentralen raten vom Kauf von Geräten mit Ozon, UV-C-Licht oder Ionisierung sogar ganz ab. Ozon in der Raumluft könne tränende Augen, Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen verursachen. Das Gas kann auch bei der Ionisation von Raumluft entstehen.

Das Ozon kann sich als starker chemischer Reaktionspartner in der Luft mit Zigarettenrauchpartikeln zu gesundheitsschädlichen Aerosolen verbinden.

Das Umweltbundesamt (UBA) sieht den Einsatz von Luftreinigern mit UV-C-Licht zumindest für den Einsatz zu Hause kritisch. Die energiereiche, violette Strahlung kann Augen und Haut schädigen. Beim privaten Einsatz kann laut UBA nicht sichergestellt werden, dass die Geräte sachgerecht genutzt und gewartet werden.

Filter müssen regelmäßig getauscht werden

Der Test von Stiftung Warentest hat auch gezeigt, welchen Einfluss die Filter auf die Leistung der Luftreiniger haben. Die müssen regelmäßig getauscht werden.

Gute Luftreiniger haben eine Filterwechselanzeige, die beispielsweise per Blinklicht an den Wechsel erinnert. Grundsätzlich gilt dabei: Je hochwertiger und teurer ein Filter, desto seltener muss er meist ausgetauscht werden.

Je nach Gerät können die Vorfilter für die groben Fusseln mit dem Staubsauger gereinigt oder ausgewaschen werden. Die Filter für sehr kleine Teilchen dagegen müssen wirklich gewechselt werden. Das kann ins Geld gehen. Zwischen 40 und 100 Euro kosten die Filtereinheiten. Bei den Geräten für zu Hause können Nutzer die Filter meist selbst austauschen. Bei den teuren Luftreinigern für Schulen oder Restaurants muss dagegen meist der Profi ran.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Oktober 2021 | 11:45 Uhr

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