Mogelpackungen: Diese Tricks solltest du kennen!

06.05.2019 | 02:10 Uhr

Eine geöffnete Schachtel mit Karomuster. 1 min
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Umschau-Quicktipp Mogelpackungen

Mogelpackungen

MDR JUMP Mo 06.05.2019 02:10Uhr 01:09 min

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Wenn ein Produkt plötzlich teurer verkauft wird, fällt das auf. Die Kunden sind sauer und kaufen vielleicht das Konkurrenzprodukt. Deshalb lassen sich Hersteller und Händler unauffälligere Methoden einfallen, um die Preise zu erhöhen. Die Kunden bekommen meistens gar nicht mit, dass sich etwas am Produkt verändert hat, kaufen es trotzdem und zahlen somit den höheren Preis. Wir verraten dir, mit welchen Tricks gearbeitet wird und wie du es vermeiden kannst, darauf hereinzufallen.

Trick 1: Weniger Inhalt, gleicher Preis

Waschmittelregal im Supermarkt
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Einer der beliebtesten Tricks der Hersteller ist es, den Inhalt des Produkts zu verringern – nicht jedoch den Preis. Beispiel: Ein Waschmittel mit 20 Waschladungen Inhalt kostete immer 3 Euro. Nun reduziert der Hersteller den Inhalt auf 18 Waschladungen. Würde der Preis im Verhältnis gleich bleiben, müsste das Waschmittel nun nur noch 2,70 Euro kosten. Der Preis bleibt jedoch bei 3 Euro und der Hersteller hat somit klammheimlich eine Preiserhöhung von mehr als 11 Prozent durchgesetzt. Auch Lebensmittelhersteller nutzen diesen Trick ab und an, beispielsweise indem Käsescheiben plötzlich kleiner geschnitten werden. Die Anzahl der enthaltenen Scheiben bleibt zwar gleich, die Packung wiegt aber deutlich weniger als zuvor und wird zum gleichen Preis verkauft.

Trick 2: Der Preis wird angepasst, aber…

Nicht immer bleibt bei der Inhaltsänderung der Preis gleich. Manchmal wird der Preis tatsächlich auch an die Verringerung des Inhalts angepasst – jedoch nicht im gleichen Maß. Bleiben wir beim Waschmittel: Wird der Inhalt von 20 auf 18 Waschladungen reduziert, müsste der Preis von ursprünglich 3 auf 2,70 Euro gesenkt werden. Tatsächlich wird aber nur auf 2,89 Euro angepasst. Damit suggeriert der Hersteller dem Kunden, Inhalt und Preis wurden gleichermaßen herab gesetzt. Dass trotzdem eine Preiserhöhung vorgenommen wurde, wird verschleiert. Dieses Spielchen funktioniert übrigens auch anders herum: In den neuen Packungen ist mehr drin und der Preis wird angepasst, jedoch in einem deutlich höheren Maß. Wird das Waschmittel also plötzlich mit 22 statt 20 Waschladungen verkauft, wäre der neue, gerechte Preis 3,30 Euro. Der Hersteller erhöht ihn jedoch beispielsweise auf 3,39 Euro.

Trick 3: Luft in Tüten

Verkehrsschild Verbrauchertäuschung
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Bei diesem Trick handelt es sich sozusagen um eine optische Täuschung. Der Kunde geht gewöhnlich davon aus, dass das Produkt seine Verpackung ziemlich gut ausfüllt. Findige Hersteller gestalten die Verpackungen jedoch so, dass sie viel größer sind als es der Inhalt es erfordert. Da ist dann zum Beispiel in der Faltschachtel der Creme noch ein doppelter Boden oder in der Kakaodose sind zwischen Pulver und Deckel noch mehrere Zentimeter Platz. Die Enttäuschung beim Kunden ist entsprechend groß, wenn er die Verpackung öffnet und weniger Produkt als erhofft darin vorfindet. Das ist rechtlich zwar nicht ganz einwandfrei, denn laut Mess- und Eichgesetz dürfen Verpackungen "keine größere Füllmenge vortäuschen, als in ihnen enthalten ist". Weil es jedoch keine konkreten Festlegungen, ab wann diese Täuschung tatsächlich vorliegt, nutzen manche Hersteller diesen Graubereich. Laut Verbraucherzentrale Hamburg gibt aber eine interne Leitlinie der Eichämter vor, dass nicht mehr als 30 Prozent Luft in der Verpackung sein sollte.

Trick 4: XXL-Packung zu XXL-Preisen

Je größer die Abpackung eines Produkts, umso günstiger wird sein Grundpreis, könnte man meinen. Tatsächlich sind viele XXL-Packungen auch ein Schnäppchen, aber nicht alle. Einige werden unverhältnismäßig teuer verkauft. Bei Waschmittel halten die Hersteller einen besonderen Trick bereit: Sie strecken das Waschmittel in den Riesenpackungen mit Füllstoffen. Dadurch muss für eine Waschladung viel mehr Pulver oder Gel verwendet werden als bei dem gleichen Produkt in der kleineren Verpackung. Somit ist der Preis für eine Waschladung des XXL-Waschmittels teurer und die riesige Packung trotzdem schnell leer.

Trick 5: Aufpreis bei Sonderverpackungen

Besondere Anlässe erfordern besondere Verpackungen, denken sich die Hersteller. Regelmäßig vor Weihnachten, Ostern, Muttertag oder auch Fußballmeisterschaften werden Pralinen etwa nicht mehr wie sonst in rechteckige Schachteln, sondern in weihnachtsbaum-, eier- oder herzförmige gepackt. Die ganz gewöhnliche Schokolade bekommt einen Blumenaufdruck auf der Folie oder das Toilettenpapier wird mit Fußbällen bedruckt. Die Mottoverpackung ist in der Regel um einiges teurer als das herkömmliche Produkt mit dem identischen Inhalt.

So entkommst du den Verkaufstricks der Hersteller und Händler

Ein leeres Paket
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Die wichtigste Regel lautet: Lass dich nicht vom Gesamtpreis in die Irre führen! Es empfiehlt sich immer, den Grundpreis zu vergleichen. Die Preisschilder von Supermärkten und Drogerien enthalten unter dem eigentlichen Warenpreis etwas kleiner gedruckt die Angabe, wie viel das Produkt auf den Liter, das Kilogramm oder die Waschladung heruntergerechnet kostet. Das macht es einfacher, den Preis mit Konkurrenzprodukten zu vergleichen. Ist der Preis für das vermeintliche Schnäppchen wirklich günstig? Gibt es das gleiche Produkt noch in einer anderen, günstigeren Abpackung oder etwas von einem anderen Hersteller, was günstiger ist und mit dem du auch zufrieden bist? Du solltest immer abwägen: Bist du bereit, diesen Preis für dieses Produkt zu zahlen? Das gilt insbesondere auch für die hübsch verpackten Sondereditionen. Ist dir das Feiertags-Design den Mehrpreis wert – oder tut es nicht auch die Standardverpackung, die du selbst mit ein bisschen Kreativität zum saisonal passenden Geschenk machst? Wenn du die Preise für die Produkte kritisch unter die Lupe nimmst, kannst du die Fallen umgehen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 02:10 Uhr

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