Bei pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel auf Zutatenliste achten

Tabletten in den Farben gelb, rot und weiß sind farblich in Schichten getrennt zu einem Dreieck gelegt. 1 min
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MDR JUMP Mi 27.03.2019 02:10Uhr 00:57 min

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In Deutschland wurden 2017 in Drogeriemärkten, Apotheken und über das Internet Nahrungsergänzungsmittel für rund 1,2 Milliarden Euro gekauft. Den größten Anteil am Markt haben Vitaminpräparate. Jedoch steigt der Anteil der verkauften Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Inhaltstoffen. Hierbei sollte man aber genau auf die Zutatenliste achten.

Für pflanzliche Zusätze fehlen gesetzliche Regelungen

Als Nahrungsergänzungsmittel werden Produkte bezeichnet, die eine erhöhte Zufuhr von Nähr- und Wirkstoffen zum Stoffwechsel des Menschen bewirken. Rein rechtlich handelt es sich bei Nahrungsergänzungsmitteln um Lebensmittel. Per Gesetz ist derzeit nur festgelegt, welche der überwiegend künstlich hergestellten Vitamine und welche Mineralstoffe Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden dürfen. Pflanzliche Zusätze fallen dabei unter "sonstige Stoffe" und sind nicht gesetzlich geregelt.

Was sollte man über pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich wissen?

Sogenannte "Botanicals", also Nahrungsergänzungsmittel aus Extrakten von Pflanzen, Pilzen, Algen oder Flechten, werden von Millionen Deutschen eingenommen und verstärkt nachgefragt. Aus allen Teilen der Welt überschwemmen diese Speziallebensmittel in Form von Pulver, Kapseln, Pastillen oder Tabletten den Markt. Gerade bei pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln wird gern mit 'Natürlichkeit' geworben, was per se den Eindruck eines sicheren Mittels suggeriert. Doch in den vermeintlich harmlosen Mitteln stecken oft unerforschte und/oder giftige Substanzen.

Nahrungsergänzungsmittel müssen – im Gegensatz zu Arzneimitteln – kein staatliches Prüf- und Zulassungsverfahren durchlaufen und weder eine Wirksamkeit noch eine gesundheitliche Unbedenklichkeit nachweisen. Die Hersteller sind für die Sicherheit der auf den Markt gebrachten pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel verantwortlich. Kontrollen obliegen, wie bei anderen Lebensmitteln auch, der Lebensmittelüberwachung der Bundesländer und erfolgen nur stichpunktartig. Eine Kontrolle der übers Internet aus dem Ausland bezogenen Nahrungsergänzungsmittel erfolgt meist nur auf Anzeige.

Aufmerksam bei diesen pflanzlichen Inhaltstoffen!

Wer pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel kaufen möchte, sollte darauf achten, dass bestimmte pflanzliche Inhaltsstoffe nicht enthalten sind. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) stuft aktuell diese acht als gesundheitsschädlich ein.

Blaue Blütendolde des Eisenhuts
Hübsch, aber hochgradig giftig: der Eisenhut. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

