COPD: Wenn die Lungen chronisch krank sind

21.11.2018 | 02:10 Uhr

Chronisch verschleppte Lungenkrankheit, so lässt sich die englische Bezeichnung Chronic Obstructive Pulmonary Disease in etwa übersetzen. Die Krankheit, kurz COPD, entwickelt sich schleichend über Jahre hinweg. Eines der Hauptsymptome ist chronischer Husten. Besonders gefährlich daran ist, dass bis zu 85 Prozent der Betroffenen in den frühen Stadien nichts von ihrer Krankheit merken oder wissen. Bei einigen werden Husten und Atemnot nicht einmal mit COPD in Verbindung gebracht, weshalb sie zunächst falsch behandelt werden. Außerdem werden die ersten Symptome wie andauernder Husten und Leistungsschwäche oft nicht ernst genommen oder auf andere Krankheiten geschoben.

COPD verläuft oft in Schüben, schreitet immer weiter fort und ist nicht heilbar. Die Krankheit lässt sich aber bremsen, wenn sie früh erkannt und richtig behandelt wird. Die Betroffenen können je nach Schwere und Grad der Krankheit mit den entsprechenden Medikamenten ein annähernd normales Leben führen. Bis zu 15 Prozent der über 40-Jährigen sind betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an COPD zu erkranken.

Das passiert in der Lunge

Bei der Krankheit sind die Bronchien chronisch entzündet. Ihre Wände verdicken sich, zusätzlich bildet sich zäher Schleim. Das lässt deutlich weniger Luft in die Lungenbläschen gelangen, es entsteht Atemnot. Viele Betroffene leiden zusätzlich noch an einem so genannten Lungenemphysem. Dabei werden die Wände der Lungenbläschen zerstört. Dadurch gelangt immer weniger Sauerstoff ins Blut, die Lunge bläht sich auf, das Ausatmen fällt schwer.

Die Anzeichen

Husten, Auswurf und Atemnot sind die ersten typischen Anzeichen. Die haben viele Betroffene auch bei einer starken Erkältung oder Grippe. Sollte der Zustand allerdings länger als acht Wochen anhalten, ohne dass du wirklich erkältet bist, solltest du unbedingt zum Hausarzt gehen. Oft tritt der hartnäckige Husten vor allem morgens auf. Kommt noch ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen oder Atemnot bei geringen Belastungen hinzu, ist Eile geboten.

Die Risikofaktoren

Ein Zigarettenstummel
Bildrechte: IMAGO

Rauchen ist der größte Risikofaktor. Nur 20 Prozent aller Betroffenen haben nicht geraucht. Es schädigt die Selbstreinigungsfunktion der Lunge. Auch Passivrauchen und hier gerade in Kinder- und Jugendjahren kann später eine COPD-Erkrankung auslösen. Die Krankheit kann auch erblich bedingt ausbrechen. Nicht behandeltes Asthma, verschleppte und nicht ausgeheilte Atemwegsinfekte können auch schädlich wirken, ebenso Umweltbelastungen durch Staub oder Gase.

Die Diagnose

Mit einem Lungenfunktionstest, einer sogenannten Spirometrie bekommt der Arzt heraus, ob du an COPD erkrankt bist. Dabei wird gleichzeitig festgestellt, wie weit deine Lunge unter Umständen schon geschädigt ist.

Die Schweregrade

Die Krankheit wird in vier Schweregrade eingeteilt, die je nach Alter Größe und Geschlecht und dem Ergebnis des Lungenfunktionstests berechnet werden.

Der Verlauf

COPD entwickelt sich schleichend. Immer wieder gibt es aber Schübe, sogenannte Exazerbationen, die den Verlauf deutlich beschleunigen. Ausgelöst werden sie oft durch Atemwegserkrankungen. Betroffene sollten sich deshalb möglichst davor schützen, die Lunge weiter zu belasten.

Obwohl COPD nicht heilbar ist, sterben viele Betroffene nicht direkt an der Krankheit, sondern an den Begleitumständen. Durch die eingeschränkte Belastbarkeit versuchen viele, sich zu schonen. Sie heben nur noch leichte Sachen, vermeiden Treppensteigen oder weite Wege. Am Ende halten sie sich fast nur noch in der eigenen, vermeintlich sicheren Wohnung auf. Sie sind sozial isoliert, manche bekommen Depressionen.

Die Behandlungsmöglichkeiten

Eine Frau mit einem Atenspray
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Die wichtigste Sofortmaßnahme ist ein absoluter Rauchstopp. Die Betroffenen müssen möglichst alle schädlichen Einflüsse auf die Lunge reduzieren. Medikamente wie Sprays halten die Atemwege frei. Gegen entzündliche Vorgänge kann Kortison verabreicht werden. Dieser Entzündungshemmer wird allerdings nur noch selten als Dauerlösung angesehen. Er kommt eher bei akuten Schüben zum Einsatz. Die Medikamente ermöglichen ein weitgehend normales Leben, es kommt hier immer auf die richtige Behandlung und Dosierung durch einen Lungenspezialisten an.

Das können Betroffene noch tun

Zusätzlich helfen auch spezielle Atemübungen, regelmäßiger, geeigneter Sport und Bewegung an der frischen Luft. Das alles trainiert und kann gegen die Verengung der Bronchien helfen. Spezielle Lungensportgruppen und sogar Lungenchöre sind gute Anlaufpunkte. Die Betroffenen kommen so auch mehr in soziale Kontakte. Zusätzlich sollten sich Betroffenen gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen. Das verhindert weitere Belastungen der Lunge. Zu einer ganzheitlichen Therapie gehört auch eine bewusste Ernährung, um körperlich nicht unnötig abzubauen. Wenn nötig helfen Physiotherapie und andere Rehamaßnahmen, die zur Stärkung der Lunge und des Körpers beitragen.

Die regelmäßige Kontrolle und Beratung beim Lungenfacharzt ist außerdem nötig. Nur er kann anhand deiner persönlichen Merkmale und Krankheitsdaten eine auf dich ausgerichtete Therapie entwickeln.

Die Prognose

Je früher eine COPD erkannt und behandelt wird, umso besser kann der Verlauf gebremst werden. Allerdings hängt das von vielen persönlichen Faktoren der Patienten ab. Im Allgemeinen können gut behandelte Patienten lange ein erfülltes Leben führen. Trotzdem sinkt die Lebenserwartung um mehrere Jahre und im letzten Schweregrad können Patienten auf dauernde Sauerstoffzufuhr angewiesen sein. Depressionen, Muskelabbau und Knochenschwund können die Krankheit zusätzlich begleiten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 21. November 2018 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 02:10 Uhr