Quicktipp Richtig handeln bei Blechschäden

Regel Nr. 1: Gefahrenstelle kenntlich machen

Ein Mann in Warnweste hat sein Auto auf dem Stadstreifen abgestellt und telefoniert an einer Notrufsäule. im Vordergrund steht ein Warndreieck.
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Auch wenn es sich vielleicht nur um eine leichte Berührung im fließenden Verkehr handelt: Im öffentlichen Verkehrsraum musst du immer dafür sorgen, dass du durch dein Verhalten dich selbst und andere nicht gefährdest und den fließenden Verkehr nicht behinderst. Bevor du also einen Schaden begutachtest, fotografierst oder mit dem andern Fahrzeugbesitzer Daten austauschst: Sichere zuerst die Unfallstelle! Schalte die Warnblinker an. Auf der Straße außerhalb geschlossener Ortschaften stellst du zusätzlich das Warndreieck mindestens 100 Meter vor der Unfallstelle auf. Im Ort reichen 50 Meter aus. Wenn du im Bereich Parkplatz, Fußweg, Straße fotografierst und das Auto untersuchst, ziehe dir die seit 2015 vorgeschriebene Warnweste an. Damit wirst du bis zu fünf mal schneller gesehen.  

Regel Nr. 2: Nicht voreilig vom Unfallort entfernen

Hast du ein anderes Fahrzeug beschädigt, beispielsweise auf einem Parkplatz, und der Fahrzeughalter ist nicht da, musst du auf ihn warten. Der berühmte Zettel hinter der Windschutzscheibe mit deiner Telefonnummer reicht nicht. Entfernst du dich einfach so, begehst du Fahrerflucht. Das gilt auch für einen einfachen Parkplatzrempler. Das kann dich Ordnungsgeld, Punkte in Flensburg, Fahrverbot, und möglicherweise deinen Versicherungsschutz kosten. Wirst du ausfindig gemacht und lässt der Geschädigte seinen Schaden in einer Fachwerkstatt aufwändig reparieren, kann deine Haftpflicht die Zahlung verweigern - du bleibst auf den Kosten sitzen.

Wie lange muss ich warten?

Auf dem Supermarktparkplatz musst du eine halbe bis eine Stunde warten. „Das richtet sich ganz nach den Gegebenheiten. Beim Einkaufen ist eine Stunde noch zumutbar. Beim Parkrempler abends im Wohngebiet müssen Sie natürlich nicht die ganze Nacht auf den Autobesitzer warten“, so Rechtsexperte Hannes Krämer vom europäischen Automobilclub ACE. Wenn absehbar ist, dass der Autobesitzer lange Zeit weg ist, rufe entweder die Polizei oder fahr auf direktem Weg zum nächsten Polizeirevier und melde dort den Schaden. 

Dokumentieren und Daten tauschen

Um sicher nachzuweisen, wer was gemacht hat und welcher Schaden entstanden ist, fotografierst du die Schäden am eigenen und gegnerischen Fahrzeug. Fertigst eine Skizze von Unfallhergang und –ort an. Tausche mit dem anderen Fahrzeugführer die persönlichen Daten. Dazu gehören Name und Adresse, Versicherungsnummer und Kfz-Kennzeichen. Gibt es Zeugen vom Unfallhergang, sichere auch deren Adressen. Lass dir vom Unfallgegner den Ausweis oder Führerschein zeigen. Gib dich auf keinen Fall damit zufrieden, dass dir eine Adresse einfach so genannt wird. Das gilt besonders dann, wenn du nicht schuld bist. Versuche immer, amtliche Papiere einzusehen. Um wirklich alle Daten richtig aufzunehmen und auszutauschen, verwendest du am besten einen sogenannten Europäischen Unfallbericht. „Da haben Sie alle relevanten Informationen drin und er ist in mehreren Sprachen verfasst, was gerade im Ausland sehr hilfreich sein kann“, weiß unser Experte vom ACE. Ein handschriftlicher Unfallbericht auf einem einfachen Zettel reicht aber auch.

Unfallstelle zügig räumen

Hast du alle Schäden dokumentiert, räume die Unfallstelle. Sorge auf jeden Fall dafür, dass du den übrigen Verkehr nicht weiter behinderst. Die Daten kannst du auch auf einem Parkplatz austauschen.    

Nichts unterschreiben

Auch wenn du am vermeintlichen Bagatellschaden schuld bist, unterschreibe dem anderen Fahrzeugbesitzer kein Schuldeingeständnis oder ähnliches. Unser Experte warnt: „Gerade als vermeintlich Schuldiger sind Sie emotional aufgeladen und überblicken unter Umständen gar nicht, was Sie da genau unterschreiben. Das kann im Ernstfall auch von Versicherungsseite gegen Sie verwendet werden.“  

Wann die Polizei gerufen werden sollte

Bei einem einfachen Blechschaden, bei dem sich die Unfallbeteiligten über Hergang und Schuld einig sind, brauchst du keine Polizei zu rufen. Dann musst du nur zivilrechtlich über deine Versicherung den Schaden regulieren. Rufe die Polizei aber auf jeden Fall, wenn:

  • jemand verletzt wurde,
  • ihr euch über Unfallhergang und Schuld nicht einig seid,
  • der Unfallgegner Druck auf dich ausübt, dich bedroht oder drängt, deine Schuld schriftlich einzugestehen,
  • der Andere keine Daten mit dir tauschen möchte und/oder Fahrerflucht begeht,
  • der Unfallgegner auf dich den Eindruck macht, dass er betrunken ist oder Drogen genommen hat,
  • der Unfall im Ausland passiert oder unter Beteiligung von ausländischen Bürgern, die keine deutschen Papiere haben.

Versicherung informieren

Zur Schadensregulierung braucht deine Versicherung alle Daten des Unfallgegners. Zur Not kannst du die gegnerische Versicherung auch mit dem Kfz-Kennzeichen über den Zentralruf der Autoversicherer ermitteln. Informiere deine Versicherung zügig und auf jeden Fall noch bevor du das Auto in einer Werkstatt reparieren lässt.  

Fazit

Verhalte dich auch bei vermeintlichen Bagatellschäden immer so, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Dokumentiere den Unfall sorgfältig und tausche die Daten der Beteiligten aus. Sichere dir Daten von Zeugen. Informiere umgehend deine Versicherung. Zeigt sich der andere Unfallteilnehmer nicht kooperativ, ruf die Polizei. 

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Vormittag | 01. Februar 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2018, 02:10 Uhr

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