Nahrungsmittelallergien - Hilfe und Tipps für Betroffene

zuletzt aktualisiert: 28.08.2019 | 11:23 Uhr

Ein Mann mit einer Gasmaske hält einen Apfel. 1 min
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MDR JUMP Mi 28.08.2019 02:10Uhr 01:01 min

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Bei einer Allergie reagiert der Körper mit Beschwerden auf normalerweise harmlose Stoffe, auch Nahrungsmittel. Dabei spricht das Immunsystem nie auf das ganze Lebensmittel an, sondern nur auf einen bestimmten Teil eines Proteins, also einen kleinen Bestandteil des Lebensmittels, und versucht diesen abzuwehren.  Bei der ersten Reaktion mit dem Lebensmittel bildet der Körper spezifische Antikörper auf das Allergen. Erst wenn ein erneuter Kontakt mit dem Allergieauslöser stattfindet, kann es zu einer allergischen Reaktion kommen.

Auslöser

Neben einem Krug mit Milch liegen Eier
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Typische Auslöser sind Nüsse und Hülsenfrüchte, Hühnerei, Kuhmilch, Soja, Weizen, Kern- und Steinobst, Sellerie, Möhren, Fleisch, Fisch sowie Meeresfrüchte. Unverträglichkeiten wie Laktose- oder Fructose-Intoleranz, an denen das Immunsystem nicht beteiligt ist, zählen nicht zu Allergien. Veranlagungen für ein erhöhtes Allergierisiko können erblich bedingt sein. Auch Umweltfaktoren, wie eine übermäßige Hygiene, können diese Allergien begünstigen.

 Symptome: Allergische Reaktionen auf Lebensmittel können direkt nach dem Verzehr bis hin zu 72 Stunden auftreten. Sie sind nicht auf bestimmte Organe begrenzt. Symptome bei Nahrungsmittelallergien sind:

  • Reaktionen an den Atemwegen: Niesen, Fließschnupfen, Atemnot, Husten, Heiserkeit, pfeifende Atmung
  • Reaktionen an Haut und Schleimhäuten: Nesselsucht, Neurodermitis- Schub, Rötung, Juckreiz, Quaddeln, Schwellungen, Kribbeln
  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen
  • Beschwerden am Herz-Kreislauf-System: Schwindel, erhöhter Puls, Benommenheit, Kreislaufbeschwerden, Herzrasen, Ohnmacht, Bewusstseinseintrübung

Bei 20 Prozent aller allergischen Reaktionen wiederholen sich die Beschwerden nach einigen Stunden.

Der anaphylaktische Schock

Bei dieser schwersten allergischen Reaktion sind mindestens zwei Organsysteme betroffen, zum Beispiel Magen-Darm-Trakt und Haut, oder eine lebensbedrohliche Situation wie Atem- oder Herzstillstand tritt ein. Es muss sofort ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Treten Beschwerden im direkten Zusammenhang mit dem Verzehr eines bestimmten Lebensmittels auf, ist die Diagnose sehr einfach. Wenn allerdings der Zusammenhang von Essen und Symptomen schwankend verläuft, ist dies nicht so einfach. Dann sollte ein Allergologe aufgesucht werden. Der Spezialist hat mehrere Möglichkeiten der Diagnostik:

Ernährungstagebuch
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Anamnese mit Ernährungs-Symptom-Tagebuch
Hier führt der Patient genau Tagebuch über die verzehrten Nahrungsmittel und das Auftreten der Beschwerden. Der Arzt wertet diese dann in Bezug auf Zusammenhänge aus und bekommt so ein erstes Bild über mögliche Allergieauslöser.

Hauttests
Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Beim herkömmlichen Test wird das Nahrungsmittel als Extrakt oder naturbelassen auf die Haut aufgebracht. Nach 15 Minuten sieht der Arzt dann, ob die Haut eine Reaktion, zum Beispiel in Form von Quaddeln, auf das Nahrungsmittel zeigt. Beim Pricktest gibt der Arzt auf eine markierte Stelle jeweils einen Tropfen der zu testenden Allergenlösung. Daraufhin wird die Haut an dieser Stelle leicht angestochen, so dass das Allergen gut aufgenommen werden kann.

