Paartherapie: Wann kann sie etwas bringen?

In Deutschland wird etwa jede dritte Ehe geschieden. Die Partner wollen nicht mehr miteinander leben, verstehen sich nicht mehr und können schon gar nicht miteinander reden. Wenn Paare sich trennen, dann geht dem meist eine lange Zeit der Entfremdung voraus. Oft haben in dieser Zeit ein oder beide Partner um die Beziehung gekämpft. Eine Paarberatung oder -therapie kann in solchen Fällen die letzte Rettung sein.

Ein Paar sitzt mit verschränkten Händen auf einer Couch 1 min
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MDR JUMP Fr 15.01.2021 10:45Uhr 01:09 min

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Wann ist Zeit für eine Therapie?

Jede Partnerschaft gerät mal in die Krise. Das aus eigener Kraft auszuhalten und zu überwinden, ist Teil einer gesunden Beziehung. Einer oder beide Partner können aber auch leiden. Das kann daran liegen, dass einer den Anderen ständig kritisiert, die Vorstellungen über Themen wie Urlaub, Wohnort oder berufliche Zukunft auseinander gehen. Hinzu kommen oft sexuelle Frustrationen. Im Ergebnis reden viele Paare einfach nicht mehr miteinander. Geklärt wird dann nur noch das Nötigste, das Alltägliche. Die Partner befinden sich in einer Schweige- und Frustspirale und fühlen sich vom anderen unverstanden und nicht mehr gesehen. Wenn sie aus solchen Sackgassen selbst keinen Ausweg finden, keine Gesprächsbasis, kann dieses Leiden einen Großteil ihres täglichen Erlebens ausmachen. Wird es so schlimm, dass es körperliche und seelische Auswirkungen gibt, zum Beispiel Schlafstörungen oder Angstzustände, dann wird es höchste Zeit, sich Hilfe zu holen.

Was passiert in einer Beratung/Therapie?

Bei einer Paar- oder Eheberatung kommt es in erster Linie darauf an, die erwähnten Spiralen zu durchbrechen. Hier bekommt das Paar einen Raum, in dem es miteinander reden kann, betreut von einem neutralen Moderator. Er steuert das Gespräch und sorgt dafür, dass jeder zu seinem Recht kommt. Es kommt darauf an, in Ruhe zuzuhören, was den Partner stört oder frustriert, was er sich wünscht. Schon dieses Ausreden-Können und das Gefühl, dass einem zugehört wird, kann viel bewirken. Durch Verhaltens- und Paartraining können Wünsche und Probleme dabei noch stärker sicht- und fühlbar gemacht werden. Durch die gemeinsame Arbeit bekommt man auch Werkzeuge an die Hand, selber an den Konflikten zu arbeiten. Die Partner werden im Idealfall sensibel für das, was der Andere möchte. Will ein Partner zunächst nicht an einer solchen Beratung teilnehmen, kann auch einzeln begonnen werden.

Die Ehe- oder Paarberatung ist ganz stark vereinfacht gesagt, die sanfte Vorstufe der Paartherapie. Wenn tiefgreifende Ängste, Aggressionen oder andere Störungen für die Probleme eines Paares verantwortlich sind, wenn Reden und Zuhören allein nichts mehr bringt, dann gehört ein Paar in die Hände eines erfahrenen Psychotherapeuten. Der Begriff Therapie bedeutet, dass aufgrund einer vorher gestellten Diagnose ein Problem oder eine Krankheit auch im psychischen Sinne behandelt wird. Der Therapeut wirkt dabei direkt oder indirekt auf das Verhalten eines oder beider Partner ein. Das verlangt eine spezielle Ausbildung um psychologisch, therapeutisch arbeiten zu können.

An wen wende ich mich?

Ein kompetenter und gut ausgebildeter Berater oder Therapeut ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Beratung oder Therapie. Gute Berater findet man bei Organisationen wie Pro Familia, dem Diakonische Werk oder der Caritas. Sozialpädagogen, Erzieher oder auch Theologen mit entsprechender Zusatzqualifikation führen solche Beratungen durch. Einen kompetenten Therapeuten kann man beispielsweise über die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer oder die Beratungsstelle der Krankenkasse finden. Wenn man einen Ansprechpartner gefunden hat, wird ein erstes Treffen vereinbart. Dabei stellt man im besten Falle schnell fest, ob die Chemie stimmt, ob Vertrauen da ist und man sich öffnen kann. Ist das nicht der Fall, sucht man sich einen anderen Therapeuten. Wichtig: beide Partner müssen mit dem Therapeuten klarkommen und einverstanden sein.

Wie lange dauert die Beratung/Therapie?

Je nach Problem und Bereitschaft zur Mitarbeit können schon wenige Sitzungen ausreichen. Es können aber auch bis zu 20 oder mehr Sitzungen nötig sein.

Keine Erfolgsgarantie

Ein Paar hält Händchen
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Da viele Paare erst sehr spät zu einer Therapie gehen, sind Verletzungen und Konflikte oft schon sehr tief in der Partnerschaft verwurzelt. Laut diversen Angaben sollen aber 40- 50 Prozent aller Paare durch die Therapie eine Verbesserung ihres Verhältnisses erfahren haben. Im besten Fall wird das Paar gemeinsam wieder glücklich. Aber auch eine einvernehmliche Trennung kann ein positives Ergebnis einer Paartherapie sein. Hier muss ganz klar gesagt werden: eine Therapie ist kein Wundermittel. Beide Partner müssen aktiv an ihrer Beziehung arbeiten, damit es eine Verbesserung geben kann

Rechtzeitig Hilfe suchen

Fachleute beklagen, dass sich Menschen mit Beziehungsproblemen oft viel zu spät Hilfe holen. Besser wäre es, schon bei ersten ernsthaften Krisenanzeichen eine Beratung aufzusuchen, und nicht erst zu warten, bis sich die Konflikte völlig verhärtet haben. Helfen kann da auch ein Gesprächstraining in so genannten ELP-Kursen. Hier lernen die Paare, ihre Kommunikation zu verbessern, über ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu reden. Diese Kurse werden inzwischen deutschlandweit angeboten.

Die Kosten

Eine reine Paarberatung bei Familienverbänden ist in der Regel kostenlos, die Vereine und Organisationen bitten jedoch meist um eine Spende. Eine Paartherapie wird von der Krankenkasse nicht übernommen. Du musst pro Sitzung mit Kosten von 80 Euro bis 140 Euro rechnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 15. Januar 2021 | 10:45 Uhr

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