  • Aristolochia (Aristolochia spp.): Die Pflanzen enthalten sogenannte Aristolochiasäuren, die für Nieren schädigend und krebserregend wirken und außerdem das Erbgut verändern. Alle Mittel, die Aristolochia enthalten, sind deshalb in Deutschland seit 1981 verboten.
  • Aztekensalbei (Salvia divinorum Eplin & Jativa): wirkt psychoaktiv und hat ein sehr hohes Missbrauchspotenzial.
  • Eisenhut (Aconitum spp.): Eisenhut ist hochgradig giftig. Eine Vergiftung durch diese Pflanze führt zu schweren Störungen von Herz-Kreislauf-System, Verdauungstrakt und Nerven und kann unter Umständen tödlich enden. Gegenmittel gibt es nicht.
  • Fingerhut (Digitalis spp.): auch Waldschelle, Unser-lieb-Frauen-Schuh oder Fuchskraut genannt, ist ein Wegerichgewächs und kommt in zirka 25 Arten vor. Alle Pflanzenteile sind hochgiftig und eine Vergiftung mit Fingerhut kann zum Tod führen.
  • Meerträubel (Ephedra spp.): Die meisten Unterarten enthalten Ephedrin oder ephedrinähnliche Verbindungen, die ähnlich wie Adrenalin wirken. Folglich kann eine Überdosierung zu Übelkeit, Angstzuständen und Herzrasen führen und lebensbedrohliche Folgen haben. Ephedrin und Mittel, die ephedrinähnliche Substanzen enthalten, sind deshalb verschreibungspflichtig.
  • Schlangenwurzel (Rauvolfia serpentina): Die Einnahme kann zu Depressionen, Angstzuständen, Kreislaufproblemen und parkinsonähnlichen Symptomen führen.
  • Weißer Stechapfel (Datura stramonium): Auch bei dieser Pflanze sind alle Teile giftig, insbesondere aber Wurzeln und Samen. Vergiftungen können auch hier tödlich sein. Heilkundlich finden die Blätter des Stechapfels Verwendung bei Asthma und Bronchitis.
  • Wurmfarn (Dryopteris filix-mas): Beim Wurmfarn sind besonders junge Pflanzen giftig, bei älteren die Wurzeln und Blattstiele. Vergiftungen führen zu Übelkeit, Durchfällen und Ohnmacht, lösen Krämpfe aus und können tödlich enden.

Eine weitere, laut BfR aufgrund ihrer psychoaktiven Inhaltsstoffe bedenkliche Pflanze, ist Khat (Catha edulis), auch bekannt als Abessinischer Tee. Der Wirkstoff in Kath ist Cathin, ein Amphetamin. Er erzeugt eine berauschende Wirkung. Deshalb sollte Khat als Droge eingestuft werden, so das BfR.

Für Erdstachelnuss (Tribulus terrestris), Geißkraut (Galega officinalis L.), Kudzuwurzel (Pueraria lobata), Schlafbeere (Withania somnifera), Wermut (Artemisia absinthium) und Yohimbe (Pausinystalia yohimbe) fehlen gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu eventuellen Gesundheitsgefahren. Bis diese vorliegen, sollten Nahrungsergänzungsmittel mit Bestandteilen dieser Pflanzen nicht eingenommen werden.

Worauf muss ich bei der Anwendung pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel achten?

Insbesondere, wer chronisch krank und/oder auf eine dauerhafte Medikamenteneinnahme angewiesen ist, sollte bei der Anwendung von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln Vorsicht walten lassen. Vor deren Einnahme ist es unerlässlich, sich nach möglichen Nebenwirkungen und/oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu erkundigen. Gingko-Produkte zum Beispiel können Einfluss auf die Wirkung blutverdünnender Medikamente haben. Ein Problem, das aufgrund der fehlenden, eindeutigen Kennzeichnung bei Nahrungsergänzungsmitteln auch häufig auftritt, ist, dass Verbraucher Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel verwechseln und von letzteren eine geprüfte Wirkung erwarten. Dieser Trugschluss wird oft durch die Aufmachung der Produkte und Werbung unterstützt. Keinesfalls sollte zugunsten von Pflanzenzubereitungen auf verschriebene Medikamente verzichtet werden, denn pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel können diese nicht ersetzen. Wer zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel nehmen möchte, sollte Art und Dosis mit seinem Arzt besprechen.

Fazit

Wenn man bei der Auswahl pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel auf die Inhaltstoffe achtet, sind sie nicht schädlich. Allerdings fehlen grundsätzliche Regelungen. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb gesetzliche Grundlagen für die Zulassung der Mittel und Positivlisten für Inhaltstoffe auf der Grundlage von Sicherheitsbewertungen. Auch eine regelmäßige Überwachung der Produktion und eine Kontrolle der Produkte, gerade bei importierten Mitteln, sind notwendig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 27. März 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 02:10 Uhr

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