Nebenkosten bei günstigen Flügen: Darauf solltest du achten

08.01.2019 | 02:10 Uhr

Eine Buchungsbestätigung von Ryanair.com. 1 min
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MDR JUMP Di 08.01.2019 02:10Uhr 01:03 min

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In der Werbung oder auf Buchungsportalen im Internet wird immer wieder mit extrem günstigen Flügen gelockt. Die liegen dann im Extremfall 100 bis 200 Euro unter den Preisen, die beispielsweise die Airlines selbst für die Strecke verlangen. Doch die niedrigen Preise sind häufig nur Lockmittel der Anbieter. Diese versuchen dann, Reisenden mit zahlreichen Zusatzangeboten und Nebenkosten doch mehr Geld abzunehmen. Wir geben Tipps, wie man sich die teuren Zusatzkosten spart und möglichst günstig fliegt.

Fluglinien müssen Nebenkosten aufschlüsseln

In der Werbung wird mit Angeboten wie "Für einen Cent nach Zypern fliegen" gelockt. Beim Buchen kommen dann noch Luftverkehr- und Mehrwertsteuer und Flughafengebühren dazu und der Ticketpreis pegelt sich auf fünfzig Euro und mehr ein. Zumindest solche extremen Lockangebote hat der Europäische Gerichtshof letztes Jahr endgültig untersagt.

Jetzt muss der Endpreis inklusive Steuern und Gebühren angezeigt werden. Das machen die Fluggesellschaften in der Praxis auch

Alexander Koenig, Gründer von First Class & More, Beratungsportal für günstige Flüge

Nach dem EuGH-Urteil müssen zudem sämtliche Zusatzkosten von den Airlines transparent ausgewiesen werden. Auch Flugbuchungsportale und Reisebüros würden sich bis auf wenige Ausnahmen an die Vorgabe der Luxemburger Richter halten.

Es gibt aber immer noch einige obskure Reisebüros, die den Preis nicht transparent darstellen. Da werden beispielsweise Flugpreise ausgewiesen, die man nur erzielen kann, wenn man die hauseigene Kreditkarte des Anbieters nutzt.

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Gebühren für Gepäck und Sitz kennen die meisten Reisenden schon

Airlines und Flugbuchungsportale arbeiten inzwischen mit einer ganzen Liste von möglichen Zusatzleistungen, mit denen sie Reisende zu Mehrausgaben motivieren wollen. So erlauben viele günstige Fluglinien schon seit geraumer Zeit nur ein – vergleichsweise kleines - Gepäckstück. Wer mehr in den Urlaub oder auf den Kurztrip mitnehmen will, zahlt.

In Einzelfällen, wie etwa beim Billigflieger WizzAir, ist nur ein kleiner Rucksack als Handgepäck zugelassen. Wenn einem so etwas erst am Flughafen auffällt, fallen dann hohe Zusatzkosten an.

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Bei Ryanair etwa lägen die Gepäckkosten zwischen 15 und 35 Euro beim Vorabbuchen. Am Flughafen müssten Reisende dann 45 Euro für Gepäck zahlen. Reisende sollten also vorab im Kleingedruckten nachlesen, wie viel sie im Flieger mitnehmen dürfen. Wer sich vorab einen bestimmten Sitzplatz sichern will, zahlt ebenfalls.

Bei Ryanair etwa sind es zwischen drei und fünfzehn Euro, bei Eurowings fünf bis zwölf Euro.

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Flugpassagiere warten am Gepäckband auf Koffer
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Lassen sich Reisende dagegen einen Sitzplatz zuweisen, fallen dafür in der Regel keine Gebühren an.

Drängen auf Versicherungsschutz

Buchungsportale holen sich ihre Kosten bei günstigen Flugpreisen häufig über zusätzliche Versicherungen wieder rein. Dabei wird auf den Buchungsseiten offensiv für "Sorglos-Pakete" oder "Reiseschutz" geworben, die beispielsweise einen Rücktritts-, Reisekranken- und Gepäckschutz bieten.

