Worauf es beim Beamer-Kauf ankommt

09.11.2018 | 02:10 Uhr

Die Auflösung

"Unter Full-HD, also 1.920 mal 1.080 Pixel, würde ich nichts mehr kaufen", sagt Ulrike Kuhlmann vom Computermagazin c't. Diese von aktuellen Flachbildfernsehern bekannte Auflösung liefern inzwischen auch schon günstige Beamer für 200 bis 300 Euro. Wer deutlich detaillierte Bilder in 4K-Auflösung möchte, muss derzeit noch sehr tief in die Tasche greifen. "Für einen echten 4K-Beamer muss man aktuell noch mindestens 4.000 Euro ausgeben", sagt unsere Expertin.

Deutlich günstiger sind Beamer, die mit Technik-Tricks dem Auge Bilder in 4K vorgaukeln. Die gibt es in der Preisklasse 800 bis 1.000 Euro. Manche dieser Geräte werfen die Filmbilder viermal hintereinander ganz schnell auf die Leinwand. Andere Beamer zeigen die Bilder zweimal hintereinander und verschieben dabei die Pixel ganz leicht. Diese Tricks werden oft auch als "Pseudo UHD" bezeichnet und bringen laut Experten etwas mehr Detailschärfe und bessere Kontraste und Farben. "Im Vergleich mit Full-HD profitiert die Auflösung davon tatsächlich ein bisschen. Das sind keine Welten, aber es ist schon ein bisschen besser", sagt c’t-Expertin Kuhlmann. Wer einen Beamer mit hochauflösenden Bildern nutzen möchte, braucht aber auch entsprechende Zuspielgeräte mit 4K-Technik oder Fernsehsender bzw. Streamingdienste mit sehr hoher Auflösung.  

Die Schnelligkeit

Beamer in einem Hotelkonferenzraum
Bildrechte: IMAGO

Anders als noch vor einigen Jahren schaffen inzwischen auch günstigere Beamer die schnellen Bildwechsel, die etwa für Sportübertragungen oder für Konsolenspiele wichtig sind. Die störenden Verwischer treten bei den aktuellen Geräten in der Regel nicht mehr auf. Kleine Ruckler etwa bei Kameraschwenks kann es aber immer noch geben. "Dagegen hilft eigentlich nur eine Zwischenbildberechnung, die das Ganze glättet. Diese Technik bieten aber erst Projektoren in einer höheren Preisklasse, so 800 bis 1.000 Euro", sagt Ulrike Kuhlmann.

Die Technik

Beamer-Käufer können sich zwischen Geräten mit LCD- und DLP-Technik entscheiden. Bei ersteren werden die Bilder über Flüssigkristalle erzeugt, bei letzteren mit Mikrospiegeln und rotierenden Farbrädern. "Bei den DLP-Beamern werden rot, grün und blau ganz schnell hintereinander auf die Leinwand geworfen", sagt unsere Expertin. Das Ganze passiere aber so schnell, dass es von den meisten Zuschauern nicht wahrgenommen wird.

"Manche Leute sehen aber aus dem Augenwinkel oder bei Kopfbewegungen das Bild dann doch so ein bisschen zerfallen - in seine einzelnen Farbbestandteile. Man nennt das Regenbogeneffekt und der kann nerven" sagt Ulrike Kuhlmann. Käufer sollten vorab testen, ob sie für diesen Effekt anfällig sind. Grundsätzlich sind im günstigen Segment DLP-Beamer bei Kontrast und Leuchtstärke etwas besser als LCD-Geräte.

Der Lüfter

Beamer-Nutzer müssen ein paar Technik-Nachteile in Kauf nehmen. Zum einen können selbst aktuelle Geräte noch mit Lüfter-Geräuschen nerven, die besonders in ruhigen Film-Passagen auffallen. Einige Geräte kühlen die verbaute Lichtquelle mit einem so starken Rauschen, dass sie selbst bei lauten Fußballspielen noch auffallen. Das störende Betriebsgeräusch ist vor allem bei vielen günstigeren Geräten unter 500 Euro ein Problem.

Laut dem aktuellen Test von Stiftung Warentest (Stand: Mai 2018) fallen in dem Punkt aber auch Geräte für mehrere tausend Euro negativ auf. Verbraucher können hier auf die von Herstellern angegebenen dB-Werte achten. Die Lautstärke der Lüfter wird zudem in den Beamer-Tests von c’t regelmäßig mit gemessen.

Die Helligkeit und der Schwarzwert

Anders als beim Kauf von Fernsehern müssen Beamer-Interessenten auch darauf achten, dass ihr Gerät der Wahl auch genug Leuchtstärke für ein Wohnzimmer bei Tag liefert. Die wird in Lumen angegeben. Für den Einsatz im leicht abgedunkelten Zimmer reichen rund 600 Lumen aus, für helle Räume sind mindestens 1.000 nötig. Soll der Beamer im Garten – etwa für das nächste Fußball-Highlight – genutzt werden, sollte das Gerät mindestens 2.500 Lumen liefern, rät Stiftung Warentest. "Außerdem sollte man beim Kauf auf den Schwarzwert achten. Da geht es darum, wie der Beamer dunkle Flächen darstellen kann", sagt Ulrike Kuhlmann. Günstigere Geräte zeigen häufig eher Grau als wirkliches Schwarz.

