Diabetes erkennen und behandeln

zuletzt aktualisiert: 14.11.2019 | 08:52 Uhr

Ein Blutstropfen aus einem Finger auf einem Teststreifen. 2 min
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MDR JUMP Mi 30.05.2018 02:10Uhr 02:04 min

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Diabetes mellitus (lateinisch "honigsüßer Durchfluss") ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Es wird zwischen Diabetes Typ-1 und Diabetes Typ-2 unterschieden. Der Typ-2-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, ist mit ca. 90 Prozent die häufigste Form der Krankheit. Dabei reagieren die Körperzellen zunehmend unempfindlich auf das körpereigene Hormon Insulin.

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet, fördert die Aufnahme des Energielieferanten Glukose in die Körperzellen und senkt dadurch den Blutzuckerspiegel. Werden die Zellen unempfindliche gegen Insulin, braucht der Körper immer mehr davon und es muss von außen zugeführt werden – man ist zuckerkrank.

Ein Kind spritzt sich mit einem Nivopen in ein Bein
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Der Typ-1-Diabetes tritt meist schon im Kinder- und Jugendalter auf und ist eine Autoimmunkrankheit. Der Körper zerstört die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin herstellen. Es kommt zu einem Insulinmangel, der Blutzuckerspiegel steigt – man ist zuckerkrank.

Wie entsteht Diabetes?

Weshalb beim Typ-2-Diabetes die Insulinresistenz im Körper entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Als wichtigste Ursachen haben Forscher bisher die Gene, eine falsche Ernährung und Bewegungsmangel identifiziert.

Messgerät zur Blutzuckerbestimmung mit einem Bluttropfen auf dem Messstreifen liegt auf einem Diabetes-Tagebuch.
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Die genauen Ursachen für den Typ-1-Diabetes sind noch unklar. Einige Gene stehen erwiesenermaßen mit der Entstehung in Verbindung. Fest steht: Beginnt der Körper mit der Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen, kommt es oft innerhalb kürzester Zeit um Ausbleiben der Insulinproduktion.

Wie Lässt sich Diabetes erkennen?

Der Typ-1-Diabetes verursacht erst Beschwerden, wenn die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse schon stark eingeschränkt ist. Der Typ-2-Diabetes verläuft anfangs meist symptomfrei, da er sich über einen langen Zeitraum entwickelt und der Stoffwechsel deshalb nur langsam aus der Bahn gerät.

Treten dann Symptome auf, sind sie bei beiden Krankheitsformen gleich:

Diabetiker bei einer Blutzuckermessung
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  • Häufiges Wasserlassen: Der Körper versucht, den vermehrt im Blut vorhandenen Zucker über den Urin auszuscheiden. Der verstärkte Harndrang ist deshalb oft das erste Anzeichen eines Diabetes.
  • Starker Durst: Durch den verstärkten Harndrang kommt es zu einem Wassermangel im Körper und der Betroffene hat größeren Durst als normal.
  • Müdigkeit, Schwäche, Schwindel
  • Gewichtsverlust:Dieser tritt nicht in allen Fällen auf. Es kommt zur Gewichtsabnahme durch den Flüssigkeitsverlust infolge verstärkten Harndrangs und – besonders bei Typ-1-Diabetes – durch den Rückgriff des Körpers auf Fettdepots, wenn er seinen Energiebedarf wegen der schlechten Blutzuckerverwertung nicht mehr decken kann.
  • Trockene, juckende Haut: Sie kann ein erstes Anzeichen für Diabetes sein und tritt auf, weil der Körper Flüssigkeit verliert.
  • Schlechte Wundheilung: Diese liegt darin begründet, dass bei Diabetes oft das Immunsystem geschwächt und die Haut schlechter durchblutet ist.
  • Erhöhte Infektionsanfälligkeit: Bei Diabetikern ist die Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen, Fußpilz und andere Infektionen der Haut und Parodontitis besonders erhöht.
  • Azetongeruch des Atems: Dieser macht sich ausschließlich bei Typ-1-Diabetikern im Atem bemerkbar und entsteht beim Fettzellenabbau des Körpers.

Spätestens wenn eines oder mehrere Symptome auftreten, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Der bestimmt als erstes den Blutzucker. Er stellt die Diagnose Diabetes mellitus, wenn nach zweimaliger Messung der Blutzuckerspiegel und Blutzuckerwert (zwei Stunden nach einem Glukosetoleranztest) über  200 mg/dl liegen und der Nüchternblutzucker 126 mg/dl übersteigt. Weitere Tests stellen klar, welcher Diabetestyp vorliegt. Diabetes Typ-1 lässt sich mithilfe der dafür typischen Autoantikörper feststellen.

Ist die Diagnose gefallen, untersucht der Arzt Urin, Blutdruck, Augenhintergrund, Nerven und Füße. Außerdem werden Blutfett- und Nierenwerte genommen.

Oft wird Diabetes auch erst festgestellt, wenn Patienten mit bereits auftretenden Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche, Netzhautschäden, Nervenstörungen und dem sogenannten diabetischen Fuß in die Praxis kommen, denn nur etwa 30 bis 50 Prozent der Typ-2-Diabetiker entwickeln überhaupt typische Symptome.

Wie wird Diabetes behandelt?

Die Diagnose Diabetes bedeutet immer eine Umstellung im Leben der Betroffenen.

Ein Blutzuckertestgerät mit einem Teststreifen
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Typ-1-Diabetiker müssen fortan Insulin spritzen. Das geschieht mit einem füllfederhalterähnlichen Injektionsgerät, genannt Pen. Einige Betroffene tragen eine Insulinpumpe am Körper, die laufend kleine Mengen Insulin ins Blut abgibt.

Der Großteil der Typ-1-Diabetiker geht nach dem Schema der intensivierten Insulintherapie (ICT) vor. Dabei spritzt man sich ein- bis zweimal täglich langwirkendes Insulin und zusätzlich zu den Mahlzeiten jeweils eine Dosis schnelles Insulin. Den Kohlenhydratgehalt ihrer Mahlzeiten müssen die Betroffenen gut abschätzen, denn davon hängt die Menge des benötigten Insulins ab.

Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist unerlässlich, um eine akute Unter- oder Überzuckerung zu vermeiden.

Typ-2-Diabetikern helfen oft schon eine Ernährungsumstellung, Gewichtabnahme, Körperfettreduzierung und viel Bewegung. Das verbessert den Stoffwechsel und lindert die Symptome. Außerdem besteht dann die Chance, große Mengen an Medikamenten zu vermeiden und die Insulinresistenz sogar wieder umzukehren.

Lässt sich der Diabetes auf diesem Wege nicht in den Griff bekommen, verschreibt der Arzt Blutzuckersenker. Bei längerer Erkrankungsdauer können auch Typ-2-Diabetiker insulinpflichtig werden und müssen sich dann spritzen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 14. November 2018 | 14:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 01:53 Uhr