Laut unserer Studie versucht mehr als die Hälfte der Flugbuchungsportale, recht penetrant Geld mit Versicherungen zu machen. Ein Beispiel sind die ehemaligen Unister-Portale wie Flug.de, Flüge.de, airline-direkt.de, flug24.de.

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Die genannten Anbieter warnten dann mit großen roten Boxen vor möglichen ernsten Folgen, wenn Reisende die Versicherungen ablehnen.

Wenn man die nimmt, dann hat man - und das wissen die wenigsten - oft gleich ein Versicherungsabo fürs Leben. Die Versicherung endet nicht mit der Reise, sondern wird automatisch immer nach Ablauf eines Jahres verlängert.

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Kreativ bei den Zusatzkosten

Mehrere Euro Aufschlag für die Zahlung mit Kreditkarte oder über Bankeinzug: Solche Gebühren für bestimmte Zahlungsmittel waren in den letzten Jahren üblich, dürfen aber nicht mehr erhoben werden. An die Vorschrift halten sich laut unserem Experten Fluggesellschaften und seriöse Online-Anbieter:

Bei manchen unseriösen Portalen kann es aber sein, dass die Zahlungsmittelgebühr durch einen Zahlungsmittelrabatt ersetzt wurde. Sie erhalten dann den beworbenen Preis auch nur mit einer bestimmten Kreditkarte.

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Auch bei großen Buchungsportalen gebe es immer noch Zusatzkosten, die völlig überflüssig seien.

Da werden vom Portal Gebühren für einen Online-Check-In aufgerufen, obwohl der beim Buchungsportal selbst komplett kostenlos ist. Oder es fallen Gebühren für einen SMS-Service bei Verspätungen an.

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Das kann richtig teuer werden

Im Extremfall können die genannten Zusatzkosten den vermeintlich günstigen Preis für einen Flug in ungeahnte Höhen treiben.

Ich hatte beispielsweise eine Reise von München nach Rom für 175 Euro gebucht. Dann hat man mir verschiedene Sachen als Sorgenfrei-Paket zugerechnet und dann wäre ich auf maximal 485 Euro gekommen, hätte man alle Optionen ausgewählt.

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Immerhin: Mit etwas Aufwand lassen sich alle diese Nebenkosten abwählen. Oft müssen dafür aber im Buchungsprozess die bereits gesetzten Häkchen für die Zusatzleistungen wieder entfernt werden. Seriöse Buchungsportale haben in der Regel solche Voreinstellungen für Nebenkosten nicht.

Preistreiber Umrechnungskurs

Buchen Reisende für einen Urlaub im Ausland dort einen Verbindungsflug, kommen häufig ohne ihr Wissen noch weitere Kosten obendrauf.

Da wird man immer gefragt, ob man in lokaler Währung oder in Euro bezahlen will. Tendenziell werden die meisten sagen, dass ihnen Euro lieber ist.

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Der Euro sei vertraut, die Buchung werde so aber teurer.

Dann wird nicht der aktuelle Referenzkurs für den Währungstausch genutzt, sondern es wird meist ein drei bis fünf Prozent schlechterer Kurs genommen. Der ist eine Art Kommission auf das Fremdwährungsgeschäft.

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Kundin benutzt Kreditkarte zum bezahlen.
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Bezahlt man dagegen mit Kreditkarte, fällt der Zuschlag mit maximal zwei Prozent extra deutlich geringer aus. Wer also im Ausland Flüge bucht, kommt mit einer Kreditkartenzahlung in Landeswährung deutlich günstiger weg.

Günstiger Flug dann doch nicht gebucht

Viele Reisende wissen nicht, dass sie bei manchen Portalen den vermeintlichen Schnäppchenflug gar nicht verbindlich buchen. Die Anbieter ziehen den Flugpreis ein, stellen aber nur eine Bestätigung über eine Buchungsanfrage aus.

Manche Reisebüros haben keine IATA-Lizenz und können daher keine eigenen Tickets ausstellen. Die müssen dann erst eine Anfrage beim Ticketaussteller rausschicken.