Die Beamer-Lampe

Projektoren
Bildrechte: imago/Westend61

In den meisten Geräten steckt eine sehr leuchtstarke Lampe, die aufwendig gekühlt und vorsichtig behandelt werden muss. "Da muss ich auch drauf achten, dass der Beamer nach dem Einsatz in Ruhe abkühlen kann und den darf ich dann auch nicht zu toll bewegen", sagt unsere Expertin. Je nach Gerät und Pflege hält die Lampe einige tausend Betriebsstunden durch. Ersatz kostet zwischen 70 und 170 Euro. Auf solche Folgenkosten sollte man beim Kauf schon achten. "Die Alternative wäre ein Gerät mit LED-Technik, die hält länger und ist auch unempfindlicher. Allerdings sind die die LED-Beamer zumindest in den unteren Preisklassen nicht so hell wie die Beamer mit der klassischen Lampe", sagt Ulrike Kuhlmann.

Das Objektiv

Beamer-Interessenten sollten auf auch darauf achten, welches Objektiv das Gerät ihrer Wahl hat und wie das zum eigenen Wohnzimmer passt. "Wenn der Abstand vom Gerät zur Leinwand ungefähr 3,50 Meter beträgt, dann muss das Bild vom Beamer die Leinwand aus dieser Entfernung natürlich auch ausfüllen", sagt Ulrike Kuhlmann. Alle Hersteller würden aber angeben, wie groß das vom Beamer projizierte Bild in welcher Distanz ist. Bei Geräten mit einem Objekt mit einem größeren Zoombereich müssen Käufer diese Rechenaufgaben nicht lösen. Unsere Expertin:

So ab 800 bis 1.000 Euro gibt es Geräte mit einem Zweifach-Zoom. Mit dem kann man das Gerät fast beliebig im Raum platzieren und das Bild passt fast immer in die Leinwand.

Die Anschlüsse

Für den Beamer-Einsatz ist immer auch zusätzliche Technik nötig. Die Geräte haben meist keinen eigenen Empfänger und müssen daher via HDMI-Kabel mit Receivern für DVB-T2-, Kabel- oder Satellitenfernsehen gekoppelt werden. Anders als viele moderne Smart-TV-Geräte können Beamer von Haus aus keine Inhalte von Netflix, Amazon und anderen Streaming-Diensten aus dem Internet abspielen. Dafür ist ein zusätzlicher Computer oder eine Konsole wie Playstation 4 oder Xbox One nötig, die diese Inhalte dann zuliefern. "Zumindest für den Einsatz am Notebook sollte der Beamer vielleicht auch einen VGA-Eingang haben. Viele haben noch Laptops mit VGA-Ausgang. Alternativ gibt’s aber auch Adapter", sagt Ulrike Kuhlmann.

Objektiv eines Diaprojektors
Bildrechte: imago/Peter Widmann

Beamer-Nutzer sollten zudem noch eine Soundbar oder eine Stereoanlage mit dem Gerät verbinden können. Die in den Geräten selbst verbauten Lautsprecher liefern meist keine gute Audio-Qualität. Dafür braucht der Beamer je nach Audiogerät wahlweise einen Klinkenausgang, Bluetooth oder einen HDMI-ACR-Anschluss. "Das steht für HDMI-Audio Return Channel, da muss ich keine zusätzliche Leitung legen", sagt Ulrike Kuhlmann. Auch das sollten Käufer vorab wissen: Beamer brauchen meist schon allein etwas mehr Strom als Fernsehgeräte. Die Zusatzgeräte treiben den Verbrauch noch mal in die Höhe. "Dann ist man schnell bei 300 Watt und das ist ungefähr dreimal so viel wie ein Fernseher braucht."

Die Leinwand

Soll der Beamer optimale Bilder liefern, muss noch eine zusätzliche Leinwand aufgehängt oder aufgestellt werden. "Die Leinwand minimiert Streulicht und damit wirken Kontraste und Farben besser", sagt Andreas Nolde vom Verbraucher- und Technikportal CHIP Online. Rund 200 Euro aufwärts kosten gute motorbetriebene Leinwände, bei denen sich die Falten vom Aufrollen schnell aushängen. "Alternativ kann man auch einen Rahmen aus dem Baumarkt selbst mit einer Leinwand bespannen", sagt der CHIP-Experte. Passende Leinwandtücher gibt es online schon ab 50 Euro pro laufenden Meter.

Fazit

Gute Beamer gibt es aktuell ab rund 400 Euro aufwärts. Mit einer hohen Auflösung steigt der Preis derzeit aber deutlich über 1.000 Euro. Bauartbedingte Nachteile wie Probleme bei Sportübertragungen und dunkleren Filmen oder nervige Lüftergeräusche haben die Hersteller mal mehr, mal weniger gut abgestellt. Trotzdem stehen auf der Negativ-Seite vieler Geräte weiterhin der Bedarf an Zusatzgeräten, der höhere Stromverbrauch und die Empfindlichkeit der Projektorlampe.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 09. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2018, 02:10 Uhr

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