Quicktipp Handwerkerrechnungen unter der Lupe

Wer nicht mit Handwerker-Genen bedacht wurde, sollte viele Arbeiten in und am Haus Profis überlassen. Vom Preis für Handwerkerleistungen sollte man sich aber nicht überraschen lassen. Was darf auf der Rechnung stehen?

Ein Mann in Handwerkerkleidung hält in der einen Hand eine Schraubzwinge und nimmt mit der anderen Hand von einer zweiten Person drei Euro-Scheine mit dem Gesamtwert von 80 Euro entgegen. Von beiden Personen sind vor allem die Hände zu erkennen. Im Hintergrund ist eine Küchenzeile zu sehen. 2 min
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MDR JUMP Mi 12.07.2017 09:11Uhr 01:54 min

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Vorauswahl und Kostenvoranschlag

Gute Handwerker sind an langfristiger Kundenbindung interessiert und kommen persönlich bei dir vorbei. Sie besprechen die Handwerksleistung genau und fertigen dir einen verständlichen Kostenvoranschlag. Daraus sollten die Preise für Material und Arbeit getrennt hervorgehen. Alle Preise müssen brutto, das heißt mit Mehrwertsteuer, angegeben sein.

Schwarze Schafe hantieren mit Nettopreisen, argumentieren dass dies "im Handwerk so üblich ist". Rechtens ist das nicht. Kundenorientierte Firmen verlangen kein Geld für einen Kostenvoranschlag. Zahlen musst du den übrigens nur, wenn er vorher vereinbart wurde.

Abweichungen vom Kostenvoranschlag

Die endgültige Rechnung darf maximal 20 Prozent über dem Kostenvoranschlag liegen. Die Abweichung vom Angebot muss der Handwerker schlüssig und für dich am besten schriftlich begründen. Wurde mit Nettopreisen geworben, musst du am Ende auch nur diese bezahlen.  

Anfahrtskosten des Handwerkers

Für die Anfahrtskosten berechnen Handwerker in der Regel eine Kilometerpauschale. 30 Cent pro Kilometer sind angemessen. Auch eine halbe Lohnstunde ist für die Anreise annehmbar. Vereinbare das am besten schriftlich vor Beginn der Arbeiten. Möglich ist auch eine pauschale Summe auf der Rechnung für die Anfahrtskosten. Alles über 20 Euro pro Tag solltest du ablehnen.

Für eventuelle Unfälle, Schäden oder sonstige Probleme beim Transport bist du als Bauherr nicht verantwortlich.

Wie wird die Arbeitszeit berechnet?

Eine gelbe Stoppuhr liegt auf einem kalender
Sie können auf Abrechnung im Zehn-Minuten-Takt bestehen. Bildrechte: colourbox.com

Bei einem festgelegten Stundenlohn dürfen Handwerker nicht auf volle oder halbe Stunden aufrunden. Als Bauherr kannst du auf eine Abrechnung im Zehn-Minuten-Takt bestehen. Das macht sich besonders bei mehreren Handwerkern auf einer Baustelle bemerkbar. Schreibe die Arbeitszeiten möglichst immer mit und verlange vom Handwerker ebenso eine genaue Aufstellung der Arbeitszeiten.

Wie verbindlich ist der Terminplan?

Kleine Handwerksbetriebe müssen wahre Meister im Timing sein. Wenn die eine Baustelle fertig ist, sollte im Idealfall nahtlos die nächste beginnen. In der Praxis ist das selten möglich. Deshalb versuchen die Firmen, immer mehrere Baustellen gleichzeitig zu bedienen. Handwerker halten sich in der Regel an den mit dir abgesprochenen Terminplan und sagen bei eventuellen Änderungen rechtzeitig Bescheid. Rechnungsorientierte Handwerker bleiben ohne Ankündigung auch mal für einen oder mehrere Tage der Baustelle fern. Sie bedienen dann in der Regel den Kunden der am meisten nervt. Hast du einen Termin für die Fertigstellung vereinbart, dann muss der Handwerker sich auch daran halten. Verzögerungen muss er begründen.

