Nachhilfeunterricht – welcher ist der beste?

Über eine Millionen Schüler gehen in Deutschland regelmäßig zur Nachhilfe – ob in Gruppen, beim Privatlehrer oder online im Netz. Wir erklären, worauf man bei der Suche nach dem passenden Nachhilfelehrer achten sollte.

ein Vater gibt seinem Sohn Nachhilfe 1 min
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MDR JUMP Fr 16.10.2020 10:45Uhr 01:12 min

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Wann braucht ein Kind Nachhilfe?

Nachhilfe soll Schüler bei den Hausaufgaben unterstützen, Schulstoff wiederholen und verständlich machen oder auf die nächste Klassenarbeit vorbereiten. Damit die Nachhilfe dem Kind wirklich etwas bringt und sich am Ende die Noten auch verbessern, muss das Kind selbst bereit sein, zu lernen und in die Nachhilfe zu gehen. Wichtig sei, ein Ziel für die Nachhilfe zu formulieren, empfehlen unsere Experten. Übrigens: Eltern sind meist nicht die besseren Nachhilfelehrer! Neben dem tatsächlichen Wissen, das dem Schüler vermittelt werden muss, mangelt es Eltern auch oft an Geduld und Zeit sowie an der pädagogischen Qualifikation.

Welches Angebot ist das Beste für mein Kind?

Eltern sollten nichts überstürzen und sich Zeit bei der Suche nach dem passenden Nachhilfe-Angebot nehmen. Dabei gibt es ein breites Spektrum: privat oder institutionell organisiert, Gruppen- oder Einzelunterricht, Präsenzstunde oder Onlinekurse. Die Angebote unterscheiden sich nicht nur finanziell.

  • Nachhilfe-Institute

Diesen Markt dominieren die beiden Anbieter Studienkreis und Schülerhilfe mit weit über 1.000 Niederlassungen bundesweit. Sie bieten in erster Linie Gruppenunterricht mit üblicherweise drei bis fünf Schülern an, die gleichzeitig durch einen Lehrer angeleitet und betreut werden. Hier kann es auch der Fall sein, dass Schüler aus unterschiedlichen Klassenstufen zusammen unterrichtet werden. Die Angebote eignen sich vor allem für Kinder, die sich in größeren Gruppen gut aufgehoben fühlen und dort gut lernen kennen. Wer sich nicht ganz sicher ist, kann bei vielen Anbietern auch erst einmal ein bis zwei kostenlose Probestunden in Anspruch nehmen. Nach der Gruppengröße sollten die Eltern aber unbedingt fragen. So kann man sicher gehen, dass das Kind nicht am Ende mit zehn anderen Schülern büffelt. Teilweise ist auch Einzelunterricht möglich. Auch sollte der Lehrer frei wählbar sein, so dass das Kind einen Lehrer hat, mit dem es auch wirklich lernen will.

Wirbt ein Unternehmen mit einer Zertifizierung, sollte jeder prüfen, welche Kriterien dabei herangezogen worden sind. Dabei sollte man auch wissen, dass Unternehmen für so eine Zertifizierung zahlen müssen: Kleine neu eröffnete Nachhilfeinstitute mit gut ausgebildeten Lehrern können sich diese Gebühr möglichweise gar nicht leisten. Es kann also auch durchaus gute Nachhilfeinstitute geben, die nicht zertifiziert sind. Normal sind Kosten in Höhe von rund 150 Euro im Monat für zwei Einzelstunden in der Woche und monatlich gut 100 Euro für zwei Stunden Nachhilfeunterricht in der Gruppe.

  • Privatlehrer

Eine Schülerin macht am Schultisch ihre Schulaufgaben, während eine junge Frau die Arbeit korrigiert.
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Privatlehrer gibt es pro Stunde meist ab 15 Euro aufwärts – je nach Ausbildung. Sie sind selbst bei hoher Qualifikation unter Umständen günstiger als die Institute, da für den privaten Nachhilfelehrer eine Nachhilfestunde meist eine volle und nicht eine Unterrichtsstunde à 45 Minuten bedeutet. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man mit ihm nicht zwangsläufig einen Vertrag schließen muss, demnach keine Mindestvertragslaufzeit hat und es auch flexiblere Regelungen bei Krankheit und in den Ferien gibt. Auch eine Aufnahmegebühr, wie sie an einigen Instituten verlangt wird, fällt weg. Da ein Privatlehrer nur einen Schüler vor sich hat, kann er in der Regel besser und individueller auf einzelne Schwächen eingehen. Schließlich ist Einzelunterricht immer gut geeignet und oft sogar notwendig, wenn ein Kind den Anschluss in einem Fach verpasst hat bzw. ein Stoffpensum schnell aufholen möchte. Zudem empfiehlt es sich für Kinder, die sich in größeren Gruppen nicht wohl fühlen oder die einfach einen großen Betreuungs- und Anleitungsbedarf haben.

