Pannenschutz fürs Fahrrad: Was hilft gegen platte Reifen?

03.07.2019 | 02:10 Uhr

Fahrradreifen und Scherben 1 min
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MDR JUMP Mi 03.07.2019 02:10Uhr 01:04 min

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Reifen mit verstärkter Lauffläche

Zahlreiche Hersteller haben inzwischen pannensichere Reifen im Angebot. Eine dicke Kautschuk-Schicht an der Lauffläche sorgt dafür, dass sich Glassplitter, Schrauben oder andere spitze Gegenstände nicht bis zum Schlauch durcharbeiten können.

Wenn man wirklich komplett gegen Pannen geschützt sein will, sollte man einen Reifen mit einer starken Schutzschicht verwenden. Das sind die mit fünf Millimetern, steht im Kleingedruckten.

David Koßmann, pressedienst-fahrrad

Standard seien drei Millimeter Schutzschicht.

defekter Fahrradreifen
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Der Schutz macht allerdings den Reifen schwerer und erschwert auch das Aufziehen etwas. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) rät in diesem Fall, etwas Geschirrspüler auf Felge oder Reifenflanke zu tupfen. Pannensichere Reifen mit dünner Schutzschicht gibt es ab 20 Euro, mit einer dickeren Schutzschicht können die Gummis auch mal 40 Euro kosten. Aus ADFC-Sicht lohnt sich der Aufpreis besonders bei Rädern mit Nabenschaltungen oder auch E-Bikes. Bei diesen Fahrrädern könne das Rad oft nur mit viel Aufwand ausgebaut werden.

Reifen mit Dichtmittel

Sogenannte "Tubeless-Reifen" besitzen ähnlich wie die meisten Autoreifen keinen Schlauch.

Wenn man den Schlauch wie beim Auto oder Motorrad weglässt, braucht man beim Fahrrad Dichtmilch. Dann bietet der Reifen auch Pannenschutz.

David Koßmann

Kleine Einstiche würden sogar schon während der Fahrt verschlossen.

Wenn man etwas größere Löcher hat, hört man oftmals ein bisschen Zischen und Sprudeln. Dann dreht man einfach den Reifen mit dem Loch nach unten, so dass die Dichtmilch dorthin laufen kann.

David Koßmann

Noch größere Schäden im Reifen können mit Tubeless-Flickzeug ausgebessert werden. Die Reifen ohne Schlauch werden vor allem von Mountainbike-Fahrern genutzt, setzen sich laut Koßmann inzwischen aber auch beim Rennrad durch.

Die laufen einfach sehr leicht, auch bei geringerem Luftdruck.

David Koßmann
auf dem Kopf stehendes Fahrrad
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Auch an Tourenräder könnten diese Reifen verbaut werden. Allerdings ist die Montage deutlich aufwendiger als bei herkömmlichen Reifen. Dazu kommt noch die Wartung: Die Dichtmilch im Reifen muss alle sechs Monate gewechselt werden. Die Reifen kosten für Mountainbikes ab 30 Euro aufwärts, für Rennräder ab 40 Euro.

Luftlos und pannenfrei

Ein Reifen ganz ohne Luft soll das Zaubermittel gegen platte Reifen sein: Bei Airless-Reifen ersetzt ein verformbarer Kunststoff den Schlauch.

Das erinnert etwas an Styropor. Mit dem Reifen kann man wirklich überall durchfahren und hat niemals einen Platten.

David Koßmann

Allerdings seien diese Reifen etwas schwerer und träger als die Variante mit Luft. Airless-Reifen gibt es für mehr als 80 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Montage beim Fachhändler.

Einlagen für den Reifen

Vergleichsweise günstig sind Nachrüstlösungen für den Pannenschutz. Zum einen gibt es für unter zehn Euro Pannenschutzbänder aus Kunststoff, die innen in die Lauffläche des Reifens gelegt werden.