Blutprobe in einem Reagenzglas
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Blutuntersuchung
Auch über das Blut lässt sich eine Nahrungsmittelallergie erkennen. Ist eine entsprechende Allergie vorhanden, lassen sich spezifische Immunglobulin E (IgE)-Antikörper nachweisen. Zudem gibt es IgG-Tests, die Immunglobulin G nachweisen. Dabei testen Labore bis zu 300 verschiedene Nahrungsmittel. Da Patienten dies meist selbst zahlen müssen, ist die Methode aber recht teuer. Zudem raten allergologische Fachverbände davon ab, weil die Produktion von Antikörpern eine normale Reaktion des Körpers auf den Kontakt mit Nahrungsmitteln ist und dies allein noch kein Hinweis auf eine Allergie ist.

Klinische Diagnostik
Beim oralen Provokationstest kann schlussendlich festgestellt werden, ob ein Patient wirklich auf ein bestimmtes Nahrungsmittel allergisch reagiert. Unter ärztlicher Aufsicht nimmt der Patient das als Auslöser vermutete Nahrungsmittel zu sich. Zunächst nur eine sehr geringe Menge, die dann im Abstand von 30 bis 60 Minuten gesteigert wird. Vorher sollte der Patient keine allergischen Symptome aufweisen und eine mehrtägige Diät absolviert haben. Bei dieser Diät soll das als Allergieauslöser vermutete Nahrungsmittel weggelassen werden.

Behandlung

Einer Nahrungsmittelallergie beugt man am besten vor, indem man das entsprechende Lebensmittel meidet. Dies ist jedoch nicht immer einfach, gerade wenn es mehrere allergieauslösende Nahrungsmittel sind. Damit die Ernährung trotzdem abwechslungsreich und gesund bleibt, kann eine ernährungstherapeutische Begleitung helfen. Bei stärkeren Beschwerden verordnen Ärzte kurzfristig Medikamente – eine dauerhafte medikamentöse Behandlung findet nicht statt. 

Notfallmedikamente für den Ernstfall

Nicht immer sind einzelne Zutaten in Gerichten auch ohne weiteres erkennbar, zum Beispiel im Restaurant. So kann es trotz aller Vorsicht dazu kommen, dass der Allergieauslöser verzehrt wird. Deshalb raten Experten Allergikern mit lebensbedrohlichen Reaktionen, zum Beispiel Nussallergikern, immer ein Notfallset dabei zu haben. Dies enthält in der Regel ein Kortisonpräparat, ein Antihistaminikum und ein Präparat mit dem Hormon Adrenalin. Ganz wichtig: Vorher sollte ein Arzt die Anwendung genau erklären.

Immuntherapie

Die Hypersensibilisierung findet bisher nur in klinischen Studien statt, deren Ergebnisse stark schwanken. Gute Ergebnisse verspricht die orale Immuntherapie, bei der der Patient nach und nach an den allergieauslösenden Stoff gewöhnt wird und so toleranter darauf reagiert. Allerdings fehlen hier noch genauere Ergebnisse zur Langzeitwirkung.

Kann ich einer Nahrungsmittelallergie vorbeugen?

Einige Faktoren sollen bei Kindern trotz Veranlagung einen Allergieausbruch verhindern. Dazu zählt der Verzicht auf Haustiere, die Hausstaubmilbenbelastung gering halten und  Stillen des Säuglings für mindestens vier bis sechs Monate. Zudem sollten Eltern nicht rauchen. Bei Allergien  im Säuglings- oder Kinderalter besteht die Chance, dass sie sich mit den Jahren "verwächst". Besonders bei Kuhmilch-, Weizen-, Hühnerei-, und Sojaallergien ist diese Möglichkeit recht hoch. Hingegen halten sich Allergien von Erwachsenen gegen Nüsse, Fisch und Krebstiere häufig ein Leben lang.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 28. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2019, 02:10 Uhr