  • Online-Nachhilfe

Schüler können auch im Netz Nachhilfe erhalten - in einem Medium, mit dem sie bestens vertraut sind und das als willkommene Abwechslung zum Frontalunterricht die Motivation erhöhen kann. Online-Nachhilfe-Angebote sind recht verschieden: Es gibt Lerntrainings mit Videos und Tests, Nachhilfestunden vom einem Lehrer via Skype oder Konversationstrainings etwa in einer Fremdsprache. Der Vorteil der Online-Nachhilfe liegt klar auf der Hand: Es kann flexibel zu jeder Zeit und von jedem Ort aus in Anspruch genommen werden. „Gerade wenn es darum geht, einzelne Fragen beantwortet zu bekommen, kann Online-Nachhilfe dem Schüler helfen, den Stoff zu verstehen. Allerdings haben unsere Experten die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, dass die Schüler im Rahmen der Nachhilfe Zeit haben, sich mit Hilfe der Unterstützung des Nachhilfelehrers den Stoff selbst zu erarbeiten. Das heißt: Der Schüler bespricht mit dem Nachhilfelehrer den Stoff, erhält Antworten auf Fragen und beginnt dann, eigenständig den Stoff zu erarbeiten. Stockt er zwischendurch, kann der Nachhilfelehrer ihm helfen, die nächste Hürde zu nehmen. Günstig ist Online-Nachhilfe auch nicht unbedingt: Bei einem Laufzeit-Vertrag für eine kontinuierliche und dauerhafte Unterstützung des Schülers müssen Eltern für eine Stunde in der Woche à 45 Minuten beispielsweise 18 Euro bei Studienkreis zahlen, einzelne Stunden ohne Abo kosten 25 Euro.  

Vertragsbedingungen genau lesen

Die beste Lösung für alle gibt es nicht: Grundsätzlich lässt sich sicherlich sagen, dass Einzelunterricht intensiver ist als Gruppenunterricht, und Online Nachhilfe-Angebote nur sehr begrenzt einzusetzen sind. Zudem sei es nicht empfehlenswert, das Kind einfach allein vor den Computer zu setzen. Damit ein Kind herausfinden kann, was ihm am besten gefällt, sollte man Probestunden in Anspruch nehmen. Wichtig ist, auf möglichst flexible Verträge zu achten und damit auf kundenfreundliche Regelungen bei Ausfall durch Urlaub oder Krankheit des Kindes. Teilweise gibt es sogar eine Geld-Zurück-Garantie, wenn sich die Noten nicht verbessern. Bei besonders günstigen oder gar Gratisangeboten rät der Bundesverbandes der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) zur Vorsicht: Während ein oder zwei kostenlose Probestunden zu einem seriösen Angebot gehören, sollten Eltern vorsichtig sein, wenn mehr gratis angeboten wird. Dann lohnt es sich, das Kleingedruckte sehr genau durchzulesen, um versteckte Kosten oder anderweitige Verpflichtungen zu finden. Der VNN rät zudem von langfristigen Verträgen ab.

Nachhilfe kein Dauerzustand

Elternverbände empfehlen allerdings, sich den Gang zu einer Nachhilfeschule gut zu überlegen. Denn es sei nicht unbedingt ratsam, zu früh zu viel Druck auf die Kinder auszuüben. Ein Crash-Kurs zum Füllen einer Wissenslücke, beispielsweise aufgrund einer Krankheit, sollte etwa zwei bis drei Monate mit jeweils zwei Stunden täglich dauern. Deshalb sind die Angebote der großen Institute auch nicht unbedingt zu empfehlen, wenn man sich für mehrere Jahre binden muss. Auch präventive Nachhilfe für gute Schüler, die ihre Noten halten sollen, raten Experten ab, denn das setzt unnötig unter Druck. Wird das Kind trotz Nachhilfe nicht besser, sollten Eltern darüber nachdenken, ob ein Schulwechsel ratsam ist. Abgesehen davon gibt es zahlreich Kritiker, die Nachhilfeunterricht in den Ferien ablehnen. Die sind schließlich zur Erholung da.

Fazit

In Deutschland können sich Eltern zwischen Nachhilfe-Instituten und privat organisierten Nachhilfelehrern sowie zwischen Einzel- und Gruppenunterricht entscheiden. Welches die beste Wahl ist, lässt sich pauschal nicht sagen, sondern ist stark von den Bedürfnissen des Schülers abhängig. Bevor ein Vertrag geschlossen wird, sollte man die verschiedenen Angebote genau vergleichen. Neben dem Preis sind auch die Vertragsbedingungen wie Laufzeit und Kündigungsfrist entscheidend. Wichtig ist es, auf möglichst flexible Verträge und kundenfreundliche Regelungen bei Ausfall zu achten. Zudem sollten Eltern Probestunden in Anspruch nehmen, um die Qualität der Angebote zu testen und um zu prüfen, ob die Chemie zwischen Nachhilfelehrer und Schüler stimmt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 16. Oktober 2020 | 10:45 Uhr

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