Davon ist eher abzuraten, weil die sich im Reifen bewegen und damit auch Kraft schlucken.

David Koßmann

Er rät eher zu Nachrüst-Sets aus Schaumstoff, die neben der Lauffläche auch die Reifenflanke schützen.

Dann ist der Reifen nicht nur vor Einstichen sicher, sondern auch vor Durchschlägen, wenn man etwa mit wenig aufgepumpten Reifen auf den Bordstein drauf fährt und den Reifen zwischen Stein und Felge quetscht.

David Koßmann

Der Schaumstoff-Schutz zum Nachrüsten kostet rund 30 Euro pro Rad und kommt damit an die Preise für neue pannensichere Reifen ran.

Das ist eher was, wenn man den Reifen noch weiter fahren will, den man schon drauf hat.

David Koßmann
David Koßmann, pressedienst-fahrrad
David Koßmann vom pressedienst-fahrrad Bildrechte: Frank Stefan Kimmel

Radfahrer könnten Nachrüst-Lösungen auch selbst basteln, rät der ADFC. Dafür wird ein alter Schlauch der Länge nach aufgeschnitten, über den intakten Schlauch gestülpt und beides zusammen in den Reifen gelegt. Dabei müsse aber darauf geachtet werden, dass beide Schläuche sauber eingelegt werden. Sonst könne es Unwuchten geben.

Brauchen E-Bikes extra Pannenschutz?

Bei Rädern mit Elektromotor lohnt sich die Extra-Ausgabe für pannensichere Reifen besonders.

Da ist es umständlicher, einen Platten zu flicken.

David Koßmann

E-Bike-Fahrer sollten aber darauf achten, ob die Reifen für Fahrräder mit Zusatzmotor freigegeben sind. Die müssen bei Elektrorädern höhere Geschwindigkeiten und mehr Gewicht verkraften.

Hilft Pannenspray für unterwegs?

Ab fünf Euro aufwärts kosten Pannensprays, die bei platten Reifen einfach über das Ventil in den Schlauch gesprüht werden. Ein Dichtmittel soll dann die Löcher verschließen.

Wenn man einen Durchstich hat, von einer Reißzwecke etwa, dann kann das was bringen. Dann muss man aber trotzdem noch den Reifen aufpumpen, und dafür muss die Luftpumpe mit.

David Koßmann

Er rät zudem, immer auch Flickzeug und einen Ersatzschlauch mitzunehmen.

Wenn man unterwegs eine Panne hat, die man nicht beseitigen kann, zieht man den Ersatzschlauch ein. Den kaputten Schlauch kann man dann zu Hause flicken und wieder einsetzen.

David Koßmann

Richtige Pflege schützt auch vor Pannen

Reifen mit zu wenig Luft leiden und gehen schneller kaputt, wenn Radfahrer damit etwa über Kanten rollen. Der ADFC rät daher, in regelmäßigen Abständen den Luftdruck zu prüfen. Auf der Flanke der meisten Reifen ist aufgedruckt, wie viel Bar oder PSI nötig sind.

Da steht immer ein Minimum und ein Maximum: Minimum reicht, wenn man leicht ist, mehr Komfort oder im Winter mehr Traktion haben will. Maximum bringt was, wenn man schwerer ist, viel Gepäck dabei hat oder härter rollen will.

David Koßmann

Er rät zudem, die Flanken des Reifen regelmäßig auf Alterserscheinungen und die Laufflächen beim Radputzen auf Eindringlinge zu prüfen.

Fazit

platter Fahrradreifen
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Wer etwas mehr für pannensichere Reifen ausgibt, ein Pannenspray einpackt und immer auf den richtigen Luftdruck achtet, ist vergleichsweise sicher vor platten Reifen. Die wirklich hundertprozentig sicheren Lösungen sind aber noch recht teuer. Günstige Nachrüstlösungen sind meist nicht das Geld wert.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. Juli 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2019, 02:10 Uhr

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