Sollte dir durch die Verzögerungen ein Schaden, wie etwa Mietausfälle oder gesperrte Kreditauszahlungen entstehen, muss der Handwerker das ersetzen. Setze dem Handwerker aber vorher schriftlich eine Frist zur Beendigung der Arbeiten. Ein bis zwei Woche Verzögerung musst du in der Regel in Kauf nehmen. Ausnahme: Du hast schriftlich einen festen Fertigstellungs-Termin und Strafzahlungen bei Nichteinhaltung vereinbart.

Auf Baumängel prüfen (lassen)

Fällt dir während oder nach den Arbeiten ein Mangel auf, dann reklamiere das sofort vor Ort. Wird der Mangel nicht umgehend beseitigt, informiere die Firma schriftlich und räume eine Frist zur Beseitigung ein. Bis zu zehn Tage sind dafür angemessen. In der Praxis hat der Handwerker zwei Chancen zur Nachbesserung. Kommt er dem nicht nach oder bist du nicht zufrieden, dann kannst du entweder selbst nachbessern oder eine andere Firma damit beauftragen. Alles zu Lasten des ersten Auftragnehmers. Mach unbedingt Fotos und lass dir die Lage vor Ort am besten durch Dritte bezeugen.

Die Posten auf einer Rechnung

Eine Rechnung zeigt einen Gesamtbetrag von 1311,38 Euro.
Bezahlen Sie nicht den kompletten Preis bar, wenn Mängel vorliegen. In jedem Fall lassen Sie sich eine Quittung geben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Rechnung beinhaltet alle Arbeitsstunden, Materialien und andere Kosten; aufgeschlüsselt und für dich leicht verständlich nachvollziehbar. Einen Teil der reinen Arbeitsleistung kannst du unter Umständen von der Steuer absetzen. Aber nur, wenn sie einzeln ausgewiesen ist.

Der Handwerker weist auf der Rechnung alle Posten einzeln aus. Nicht selten gibt es Skonto ein - bei Bezahlung innerhalb einer kurzen Frist ein Rabatt von einem bis zwei Prozent. Solltest du Zweifel haben oder Mängel vorliegen, unterschreibe nichts und behalte so viel Geld von der Gesamtsumme ein, wie du glaubst, zur Mängelbeseitigung zu benötigen.     

Die Gewährleistungsfrist

Am Tag der Abnahme bzw. Übernahme der Handwerksleistung durch den Bauherrn beginnt die Gewährleistungsfrist. Diese ist je nach Art der Leistung unterschiedlich lang. Bei Reparaturarbeiten oder  Anfertigungen von Produkten beträgt sie zwei Jahre. Bei Arbeiten am Bau sind es fünf Jahre. Hat ein Handwerker einen Mangel bewusst verschwiegen, hast du nach Entdeckung des Mangels drei Jahre Zeit, den Mangel auf Kosten des Handwerkers beseitigen zu lassen.

Mängelbeseitung einfordern

Kommt ein Handwerker seinen vertraglichen Pflichten nicht nach, reagiert er nicht auf deine Aufforderungen, dann wende dich am besten zuerst an die jeweils zuständige Handwerkskammer. Dort gibt es Schlichtungsstellen. Das ist die günstigste, weil kostenlose Variante. Ebenso kannst du dich an die Verbraucherzentrale wenden. Ist partout keine Einigung in Sicht, nimm dir einen Rechtsanwalt und einen Gutachter.

Schwarzarbeit keinen Vorschub leisten Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt. Ein Handwerker ist zudem, wenn er schwarz arbeitet, nicht versichert. Bei Unfällen kann der Arbeitgeber für Behandlungskosten etwa mit zur Verantwortung gezogen werden. Bei eventuellen Sachschäden springt die Betriebshaftpflicht des Handwerkers nicht ein. Gibt es Mängel an der Handerksleistung sind Sie auch gänzlich ohne rechtliche Handhabe.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 12.07.2017 | 9:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 02:10 Uhr