Werbung im Netz: Warum werden mir immer genau diese Produkte angezeigt?

Personalisierte Internet-Werbung über das Kaufverhalten speichern zahllose Marktforscher - auf verschiedene Art und Weise versuchen die Firmen, viel über die Verbraucher herauszufinden und ihre Produkte möglichst genau auf sie zuzuschneiden.

Was sind Cookies?

Cookies speichern beim Surfen im Internet Daten auf der Festplatte des Nutzers – also auf deinem Computer. Eine Webseite kann damit etwa erkennen, ob jemand sie schon einmal besucht hat. Bei einem späteren Besuch der Webseite werden mit ihrer Hilfe die Nutzer und ihre Einstellungen wiedererkannt. Mit Hilfe von Cookies können aber auch individuelle Profile erstellt werden, die weitreichende Rückschlüsse über Surfverhalten, Vorlieben und Lebensgewohnheiten zulassen. Dieses Wissen wird dann etwa für personalisierte Werbung herangezogen.

Personalisierte Werbung - das Milliardengeschäft

Für die werbetreibende Wirtschaft ist die personalisierte Werbung bares Geld wert. Wenn ein Automobilhersteller seine Zielgruppe mit Online-Werbung erreichen will, musste er diese früher bei den einschlägigen Portalen schalten, die dann entsprechend teuer waren. Mit Hilfe der Profile erreicht er die Zielgruppe nun auch auf ganz anderen Webseiten mit günstigeren Angeboten.

Vor allem werden also Cookies dazu verwendet, Verbrauchern individuelle – also genau zugeschnittene - Werbung zu präsentieren. Daneben gibt es noch Cookies, die von anderen Internetseiten, als der besuchten, auf dem eigenen Rechner gespeichert werden. Diese Drittanbieter-Cookies werden nicht von den besuchten Webseiten selbst, sondern zum Beispiel von Unternehmen aus der Werbeindustrie gesetzt.

Mehr noch: Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android generieren eindeutige Werbe-IDs, die es Google und Drittanbietern ermöglichen, das Surfverhalten der Nutzer zu verfolgen, um sie gezielt mit Werbung anzusprechen. Die Folge: Wer sich bei Online-Suchmaschinen informiere oder im Netz Waren bestelle, erhält in der Folge - basierend auf dem eingegebenen Suchwort oder den georderten Artikeln - auch ungebeten teilweise personalisierte Werbung.

Bei personalisierter Werbung geht es darum, die Anzeigen besser auf die Interessen der Nutzer zuzuschneiden, statt sie nach dem Gießkannen-Prinzip mit Werbung zu berieseln. Anhand der besuchten Websites oder Daten von Plug-ins wie der „Gefällt mir“-Button kann man erkennen, ob sie sich zum Beispiel für Fußball, Kochen oder Mode interessieren. Dadurch bekommen sie dann quer durchs Netz entsprechende Werbung angezeigt.

Datenschutz: Nur notwendige Cookies zulassen

Browser wie Apple Safari und Firefox gehen gegen solche Werbecookies vor. Allerdings: Google schiebt nach Kritik unter anderem aus der Verlagsbranche den Plan auf, die Nachverfolgung des Nutzer-Verhaltens zu Werbezwecken im Webbrowser Chrome zu erschweren. Das Aus für sogenannte Cookies von Drittanbietern wie Datenhändlern oder Werbefirmen werde nun für Ende 2023 angepeilt, kündigte der Internet-Konzern an. Zuvor war Anfang 2022 im Gespräch.

Damit bekommen die Werbeindustrie und Webpublisher deutlich mehr Zeit, um die Personalisierung der Werbung durch datenschutzfreundlichere Verfahren zu ersetzen. Chrome ist der mit Abstand meistgenutzte Webbrowser mit einem Marktanteil von rund 65 Prozent. Konkurrenten argumentierten zudem, dass Google unter anderem als Entwickler des Chrome-Browsers und des Smartphone-Systems Android auch andere Wege habe, an Informationen über das Verhalten von Nutzern zu kommen.

Ohne Zustimmung keine Tracking-Cookies

Fakt ist: Cookies sind allgegenwärtig im Internet. Wer sie auf seinen Internetseiten setzen will, braucht nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aber in jedem Fall die aktive Zustimmung der Nutzer. Konkret ging es um den Streit zwischen dem Anbieter von Online-Gewinnspielen, Planet49, und dem Bundesverband der Verbraucherzentralen. Ein voreingestellter Haken im Feld zur Cookie-Einwilligung benachteilige den Nutzer unangemessen. Wenn ein Nutzer im vorliegenden Fall das voreingestellte Häkchen nicht entfernte, stimmte er einer Auswertung seines Surfverhaltens und interessengerichteter Werbung zu. Das ist nicht rechtens, so die Richter.

Mit Material der dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 14. September 2021 | 11:45 Uhr

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