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Häufig komme es zu Verzögerungen von einigen Stunden. Ist danach das Flugticket nicht mehr zum angefragten und gewünschten günstigen Preis buchbar, wird die Anfrage abgelehnt. Dann kann der Reisende nur erneut buchen und bekommt dann den Flug in der Regel zu höheren Preisen. Hier hilft nur, vorab im Kleingedruckten nach einer IATA-Lizenz zu suchen.

Häufig kommt bei diesen Portalen dazu, dass man schon von vornherein einen abgelaufenen Flugpreis sieht. Weil diese Anbieter nicht an Global-Distribution-Systeme angebunden sind, die Flugpreise in Echtzeit ausgeben.

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Zusatzkosten, wenn die Reisepläne sich ändern

Müssen Flüge umgebucht oder storniert werden, können dafür auch noch hohe Zusatzkosten anfallen. Wer bei den Airlines direkt gebucht hat, kommt hier in der Regel etwas günstiger oder kann gleich ganz kostenlos die Flugreisen umbuchen. Bei Buchungen über Reiseportale verlangen die Anbieter meist noch Servicegebühren.

Ein Beispiel: Bei einem Flug von München nach Rom für 175 Euro beim Portal Flugladen.de kostet das Umbuchen pro Ticket 65 Euro. Aber in der Fußnote steht, dass weitere 55 Euro an Bearbeitungskosten anfallen. Und man zahlt – das ist so üblich – die Differenz der Buchungspreise für die Flüge.

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Am Ende kämen so für das Ändern der Flugreise mindestens 120 Euro an zusätzlichen Kosten dazu.

Wenn ihre Pläne noch nicht ganz so fest sind, dann sollten Sie direkt bei der Fluggesellschaft buchen und dort einen umbuchbaren Tarif wählen. Und das erleichtert auch das Stornieren und Umbuchen ungemein.

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Werden Flüge durch Reisende storniert oder von der Fluggesellschaft gestrichen, müssen übrigens alle Zusatzkosten mit erstattet werden. Dabei ist egal, ob es eine Sitzplatzreservierung, ein Gepäckaufschlag, eine Versicherung oder ein Entgelt für den Online-Check-In ist. Ausgenommen sind Stornierungsgebühren, wenn diese vorher angekündigt wurden.

Wie findet man den günstigsten Flug mit möglichst wenigen Nebenkosten?

Den einen perfekten Weg zum "Best-Preis" für das Flugticket gibt es nicht. Dazu konkurrieren einfach zu viele Anbieter um Reisende: Die Airlines selbst, Buchungsportale und auch noch Onlinereisebüros. Durch deren Ticketpreise, Zusatzgebühren und Allgemeine Geschäftsbedingungen müssen sich Kunden erst kämpfen.

Generell findet man auf Flugbuchungs-Portalen im Internet sehr oft günstigere Preise für den Flug als bei den Airlines, wenn man die Nebenkosten komplett beiseitelässt. Die Nebenkosten wiederum wie Sitzplatzreservierung oder Gepäckaufschlag sind meist bei den Fluggesellschaften selbst niedriger.

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Das Beratungsportal First Class & More hat aktuell (Oktober 2018) Flugbuchungsportale miteinander verglichen.

Auf den ersten beiden Plätzen sind da McFlight.de und Expedia.de. Bei beiden Portalen bekommt man keine Zusatzleistungen aufgedrängt. Das gilt auch für ebookers.de.

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Bei den Flugpreisen selbst schnitten die Portale flugladen.de und cheaptickets.de in der Untersuchung am besten ab. Dort müssen Kunden aber bei den Zusatzkosten sehr genau aufpassen und diese oft selbst abwählen. Sonst entstehen doch wieder hohe Kosten. Einen guten Überblick liefern zudem Internetseiten wie Skyscanner.de (https://www.skyscanner.de/) oder momondo.de (https://www.momondo.de/) die viele Angebote für günstige Flüge von Airlines und Buchungsportalen miteinander vergleichen. Dort können sich Kunden auch einen Preisalarm einrichten lassen, der per Mail oder per App auf besonders günstige Angebote hinweist.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 08. Januar 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2019, 02:10 Uhr

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